Interview mit Isa Grimm... äh... Kai Meyer

  • Das sehe ich ähnlich... natürlich kann ich es verstehen, wenn man sich durch diesen Umgang mit Pseudonymen (unnötig) getäuscht fühlt, gerade wenn der gleiche Autor auch noch parallel unter echtem Namen oder anderem Pseudonym veröffentlicht. Das ging mir in diesem Fall genauso.


    Aber ich wähle mein Buch doch nicht nach Genderfragen aus, weder beim Lesen noch beim Abstimmen für einen Preis. Sollte nicht im Sinne der Gleichberechtigung alleine das Gefallen des Inhalts darüber entscheiden und nicht pauschal ein Bonus vergeben werden, weil das Buch in diesem Beispiel suggerierte, von einer AutorIN geschrieben worden zu sein? Beeindruckend war in diesem Kontext für mich doch eher, das scheinbar ein Newcomer (unabhängig von Geschlecht) Horror in einem Publikumsverlag untergebracht hat.


    Ich weiß da nicht, ob man einen Gefallen leistet, wenn man einen Bonus vergibt, weil das Buch NICHT von einem Mann ist... vielleicht bin ich da als Mann aber auch zu subjektiv.^^Ich bin generell auch kein Fan von Pflichtquoten (ich stelle mir es da ziemlich unbefriedigend vor, beispielsweise als Frau, die eine Leistung erbracht hat, trotzdem "nur" als Quotenfrau zu gelten), aber die Diskussion führt hier eventuell zu weit.


    Wenn das Buch den Newcomer-Preis gewonnen hätte, würde ich das allerdings auch kritischer sehen... da wäre mit unlauteren Mitteln ein Vorteil erreicht worden, der ja explizit nicht im Sinne des Preises ist, der gezielt neue Autoren auszeichnen und bewerben soll. Hier wäre ich dafür, dass man über eine Aberkennung zumindest nachdenkt.

  • Ich fände es mal ein spannendes Experiment, wenn für einen Zeitraum von fünf Jahren nur noch Bücher erscheinen, bei denen kein einziger Autoren- und Verlagsname und natürlich keine Vita der Autoren genannt wird. Nur Titel und Inhalt einer Geschichte dürften auf und in den Büchern stehen, selbst bei Anthologien.


    Insider-Informationen und öffentliche Spekulationen über die Autoren und Verlage sowie die Fortsetzung eines früheren Romans oder ein verlagstypisches Buch-Cover wären ebenfalls untersagt.


    Keiner wüsste also, ob er gerade eine Geschichte von Stephen King kauft bzw. liest oder von einem unbekannten Newcomer.


    Natürlich müsste noch gewährleistet werden, dass sowohl erfolgreicher Autor als auch der Kleinverlagsautor oder Selfpublisher (w/ m/ d) genau gleich viel Werbung etc. erhalten.


    Auf die daraus resultierenden Verkaufszahlen und Rezis wäre ich sehr neugierig.


    Einige Ausschreibungen für Schreibwettbewerbe und Anthologien gehen bereits diesen Weg. Dort darf bei der Einreichung eines Texts nur der Titel über der Geschichte stehen und nicht der Autorenname. Der Autorenname muss separat genannt werden.

  • Haha Tintenkiller - das wäre in der Tat sehr interessant! Sowas Ähnliches haben sie letztens irgendwie mit irgendeinem hochbezahlten klassischen Geigenspieler gemacht.. an irgendeinem Bahnhof zur rush hour postiert und kaum jemand ist stehen geblieben oder hat Geld in den Hut geworfen... an der Abendkasse zahlen sie hunderte Euro/Dollar/... um den Typen spielen zu hören.


    Eine Name macht, wie bei vielen Dingen in dieser Welt, eben doch was aus, wenn du irgendwo landen willst.


    Und ja Royston Vasey - ich sehe gerade nur nicht so ganz klar, ab welchen Beiträgen, wir rausziehen sollten. Feel free, wenn du da einen Plan hast.

    Ich lese gerade: Der Wüstenplanet von Frank Herbert


    “A reader lives a thousand lives before he dies.” said Jojen. “The man who never reads lives only one.” - A Song of Ice and Fire (George R. R. Martin)


  • Sollen wir die Diskussion eigentlich in ein neues Thema verschieben? Das hat ja alles nur noch am Rande etwas mit dem Interview mit Kai zu tun.

    Na ja, im Kern geht es doch um die multiple Persönlichkeit Kai/Isa.


    Das Thema gab es ja auch bei Stephen King/Richard Bachmann, da versucht ein Autor sich Bestätigung zu holen, das er nicht nur wegen seines Namens verkauft. Ich persönlich finde sowas affig. Natürlich beeinflusst alles mögliche den Leser bei der Lektüre. Und wenn die Autorin auf einmal weiblich ist und vom Fach, passend zum Roman, ändert es schon die Einstellung beim Lesen. Wenn einem der Roman dann aber gefällt oder nicht gefällt, spielt das oft keine große Rolle.

    Viele Werke werden ja auch ohne Kenntnis des Verfassers goutiert. Bei keinem Jerry Cotton Roman steht drauf wer den geschrieben hat. Trotzdem würde man m.E. merken, wenn man auflistet, welche Romane einem gefallen haben und dann eine Liste bekommt, wer sie geschrieben hat, das man gewisse Autoren bevorzugt.


    Wenn man aber jetzt ein Pseudonym "erfindet", ist es aber eigentlich egal ob man das gleiche oder das andere Geschlecht verwendet. Finde ich zumindest.

    Ich habe Klammroth nicht gelesen, aber hat jemand beim Lesen gedacht, das ist aber nicht von einer Frau?

    Wobei Meyer ja doch eher der Softie-Autor unter den phantastischen Autoren ist. Da sollte das eigentlich nicht auffallen.

  • Ich habe Klammroth nicht gelesen, aber hat jemand beim Lesen gedacht, das ist aber nicht von einer Frau?

    Nein, das nicht. Ich habe aber gerade nochmal meine Rezension hier gelesen und muss sagen, dass ich mich frage, ob das Urteil härter ausgefallen wäre, wenn Kai Meyer drauf gestanden hätte. Die Erwartungen sind vielleicht unbewusst ja doch höher oder anders gesagt: weil das Buch an sich solide war, gab es von mir vielleicht unbewusst so eine Art "Welpenschutz" für ein Erstlingswerk. Alles in allem aber egal, für mich ist es unerheblich, unter welchem Namen geschrieben wird - ich denke nur, dass Erfahrungen mit bestimmten Autoren sicherlich hin und wieder, subjektiv beim Lesen und Bewerten, mit reinspielen.

    Ich lese gerade: Der Wüstenplanet von Frank Herbert


    “A reader lives a thousand lives before he dies.” said Jojen. “The man who never reads lives only one.” - A Song of Ice and Fire (George R. R. Martin)


  • Sollen wir die Diskussion eigentlich in ein neues Thema verschieben? Das hat ja alles nur noch am Rande etwas mit dem Interview mit Kai zu tun.

    Finde ich nicht …

  • Die Idee, einen Preis abzuerkennen, weil er unter einem unbekannten Pseudonym veröffentlicht wurde, finde ich ehrlich gesagt ziemlich abwegig.

    Es sollte doch schließlich der Roman ausgezeichnet werden, und sonst gar nichts.


    Dass wir womöglich alle bei der Beurteilung einer Geschichte - ob bewusst oder unbewusst - bestimmte Erwartungen und/oder Vorurteile haben bzw. mit dem Namen verknüpfen, der auf dem Cover steht ... tja, das ist wahrscheinlich menschlich. Aber dafür können ja die Autoren nichts. Das ist ganz alleine der Fehler des jeweiligen Lesers.

  • Wenn ich ein Buch kaufe will ich vorher wissen, wer es geschrieben hat. Es geht doch nicht nur um Inhalte, sondern auch um Schreibstil und vieles mehr.

    Das kann ich nachvollziehen und dagegen will ich auch gar nichts sagen. Mir ging es um den Punkt "Preis nachträglich aberkennen".

    Wenn's ein Preis für "Bestes Erstlingswerk" oder "Bester Roman einer Frau" gewesen wäre ... klar. Aber das stand ja nicht zur Debatte.


    Wenn jedoch ein Roman zum "Besten Horrorroman des Jahres" gewählt wurde, dann hat er das auch verdient. Falls danach jemand sagt "Wenn ich gewusst hätte, dass das Buch nicht von einer weiblichen Debütantin stammt, dann hätte ich anders abgestimmt", dann hat derjenige den Sinn dieser Wahl nicht verstanden.