Musik mit Horror-Bezug

  • Was für eine Folk-Horror-Stimmung, ein paar düster bzw. blutige „historische“ Songs.


    Schwedische Werwolf-Traditionals sind sehr blutig und haben selten ein Happy End für Menschen. Idee ist oft, dass jemand, der durch einen Fluch zum Werwolf wurde, von dem Blut eines ungeborenen Kindes zurückverwandelt würde (dazu wird am besten die getötet, die den Fluch aussprach).


    Garmarna: Varulven (Der Werwolf), Schwed. Traditional

    Eine Schwangere wird im Wald von einem Werwolf verfolgt, sie rettet sich auf einen Baum. Der Wolf gräbt dessen Wurzeln aus. Währenddessen verhandelt die Frau mit ihren silbernen Umhang und Schmuck:

    „Lieber Wolf, bitte beiße mich nicht, ich gebe dir meine Goldkrone.“

    „Deine goldene Krone brauche ich nicht, mit deinem Leben und Blut sollst du bezahlen.“

    Ihr Ehemann reitet in den Wald, sie zu retten. Das Lied endet mit:

    „Und als er an den Ort kam, fand er nur noch einen blutigen Arm.

    Meine Jungfrau ist tot, mein Pferd ist verendet – Sie war schwangeren Leibes.“


    Ranarim: Den förtrollade barnaföderskan (Die verhexte Schwangere) Schwed. Trad.

    Die Stiefmutter einer jungen Frau verhext diese, sodass ihre Zwillings-Schwangerschaft 8 Jahre andauert. Die Schwester befreit sie mit einem Gegenzauber, worauf die Hexenstiefmutter aus Gram stirbt.


    Garmarna: Gamen (Der Geier) Schwed. Trad.

    Eines der ungewöhnlichsten Traditonals, die ich kenne. Eine junge Frau wird nach auswärts verheiratet. Ihr Mann beschuldigt sie als Hexe, schlägt und legt sie in Ketten. Sie ruft um Hilfe und ein weiblicher Geier kommt. Die Frau geht einen Deal ein: sie legt sich die beiden Geierkücken an die Brust, um sie zu wärmen; der Vogel holt den Vater. Als dieser auf seinem schwarzen Hengst eintrifft, zertrümmert das Pferd mit einem Vorderhuf das Herz des Ehemannes, der Vater reitet mit seiner Tochter zurück nach Hause.


    Garmarna: Vedergällningen (Rache) Schwed. Trad.

    Eine Mutter verhext ihren eigenen Sohn: sie sagt ihm, dass nichts Gutes aus ihm werden wird; nacheinander verwandelt sie ihn in eine Schere, ein Messer und dann einen grauen Wolf. Dieser flieht in den Wald. Eines Tages sieht er seine hochschwangere Mutter über eine Brücke reiten, zieht sie vom Pferd, reißt ihr den Leib auf und trinkt das Blut seines ungeborenen Bruders. Dadurch wird der Fluch gebrochen, und er wird ein „hübscher junger Mann“. Happy End!


    Hedningarna (Die Heiden), schwed. Band mit zwei finnischen Sängerinnen, die Traditionals und ‚magische’ Gesänge aus dem 18. Jahrhundert vertonen. Lyrics original.

    Pornopolkka

    Ostkarelisches Traditional. Dort gibt es extrem komplexe naturmagische Weltkonzepte. „Fruchtbarkeits-Magie“ existiert nicht, sondern Lieder über Begehren und Sex (‚passend-machen‘). Dieses ist eines davon, aus der Sicht des sehr aktiv-initiativen Mädchens.

    Tuuli (Wind)

    Mit Joik (Sami-Sänger Wimme Saari) und teils Obertongesang. Altes Zauberlied zum Heraufbeschwören eines Sturms. In den ersten Zeilen wird ein heidnisches finnisches Schöpfungsgötterpaar angerufen, ähnliche Figuren wie Baba Yaga und Koschei.


    Düstere schottische Ballade, notiert 1611, aber vermutlich aus dem Mittelalter

    Schelmish: Twa Corbies

    Zwei Raben wählen einen erschlagenen Ritter zum Mahl, doch seine Leiche wird von seinem Hund, Falken und seiner Liebsten bewacht. Am folgenden Morgen ist diese aus Trauer selbst gestorben.

    bzw. auf deutsch weniger rockig: Die drei Raben



    Emilie Autumn: Miss Lucy Had Some Leeches (Zu den Viktorianischen Madhouses und medizinischen Experimenten, nach dem itsy-bitsy-spider Format mit ineinanderlaufenden Worten, die so zwischen zwei Zeilen sarkastisch/dunkle Bedeutungen teilen. Soundqualität ist so im Original).


    Omnia vertont Lewis Carrolls „Child of the Pure Unclouded Brow“ als Fairy Tale


    Omnia: E. A. Poe, The Raven

    Rotting Christ - Deathmetal Version vom Raven.

    Kein rip-off, der Sänger verehrt Poe und listet dieses Gedicht als eines seiner größten Einflüsse.


    Flogging Molly: The Devil’s Dancefloor

    Ohne jeden Horrorbezug, aber mein Favourite von Molly: Black Friday Rules („You drink too much coffee, I drink too much stout." :D)


  • Malokarpatan - Krupinské Ohne


    Eine Slowakische Black Metal Band mit Folk-Horror Thematiken, die hier enorm akribisch und seriös recherchierte lokale Sagen und Historie verarbeiten, gesungen in dem Dialekt der entsprechenden Region (aus der auch die Familie des Texters/Sängers stammt). Der Stil ist bewusst vom monotonen Skandinavischen BM abgesetzt, klingt melodisch und vielschichtig, die Vocals eher growlig.


    Das Album hat ein stimmungsvolles Intro, ab 10:30‘ starten die Songs.


    Die Texte drehen sich u.a. um die Alraune-Sagen, um historische Hexenprozesse (wobei Verhörprotokolle verwendet wurden), Schlafparalyse und vorzeitliche Kulturen. Ein wirklich lesenswertes Interview zu dem historischen und auch sozialpolitischen Hintergrund, das auch einen tollen Überblick über Volkssagen bietet, hier (Engl).


    Ungewöhnlich für BM lässt sich das Album auch gut nebenher bzw. beim Schreiben hören, und ist weniger brachial-fordernd als z.B. meine sonstigen Genre-Favourites Drudkh (Ukraine) oder die russisch-ukrainische Kooperation zw. Svarga & Drygva.

    Ähnlichste Band wäre vllt. die britische Ildra mit ihren ausschließlich Altenglischen Texten.


    Malokarpatan Bandcamp-site mit allen 4 Alben


    Wer sich für BM aus Osteuropa interessiert: hier werden neue Veröffentlichungen vorgestellt (die FB-Seite ist viel übersichtlicher).