Shirley Jackson: The Haunting of Hill House

  • Inzwischen habe ich mein nächstes Buch für die Lesechallenge fertiggelesen. "The Haunting of Hill House" ist eine sehr klassische Spukhaus-Geschichte. Da das Buch mittlerweile auch schon älter ist, scheint die Einordnung in die Kategorie "Einflussreichste Werke des Genres Horror" durchaus zutreffend zu sein. Das Buch liest sich über weite Teile wie der Archetyp eines Spukhaus-Romans. Da gibt es unerklärliche kalte Flecken im Haus, Blut bzw. blutige Schrift an den Wänden, eine vom Unglück verfolgte Erbauer-Familie, den Versuch einer Kontaktaufnahme mit den im Haus zurückgebliebenen Seelen und Ähnliches mehr. All das ist nicht schlecht geschrieben und auch im englischsprachigen Original relativ flott und unterhaltsam zu lesen. Allerdings ist Vieles in dem Buch, gerade weil es so klassisch ist, etwas vorhersehbar. Wirklich spannend oder gar gruselig fand ich das Buch von daher leider nicht. Aus heutiger Sicht ist das Buch insofern wohl vor allem von historischem Interesse, da es ein Subgenre sehr eindeutig absteckt. Die hier beschriebenen Motive tauchen auf jeden Fall in ähnlicher Form immer mal wieder in anderen Werken des Genres auf, so dass das Buch tatsächlich einen prägenden Einfluss hatte.

  • Sicher nicht der erste Spukhaus-Roman aber definitiv die Baupause/ Inspiration für fast alles was in dem Genre danach noch veröffentlicht wurde.

    Außerdem ist Shirley Jackson eine wirklich geniale Autorin. Besonders wenn es um völlig schräge, ge- und verstörte Frauenfiguren geht, die permanent an der Grenze zum Wahnsinn agieren oder diese schon längst überschritten haben, kann ihr keiner etwas vormachen. Zudem kann sie großartige Dialoge schreiben, denen immer etwas leicht Surreales anhaftet - Selbst wenn es um ganz alltägliche Dinge geht. Damit erzeugt sie eine recht einzigartige Atmosphäre.

    "Hill House" geht mMn in Sachen Komplexität auch weit über eine simple Geisterhaus-Geschichte hinaus und bietet am Ende jede Menge Interpretationsmöglichkeiten. Auch wenn es bei weitem nicht ihr bester Roman ist - Das ist eindeutig "Wir haben schon immer im Schloss gelebt".

  • "Wir haben schon immer im Schloss gelebt" ist sogar schon in den 80ern in Deutschland erschienen. Letztes Jahr gab es (aufgrund der Verfilmung) nur eine Neuauflage. Leider existieren jedoch immer noch jede Menge Shirley Jackson-Romane die nie übersetzt wurden.

    Es ist auch schon ein paar Jahre her dass ich das Buch gelesen habe, aber im Prinzip hab ich ja schon oben dargelegt was daran das Besondere ist: Bedrohliche, leicht surreale Atmosphäre/ tolle Dialoge/ Komplexe Frauenfiguren...

    Wer noch nichts von Jackson gelesen hat, sollte es evtl. mal mit der Storysammlung "Die Teufelsbraut" versuchen - Dort ist u.a. "Die Lotterie" enthalten, die zu ihren berühmtesten und besten Kurzgeschichten gehört.

  • Der Punkt mit den Frauen ist hier auf jeden Fall zutreffend... sowohl Eleanor und vor allem Theodora fand ich sehr "speziell". Die zum Teil wirklich etwas surrealen Dialoge und Interaktionen zwischen den Beiden nehmen einen erheblichen Teil des Buches ein. Diese verwundern und erstaunen hin und wieder etwas, wirklich spannender machen sie die eigentliche Story für mich allerdings nicht. Vor allem im historischen Kontext stimme ich auch insofern zu, dass das Buch damit über eine reine Geisterhaus-Geschichte hinausgeht. So kann beispielsweise Eleanor als Charakter bedeutsam gewesen sein, da sie sich als Frau gegen die Erwartungen verhält ("Auflehnung" gegen Schwester und Schwager, unverheiratet, das Bewohnen eines Hauses mit zwei fremden Männern).

  • Ich fand das Buch seinerzeit furchtbar geschwätzig und musste mich regelrecht durchquälen. "Wir haben immer schon im Schloss gewohnt" war wesentlich besser. Zwar unerwartet bar jeglicher phantastischer Elemente, zeichnet sich dafür aber durch eine meisterhaft komponierte, leicht entrückte Stimmung des Bedrohlichen aus.


    Festa hat jüngst im Jahresrückblick auf Facebook angekündigt, dass weitere Titel von Jackson eingeplant sind. Also darf man sich wohl auf den Erzählband "Die Teufelsbraut"und/oder den Roman "Der Gehängte" freuen.

  • Ich habe das Buch gerade als vorletzten Teil meiner Lesechallenge ausgelesen und verstehe durchaus, dass man es als Prototyp eines Subgenres verstehen kann. Klassische Spukerscheinungen werden in typischen Facetten geschildert, allerdings spielen diese in meinen Augen nicht die Hauptrolle. Diese gebührt hier den psychologischen Aspekten, insbesondere der Frage, wann Hauptfigur Eleanor, von Beginn an zutiefst problembelastet, unter dem Einfluss des Spukhauses über die Grenze der geistigen Gesundheit kippt.

    Handlungstechnisch gibt es zu dem Thema sicher Romane, die mehr hergeben. Man merkt schon, dass das Buch seine 60 Jahre auf dem Buckel hat. Atmosphärisch und psychologisch finde ich es bärenstark. Am Ende lande ich bei 8 von 10 Schriften an der Wand. Auf der Liste der einflussreichsten Romane des Genres dürfte dieses Buch zu Recht stehen.