Phantastische Bibliothek Suhrkamp (1978-2000)

  • Eine wirklich ausgezeichnete Reihe mit zahlreichen wichtigen Büchern. Bei mir wären da neben den genannten Büchern von Lovecraft und Blackwood auch v. a. die Bände von LeFanu, Clark Ashton Smith und William Hope Hodgson zu nennen während mich die SF-Bände aufgrund persönlicher Vorliebe nicht so sehr interessiert haben. Gerade die Bände von Smith habe ich lange gesucht, bis ich die vollständig hatte.


    Die Reihe war Ende der 90er mein Einstieg in die Phantastik. Das war wohl noch ein ganz guter Zeitpunkt dafür, von der Reihe habe ich mehrere Großpakete erworben, die damals günstig verramscht wurden. Andererseits auch schon wieder etwas traurig, dass der inhaltliche Wert da in keinem sinnvollen Verhältnis zum Preis stand, Klasse setzt sich wohl nicht immer (zumindest dauerhaft) durch. Aber immerhin lief die Reihe ja ziemlich lange, interessant wäre da für mich, was letztlich zur Einstellung geführt hat.

  • Die vielen Rückmeldungen freuen mich sehr. Schön zu sehen, dass die Phantastische Bibliothek auch anderen neue literarische Welten erschlossen hat.


    Wenn ich mehr Zeit und Ruhe gehabt hätte, hätte ich mehr Bände herausgesucht. Wie ich sehe, fehlen auf den Fotos mit J. G. Ballard, Herbert W. Franke, den Strugatzkis oder "Phaïcon" mehrere Stützen der Reihe.





    Vor allem um Rottensteiners Lovecraft-Bände muss ich mich mal kümmern, seine internationalen Gespenstergeschichten- und Märchensammlungen bei Fischer sind schon an sich grandios.

    Gerade diese Bände werden meist vergleichsweise teuer angeboten. Schau dir mal die Angebote zu "Der Einsiedler von Providence" an...

    Am besten wäre es wohl, es direkt bei Franz Rottensteiner zu versuchen.



    Die Seite ist schon deswegen beeindruckend und hilfreich, weil bei den meisten Titeln auch die Inhaltsverzeichnisse aufscheinen. Wirklich eine Heidenarbeit, die sich Klaus Meinetsberger da angetan hat!



    Es sieht so aus, als hätten die Verdienste um diesen Autor hierzulande in den Händen von Kalju Kirde gelegen.


    An der Phantastischen Bibliothek lässt sich leicht erahnen, wie Kalju Kirde mit seiner Bibliothek des Hauses Usher weitergemacht hätte. Neben zusätzlichen Bänden von Algernon Blackwood, W. H. Hodgson, H. P. Lovecraft und C. A. Smith, gab er auch Sammlungen von Dino Buzzati, Erckmann-Chatrian, Guy de Maupassant, Henry S. Whitehead und die großartige Anthologie "Das unsichtbare Auge" heraus.

    Gerade Blackwood dürfte auch nicht schlecht gelaufen sein. "Besuch von Drüben", "Das leere Haus", "Der Griff aus dem Dunkel" und "Der Tanz in den Tod" liegen alle neben den frühen rosa/lila-Umschlägen noch in Schwarz vor. Interessanterweise nur teilweise mit neuer Nummer.

  • Ich habe das Glück, dass mein Buchhändler längst vergriffenen Nachschub direkt bei Fanz Rottensteiner für's Geschäft besorgen kann (bzw. manchmal tut, wenn viele davon verkauft sind). Ich bin gesegnet mit diesem Laden und dem Besitzer zum guten Freund. Das Mord und Musik in Wien übrigens, immer einen Besuch wert!

    Und da sind wir einander nie über den Weg gelaufen? Ich war recht oft da, vor allem zu den Lesungen und habe auch selbst da gelesen.


    Franz selbst kann man auch öfter mal bei den Treffen der Science-Fiction Gruppe Wien treffen. Die sind inzwischen zwei Mal im Monat.

  • Ja, dort habe ich ihn auch schon einmal getroffen, war allerdings erst einmal beim SciFi-Club.

    Beim Walter im Mord und Musik bin ich eigentlich mindestens einmal die Woche und das meist für mehrere Stunden zum Plauschen und Einkaufen.

  • Na ja, jetzt bin ich natürlich nicht mehr da, ich bin ja umgezogen und war die letzten Jahren nur noch sehr selten in Wien. Aber früher war ich eben öfter im Laden (vor allem zu den Donnerstags-Lesungen) meistens auch bei den SFGW-Treffen. - Bei Franz zu Hause (also da in Niederösterreich) war ich auch mal.

  • Hallo the_seus,


    oh, danke für den Tipp, nach den Preisen hatte ich noch gar nicht geschaut.

    Wie ich sehe, fehlen auf den Fotos mit J. G. Ballard, Herbert W. Franke, den Strugatzkis oder "Phaïcon" mehrere Stützen der Reihe.

    Da fehlen welche, weil ich später die Ausgaben von Volk und Welt gekauft hatte, aber vielleicht besser als nix. (Die waren damals alle neu gekauft, man sieht zweien an, dass die zu meinen vielgelesenen Lieblingsbüchern gehören <3).


  • Das sind noch die richtigen Klassiker. Ich fand es ja schade, dass dann neuere Auflagen mancher Bücher wie von Lovecraft dann nicht mehr das Reihendesign hatten. - Früher hat auch meine Mama gerne mal Bücher aus Wühlkisten mitgebracht, da habe ich das mal erklärt, dass ich mich besonders da drüber freuen würde. "Schau, die sind schwarz mit rosa Schrift!" (Die rosafarbenen mit lila Schrift waren ja noch älter und von der damaligen Ausverkaufswelle nicht mehr betroffen.)

  • Zur Reihe bin ich durch Lovecraft gekommen, und aufmerksam gemacht auf H.P.L. durch Clive Barker s ABC des Horrors.

    Lief ungefähr 1995 auf Premiere, anfang 1996 gleich mal 6 Bände Lovecraft gekauft.

    Das war dann wie ein Kieselstein, der im Wasserteich Wellen erzeugt. Immer mehr und mehr Autoren entdeckt,

    da die Bände am Schluss hin zumeist Werbung und Programm der PhB enthielten.

  • Aber immerhin lief die Reihe ja ziemlich lange, interessant wäre da für mich, was letztlich zur Einstellung geführt hat.

    Zum einen weil sich die Bücher einfach nicht mehr gut genug verkauft haben. Zum anderen weil der Phantastik nach dem Tod von Siegfried Unseld, der ihr durchaus zugeneigt war, der Rückhalt im Verlag fehlte.



    Bei Franz zu Hause (also da in Niederösterreich) war ich auch mal.

    Letztes Jahr gab es im Wiener Magazin Rokkos Adventures einen Artikel über Franz Rottensteiners beeindruckende Bibliothek.

  • Die rosafarbenen mit lila Schrift waren ja noch älter und von der damaligen Ausverkaufswelle nicht mehr betroffen.

    Lila mit Rosa kam meine ich sogar zuerst (oder zeitgleich mit dem Reverse): Die Schnecke hier ist von 1978, Picknick von 1981, dann weiter in rosa Samstag von 1982, Regenbogen von 1983, und wieder lila der Käfer von 1985. Alles Suhrkamp-Erstauflagen, einge sind auch Suhrkamp-Übersetzungen, andere die des DDR-Verlags Das neue Berlin.


    Das Cover der Troika ist eines der ganz wenigen (das einzige, das ich kenne) dieser Phantastik-Reihe, das tatsächlich etwas mit dem Inhalt zu tun hat; und da mag ich auch das Schwarz. Schade nur, dass die historische stalinistische Troika zwar aus drei Vorsitzenden bestand, der Witz in diesem Buch aber ist, dass es vier Vorsitzende sind - wovon einer ständig schläft. Echt schade, mal wieder ein Beispiel dafür, dass Cover-Künstlern detailliertere Informationen gegeben werden sollten.


    Süß, dass du von deiner Mutter erzählst. Die ältesten drei Strugatzki-Bände hier gehörten auch meiner Mutter, den Rest hab ich selbst gekauft. Sie hat mir die netterweise schon irgendwann in den frühen 80ern übereignet, genau wie ihre Suhrkamp-Lovecrafts (den ich ebenfalls durch sie kennelernte) aus der gleichen Zeit. Wesentlich schneller jedenfalls, als ihre wunderschöne gebundene Lem-Ausgabe mit dem schwarzen Hieronymus Bosch-Cover, das sie mir erst vergangenes Jahr angeboten hat. :)

  • Ein hervorragender Beitrag und eine schöne Diskussion!


    Selbst ich als verhältnismäßig spät Geborener bin zumindest anteilig durch die augenfälligen Suhrkampbände an die Phantastik gebunden worden. Zwar startete ich mit Tolkien und Epigonen und von Lovecraft hörte ich das erste Mal durch den ersten Band der Reihe von Frank Festa, der noch bei Blitz erschien, jedoch sammelte ich danach einige Ausgaben der "Phantastischen Bibliothek" über den lokalen Großflohmarkt zusammen. Darunter auch Lovecrafts "Berge des Wahnsinns". Insofern bin auch ich der Reihe - obgleich sicherlich wesentlich weniger verbunden als diverse andere hier - zu Dank verpflichtet.


    Heute habe ich eine Vielzahl der Bände im Regal stehen. Lovecraft (zum Glück auch alle Sekundär-Bände), Blackwood, Machen, Le Fanu, Grabinski, Dunsany... und vieles mehr. Da ich zudem beinahe die komplette "Bibliothek des Hauses Usher" besitze, deren Texte ja in den Suhrkampbänden wiederverwendet werden, gemeinde ich die grünseitigen Hardcover einfach mal flugs ein.

  • Fehler meinerseits im Eingangspost. August Derleths "Auf Cthulhus Spur" war nicht der einzige Band, für den man das Covermotiv der Erstausgabe recycelte. Auch bei "Das Fenster zur anderen Welt" von Lord Dunsany wurde die Umschlagzeichnung übernommen.



  • Vielen Dank für diesen sehr schönen Beitrag.


    Ich bin seinerzeit durch Hohlbeins "Der Hexer" zu Lovecraft und somit zur Phantastischen Bibliothek bei Suhrkamp gekommen. Dabei ist es dann natürlich nicht geblieben und ich habe im Nachgang auch Blackwood, Hodgson etc. für mich entdeckt.


    Schade, dass es solch schöne Reihen heute nicht mehr gibt.

  • Fehler meinerseits im Eingangspost. August Derleths "Auf Cthulhus Spur" war nicht der einzige Band, für den man das Covermotiv der Erstausgabe recycelte. Auch bei "Das Fenster zur anderen Welt" von Lord Dunsany wurde die Umschlagzeichnung übernommen.



    Wobei das bei Derleth wirklich nicht zum Inhalt passt. Solche Darstellungen finde ich auch als Frau abschreckend, das schaut doch pornographisch aus.

    Das ist allerdings ein Band, den ich eine Zeit lang doppelt habe, den zweiten habe ich dann beim SF-Stammtisch verschenkt.

  • Wobei das bei Derleth wirklich nicht zum Inhalt passt. Solche Darstellungen finde ich auch als Frau abschreckend, das schaut doch pornographisch aus.

    Stimmt, aber die Bilder der Suhrkamp-Phantastik Reihe passten doch so gut wie nie zum Inhalt.


    Deine Ablehnung von Pornographie sei dir vollkommen unbenommen, aber das hat ja nix mit deiner Geschlechtszugehörigkeit zu tun. Ich als Konsumentin und gelegentliche Schreiberin dieses Genres sehe das ganz anders (und zwar nicht, weil ich einen Unterschied zw. 'guter' Erotik und 'bösem' Porno machte). Klar werden da teils unrealistische Bilder geschaffen, aber das ist a) in der Phantastik selbst nicht anders und b) betrifft das nicht nur Frauen. Frag mal die Klempner ...;)


    Damit dieser hübsche Thread nicht zweckentfremdet wird, mache ich gerne heute Abend ein Thema zu Porno/Erotik + Horrorliteratur auf - ich meine nämlich auch, die beiden mixten sich nicht so stark, wie man bei zwei derart transgressiven Genres annehmen könnte.