• Also ich fand den Film schwachsinnig.

    Da ist ein Hexenkult, der sagt: „So, wir brauchen 9 Opfer, 4 von uns, vier von außen und ein Tier.“


    Dann holen sie sich 7 Leute rein, zwei, die dort eh uralt sind bringen sich um.

    zwei integrieren sie in ihren Kult und vier schlachten sie gleich und einen der Außenseiter verkleiden sie als Bär.
    Und wenn es dann drum geht, aus den eigenen Reihen die Opfer zu wählen – na huch, siehe da, die beiden neuen.
    „Hähähähä, du Depp. Wir Opfern doch nicht uns für unsere Rituale :P“


    Eine Frau behalten sie, alle bekloppt und Ende des Films.

    WTF?

  • Habe Midsommar zwischenzeitlich auch gesehen. Die Handlung hat tatsächlich einige Lücken und man kann zurecht bei vielen Szenen die Logik hinterfragen ...


    Aber:

    atmosphärisch ist der Film durchaus gelungen, wie ich finde. Zunächst dieses staunende Element, der Unglaube der Besucher, die Faszination des Fremdartigen ...

    und dann gefällt mir der stete Kontrast zwischen diesem Sommer der Liebe Happening mit weißen Gewändern und Blumenschmuck und Komune1-Feeling und der Brutalität durch groteske Selbstmordrituale, unheimliche Orakel, sexueller Zeremonien und Opferungskult.

    Das konnte mich phasenweise durchaus unterhalten und faszinieren, letztlich aber auch nicht wirklich erschrecken oder schockieren.


    Was sich mir am nachhaltigsten eingeprägt hat, ist diese dargestellte Form des Mitleids. Das Opfer schreit und damit es ihm besser geht, schreien alle anderen mit, im selben Ton, im selben Rhythmus, wie im Kollektiv. Das fand ich stark und hat mich mehr irritiert als der Mann im Bär zum Ende des Films.

  • Ich stimme euch da zu 100% zu. Ein Film, der von seiner Atmosphäre lebt. Handlung und Logik sind da zweitrangig. Auch die Figuren selbst, spielen - zumindest für mich - eine untergeordnete Rolle. Normalerweise kann ich diesem Style over Substance Dingens wenig abgewinnen, aber Midsommer hat mich gepackt. Zwar ne ganz andere Baustelle, aber: Ähnliches empfinde ich auch bei so manchen Lynch-Werken (ein Filmemacher, den ich vergöttere!).

    Der Streifen kann durchaus als zäh empfunden werden, und ich hätte ihn auch gerne in einer gekürzten Version gehabt (nicht auf die Gewalt bezogen, beziehungsweise nicht nur ;) ). Nichtsdestotrotz hat man das Gefühl, in ein großes Mysterium hineingezogen zu werden. Stichwort: Sog-Wirkung. Die Optik ist fantastisch und auch dem Sujet der abgelegenen Gemeinschaft und ihrer Rituale kann ich sehr viel abgewinnen. Erstaunlich eigentlich, dass es nicht mehr Filme auf diesem Gebiet gibt. Ein fetter Minuspunkt ist für mich jedoch die Nähe zum WickerMan aus den 70 (?) ern. Wenn sich Kunstschaffende so offensichtlich Vorbilder nehmen, finde ich, dass sie in der Pflicht sind, noch irgendwas Besonderes hinzuzufügen. Das schafft der Film für mich nicht.

    Dennoch ein guter Film, den ich auch dem Vorgängerstreifen des Regisseurs in jeder Beziehung vorziehe. Damit stehe ich ziemlich allein, das weiß ich ;) Aber ich freue mich schon sehr auf den nächsten!

  • Nachdem ich nun Midsommar und Heredetary gesehen habe, gebe ich auch mal meinen Senf dazu:


    Heredetary: Grundsätzlich gut. Für mich eine Vermischung aus Stephen King-Story und 70er Jahre Okkultfilmen. Aber ich habe irgendwie einen anderen Überraschungseffekt am Ende erwartet. Dass es einen gibt, war ja hinlänglich bekannt. Als versemmelt möchte ich das Ende nicht bezeichnen aber wie geschrieben habe ich in eine andere Richtung gedacht. Ich hatte erwartet, dass es noch einen Knalleffekt gibt, der irgendwie mit den Miniaturhäusern/-szenen zusammenhängt. Sehr gut gefallen hat hat mir schon der Hinweis auf Hexen ganz zu Anfang mit dem Baba Yaga-Baumhaus :-)


    Midsommar: Tatsächlich fand ich den gar nicht so sehr anders als Heredetary, was hier auch schon jemand geschrieben hat, wenn ich micht nicht irre. Insgesamt hat mir der Film besser gefallen, als der Erstling. Zugegeben war das Meiste vorhersehbar, wenn man nicht völlig zufällig an den Film gerät. Doch die Stimmung und die Bilder, auf die man sich klar einlassen muss, haben mich gefangen genommen. Ich habe den auch insgesamt als runder empfunden.


    Überhaupt habe ich eine Tendenz zu "Zweitfilmen" oder Nachfolgern zu Überraschungserfolgen. Die haben bei mir im Kopf immer ein wenig Underdog-Status:

    Unbreaklable finde ich besser als Sixth Sense, weil der weniger gebügelt ist und das Thema Comics und Superhelden mich gezielter anspricht

    Wir finde ich besser als Get Out, weil der noch skurriler und größer aufgezogen ist

    Midsommar besser als Heredetary, siehe oben