Quarber Merkur

  • Anlässlich des Erscheinens der neuen Nummer auch gleich ein Thread zum Quarber Merkur. Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik. Nicht nur im deutschsprachigen Raum seit 1963 federführend, der QM dürfte auch im internationalen Vergleich eines der am längsten durchgehend bestehenden Fachmagazine sein:


    „Der Quarber Merkur ist die einzige Zeitschrift im deutschen Sprachraum, die sich kritisch mit allen Erscheinungsformen des Phantastischen beschäftigt - von der unheimlichen Erzählung bis hin zur Science Fiction - und selbst in amerikanischen Nachschlagewerken berücksichtigt wird. Der Quarber Merkur enthält längere Aufsätze zu Themen aus allen Bereichen von Science Fiction, Utopie und Phantastik sowie einen Rezensionsteil "Der Seziertisch" mit kürzeren Kritiken aktueller Neuerscheinungen.“


    Lindenstruth


  • QUARBER MERKUR 120 (Oktober 2019)




    Inhalt:


    Franz Rottensteiner: Vorwort

    Sophie Holzberger: Das politische Unbewusste in Simulacron-3 und den Filmen Welt am Draht und The Matrix (2. Teil und Schluss)

    Bārbala Simsone: SF in der lettischen Literatur

    Franz Rottensteiner: Die wunderbare Welt des Wadim Schefner

    Didier Coste: BRUGES-LA-MORTE oder das Scheitern des Fantastischen

    Karlheinz Steinmüller: Eine Geschichte der deutschen SF – Anmerkungen zu Hans Esselborns „Die Erfindung der Zukunft in der Literatur“

    Marcel Schmutzler: Das digitale Grauen - Zum Einfluss Lovecrafts in Computerspielen

    Es geschieht morgen – Alexej Nilogow spricht mit Wladimir Borissow

    Michael K. Hageböck: Die alte Welt bei Lovecraft und Tolkien – Interview mit Prof. Dr. David Engels

    Dennis Mombauer: Alternative Zukünfte – Ein Blick auf die Science-Fiction in Südasien

    Andreas Heyer: Besuche auf Tahiti – Die Entdeckung und Zerstörung der Utopie im Vorfeld der Französischen Revolution

    Christian Hoffmann, Dr. Felix Holtschoppen, Franz Rottensteiner, Jacek Rzeszotnik, Matthias Schmid: Der Seziertisch



    Titelillustration: Helmut Wenskes „Der Geiger“ (Die Musik des Erich Zann)



    ISBN 978-3-934273-99-3


    3 Mal editiert, zuletzt von the_seus () aus folgendem Grund: Edit: Meine Autokorrektur bräuchte dringend einen Crashkurs in Lettisch. Aus "Bārbala" wurde "Barbara".

  • Weshalb kontrovers?

    David Engels ist ein eher im rechtskonservativen Spektrum anzusiedelnder Historiker, der eine eigene reaktionär-idealistische Theorie für die politische Gestaltung Europas vorgelegt hat. Zum Thema "Alte Welt" kann er wahrscheinlich gute Auskünfte geben, aber man kann sicherlich auch Aussagen voraus ahnen, denen man vielleicht eher nicht zustimmen wird.


    Ob es darüber hinaus überhaupt sinnvoll ist, Tolkien und Lovecraft in einem Schwung zu besprechen, ist natürlich auch noch mal ein gesondert interessanter Punkt.

  • Da ich den besagten Text (noch) nicht kenne, ist es natürlich für ein Urteil verfrüht. Aber dank des Hinweises auf den Autor habe ich dann ein bisschen gegoogelt. In einer Besprechung des Buches "Renovatio Europae" (Junge Freiheit, 14.9.19, von Marco F. Gallina) wird Bezug auf Tolkien genommen … so verdichten sich die Hinweise, dass es sich um den von dir gemeinten David Engels handelt.


    Was da so geschrieben wird, ist ein Phänomen, dass mir auch schon bei Lovecraft aufgefallen ist. Nämlich eine rückwärtsgewandte und politisierte Lesart, wie sie möglicherweise typisch für eine rechtskonservative Literaturauffassung ist. Tolkien wird als überzeugter Katholik und Traditionalist gerühmt. Letzteres lässt sich, wenn man will, natürlich auch bei Lovecraft unterstreichen. Das ist ja bemerkenswert, weil dieselben Stoffe – Lovecraft und Tolkien – ebenso schon von der Hippie-Generation entdeckt worden waren.


    Wer hat nun recht (provokant gefragt)? Oder gibt es Überschneidungen in den politisch-gesellschaftlichen Idealen der Blumenkinder und der strenggläubigen Patrioten? Zumindest der Aspekt einer naturnahen, agrikulturellen Gesellschaft (wie wir sie ja bei Tolkien finden) ist ebenso progressiv wie konservativ – je nachdem, von welcher Seite aus betrachtet …


    Das aber sind jetzt schon extrapolierte Gedankengänge meinerseits, die nichts mit dem Artikel zu tun haben. Um dessen Lektüre ich jetzt natürlich nicht herumkomme. X/

  • Immer noch mit der Einschränkung versehen, dass nicht klar ist, ob es sich wirklich um den von mir vermuteten Wissenschaftler handelt. Der Name kann ja öfters vorkommen. :-)

    Ja, das ist genau DER Engels. Offenbar seit jungen Jahren begeisteter Phantastik- und SF-Leser. Lovecraft und Tolkien werden einfach (unter anderem) beide im Zuge des seeehr ausführlichen Interviews behandelt, ohne die zwei Autoren jetzt nebeneinander zu stellen. Wobei das Hauptaugenmerk klar auf Letzterem liegt. Lovecraft dürfte mehr als Blickfang in die Headline geholt worden sein.

    Engels erweist sich dabei als überzeugter Kulturpessimist in der Nachfolge Oswald Spenglers und bemüht natürlich auch seinen "Hesperialismus". Erwartungsgemäß hochtheoretisch, disputabel, aber durchaus erhellend.



    "Aber die drei Autoren, die für mich bei weitem hervorstechen, wenn auch aus weit voneinander entfernten Bereichen, sind H. P. Lovecraft, Frank Herbert und J. R. R. Tolkien. Bezüge zu meinem engeren Fach waren dabei für mich nie ausschlaggebend, auch wenn ich natürlich nie umhin kommen konnte, die ja überall mehr oder weniger latenten Übernahmen aus der Antike zu sehen. Gleichzeitig habe ich diese Bücher auch immer mit einem wachen Blick dafür gelesen, was sie über den jeweiligen Zeitgeist aussagten und inwieweit sie auch in der einen oder anderen Weise die heutige Situationen erhellen können."




    Das ist ja bemerkenswert, weil dieselben Stoffe – Lovecraft und Tolkien – ebenso schon von der Hippie-Generation entdeckt worden waren.

    Diesen Widerspruch fand ich immer schon faszinierend. Da gibt es ja auch das schöne Bonmot von Cersowsky: "Als die Revolution ausblieb, legten die 68er ihren Lukács beiseite und vertrieben sich die Zeit mit Lovecraft."

    Wenn man es romantisch sehen möchte, könnte man es als Beleg für die verbindende Wirkung von Literatur werten. Der Pessimist bedenkt wohl eher die Missbrauchsmöglichkeiten.

  • Der Verlag hat gerade eine offizielle E-Mail diesbezüglich herausgegeben.

    HOCHINTERESSANT!!!


    QUARBER MERKUR 120

    Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik

    Verlag Lindenstruth, Giessen, Oktober 2019, 300 Seiten, Paperback

    Bitte neuen Preis beachten!

    Aus dem Inhalt:

    Franz Rottensteiner: Vorwort

    Sophie Holzberger: Das politische Unbewusste in Simulacron-3 und den Filmen Welt am Draht und The Matrix (2.Teil und Schluss)

    Bārbala Simsone: SF in der lettischen Literatur

    Franz Rottensteiner: Die wunderbare Welt des Wadim Schefner

    Didier Coste: BRUGES-LA-MORTE oder das Scheitern des Fantastischen

    Karlheinz Steinmüller: Eine Geschichte der deutschen SF. Anmerkungen zu Hans Esselborns »Die Erfindung der Zukunft in der Literatur«

    Marcel Schmutzler: Das digitale Grauen. Zum Einfluss Lovecrafts in Computerspielen

    Es geschieht morgen. Alexej Nilogow spricht mit Wladimir Borissow

    Michael K. Hageböck: Die alte Welt bei Lovecraft und Tolkien. Interview mit Prof. Dr. David Engels

    Dennis Mombauer: Alternative Zukünfte. Ein Blick auf die Science-Fiction in Südasien

    Andreas Heyer: Besuche auf Tahiti. Die Entdeckung und Zerstörung der Utopie im Vorfeld der Französischen Revolution

    Christian Hoffmann, Dr. Felix Holtschoppen, Franz Rottensteiner, Jacek Rzeszotnik, Matthias Schmid: Der Seziertisch

    ISBN 978-3-934273-99-3

    Preis: 17,00 EUR (Ausland: 20,00 EUR inkl. Versand)

  • Gestern bei mir angekommen. Und man merkt alleine beim Vorwort wieder das Rottensteiner einer der alten Gralshütter ist die bei allem was nach Unterhaltungsliteratur aussieht vermutlich wohl am liebsten das Wort SCHUND benutzen würden. Aber für mich ist es wie mit der Nova, dem SF Magazin, ich teile nicht alle Ansichten der Macher, ich bin des öfteren anderer Meinung, gerade bei den Buchbesprechungen. Die Artikel jedoch sind meist absolut lesenwert und erweitern gerade durch ihre andere Sichtweise auf gewisse Punkte durchaus meinen eigenen Horizont.