Patrick Müller

  • Da Arkham Insider Axel und ich kürzlich beim 33. Internationalen Filmfestival Braunschweig - genauer: am vergangenen Sonntagabend - die Gelegenheit hatten, eine Reihe von Patrick Müllers Kurzfilmen zu sehen, möchte ich einen Rückblick auf die Veranstaltung nutzen, diesen hervorragenden Filmkünstler aus dem Sächsischen kurz vorzustellen.


    Müller pflegt eine ganz eigene Herangehensweise, sein Ziel ist zumeist die suggestive Synthese von Lyrik, Naturimpressionen und Musik. Die Bilder fängt er analog auf 16mm ein, vertont werden seine Filme in der Regel von dem Elektronikkünstler Uwe Rottluff aka wellenvorm.


    Mehrere Highlights zeichneten die Veranstaltung am Abend des 24. November aus. Zunächst die Rahmung: Müller brachte seinen eigenen 16mm-Projektor mit ins Braunschweiger LOT-Theater (ein japanisches Gerät namens "Polarstern") und ließ die Filme größtenteils von entsprechenden Filmrollen ablaufen. Als der "Polarstern" zu laufen begann und das charakteristische Geräusch eines sich in Betrieb befindlichen analogen Filmprojektors durch den Raum drang, fühlte man sich angenehm an vor-digitale Zeiten erinnert. Dazu war es gewiss eine besondere Freude, den Soundtrack der Filme live zu Gehör zu bekommen, Uwe Rottluff mit seinem Instrumentarium live vor Ort war. Mit Handzeichen synchronisierte man die Abläufe zwischen Projektor und Synthesizer.


    Zu den Inhalten: Glanzlicht war freilich die Deutschlandpremiere von Müllers noch junger Verarbeitung des H. P. Lovecraft-Gedichts The Garden. Das Poem zählt zu Lovecrafts besten lyrischen Werken - in ihm wird eine eigentümliche Gartenlandschaft entworfen, die das lyrische Ich letztendlich zu einer bitteren Erkenntnis anleitet. Getragen von den stimmungsvollen Naturbildern Müllers und vom kosmischen Soundtrack, wird das Gedicht im Film auf Englisch verlesen, während in Untertiteln die deutsche Übersetzung Frank Dukowskis mitgegeben wird. Wie vom Künstler zu erfahren war, sorgte sein Film im Ausland bereits für Furore und lief u. a. beim H. P. Lovecraft Film Festival in Portland. Daneben wurde auch Müllers The Colour out of Space wieder aufgeführt. Einmal mehr war es ein Genuss, Lovecrafts hier nach gut Chabrol'scher Methode ästhetisch zusammengefasste Story auf der großen Leinwand bestaunen zu können.

    Der folgende Spaziergang durch Müllers Oeuvre offenbarte weitere spannende Aufnahmen literarischer Inspirationen. Eine wahrlich geniale Umsetzung von Theodor Storms Gedicht Walpurgisnacht muss zuvorderst genannt werden, eingewoben in deutsche 20er-Jahre-Ästhetik und durchdrungen von den peitschenden Spitzen der Vertonung. Beeindruckend waren aber auch Filme nach Henry David Thoreau und Arthur Rimbaud. Unter weiteren Werken (derer insgesamt 8 gezeigt wurden) stach exotisch ein Streifzug durch eine US-amerikanische Casino-Kulisse hervor, die Vorlieben für Ästhetiken der späten 70er und frühen 80er Jahre bediente und durch den Sound an einschlägige Arbeiten von Künstlern wie Tangerine Dream erinnerte.

    Insgesamt ein einmaliges Erlebnis. Man ist geneigt, der Veranstaltung eine Wiederholung zu wünschen. Im Anschluss standen die beiden Künstler noch Rede und Antwort - ein Transkript des Q & A steht auf Müllers Webseite bereit.

    Foto-Collage: Axel Weiß

    Linkliste


    Patrick Müller


    wellenvorm

    Internationales Filmfestival Braunschweig

    LOT-Theater

    Transkript des Q & A

    Einige der gezeigten Filme

    The Colour ouf of Space

    Walpurgnisnacht

    I went to the Woods because...

    L'éternité

    Melancholia


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