Paul Tremblay: Das Haus am Ende der Welt

    • Offizieller Beitrag

    Als preisgekröntes Buch für die Lesechallenge habe ich "Das Haus am Ende der Welt" gewählt. Mittlerweile bin ich etwa zu einem Drittel damit fertig.

    Als positiv ist hier auf jeden Fall zu erwähnen, dass sich das Buch nicht mit langwierigen Beschreibungen zur Einleitung aufhält sondern ziemlich direkt in die Handlung einsteigt. Die Charaktere werden dabei eher nebenher Stück für Stück beschrieben und vorgestellt. Die Hauptfiguren sind hier die Mitglieder einer etwas unkonventionellen Familie: Ein homosexuelles Paar mit einer adoptierten, chinesisch-stämmigen Tochter, die bis zu ihrem zweiten Lebensjahr an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte litt. Mal sehen, ob das im Laufe der Handlung noch eine Relevanz hatte oder ob hier einfach nur mal eine Variante zur Standardversion eingebaut werden sollte.

    Die Handlung setzt ein, als die Tochter im Garten des Ferienhauses spielt und nach und nach 4 Fremde auftauchen. Wirkt der erste Fremde anfangs noch ganz nett, stellt sich beim Eintreffen der anderen Drei doch sehr schnell heraus, das dem wohl nicht so ist.

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    Die vier Fremden haben wohl unabhängig voneinander eine Botschaft erhalten, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht und nur von der Familie in dem Ferienhaus verhindert werden kann, indem ein zu wählendes Familienmitglied zu opfern ist. Insofern ist der Titel wohl doppeldeutig zu verstehen. In welcher Form diese Botschaft zu den 4 Boten gekommen ist und ob es diese überhaupt gab (evtl. könnten die Vier nach jetzigem Stand auch einfach Spinner sein), ist noch zu klären.

    Mal sehen, ob noch phantastische Elemente ins Spiel kommen. Bis jetzt liest sich das Buch wie eine Variante des Themas, wo unwissende Urlauber von verrückten Hinterwäldlern umgebracht werden. Besonderheit ist hierbei allerdings, dass diese teilweise von Kalifornien bis New Hampshire für ihre Taten anreisen.

    • Offizieller Beitrag

    Inzwischen habe ich das Buch fertig gelesen. Wie zu erwarten war, eskaliert die Situation relativ schnell.

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    Eric und Andrew werden relativ schnell überwältigt und gefesselt. Besonderheiten an dieser Situation im Vergleich zu ähnlichen Szenarien, wo ahnungslose Urlauber von psychpathischen Hinterwäldlern überwältigt werden, gibt es jedoch ein paar.

    Zum einen sind die Psychopathen in diesem Fall keine herkömmlichen Hinterwäldler sondern kommen von relativ weit weg um explizit die drei Hauptpersonen der Story zu erwischen.

    Des weiteren ist es den Psychpathen verboten (Von wem eigentlich? Ihrem Gott?), den dreien direkt zu schaden.

    Dafür dürfen sie sich gegenseitig Schaden zufügen und bringen sich nach und nach gegenseitig oder selbst um. Warum sie dies tun, wird allerdings nicht richtig klar. Als provisorisches Opfer, bis die Familie sich für das echte Opfer entschieden hat?

    Die Botschaft, das ein Opfer von den Dreien selbst und freiwillig zu wählen ist, haben die 4 Besucher in nicht allzu präzise beschriebenen Visionen erhalten. Zu Beurteilen, ob die Visionen nun echt waren oder dem Wahnsinn der 4 Besucher entspringen, liegt beim Leser. Ich tendiere sehr stark zu letzterem.

    Generell habe ich an mehreren Stellen Probleme mit der Logik und Nachvollziehbarkeit des Buches:

    Die Adoptivtochter wird im Laufe eines Handgemenges vom einen Adoptivvater erschossen. Dies zählt allerdings nicht als Opfer, da es ein Unfall war und nicht als freiwilliges Opfer erfolgte.

    Einer der 4 Besucher wird von einem Vater als ein Kneipenschläger von vor einigen Jahren identifiziert. Ist das wirklich so oder erzählt der Vater dies nur um abzulenken? Letztlich auf jeden Fall völlig irrelevant.

    Wieso kommen die Intelligenzbestien zum Teil von Kalifornien nach New Hampshire, um dort mitten in der Wildnis ausgerechnet diese Familie zu drangsalieren? Die "Visionen" erscheinen mir doch sehr fragwürdig und eher Wahnvorstellungen zu sein.

    Die im Fernsehen gezeigten Beweise für das Eintreten des Endes der Welt sind natürlich tragische Katastrophen. Solche gab es allerdings so ähnlich schon öfter und die Welt existierte auch ohne Opfer weiter. Dem zufolge können die Katastrophen auch zufällig aufgetreten sein.

    Die 4 Besucher bringen sich ohne sinnvolle Erklärung gegenseitig oder auch selbst um. Nur eine Besucherin will nicht so recht, wird dann aber dafür von einem Vater erschossen.

    In dem Kontext wäre interessant, ob das Ende der Welt denn nun am Ende eintritt, da das Opfer nicht gebracht wurde oder ob das Ganze nur eine Spinnerei der 4 Lemminge war. Das wird jedoch offen gelassen.

    Ich kann mich spontan an kein Buch der letzten Jahre erinnern, bei dem ich mich so oft nach dem Warum gefragt habe. Eric als Charakter hat mich auch irgendwie sehr genervt... ein richtiger Klotz am Bein, der nicht eine sinnvolle Sache im Laufe des Buches beigetragen hätte. Phantastische Elemente gab es auch keine mehr. Insofern bleibt das Buch für mich eine Variante des bekannten Hinterwälldler-Killer-Szenarios, allerdings mit der Besonderheit, dass die Killer hier besonders doof sind (extra weite Anreise, gegenseitiges Umbringen, Degeneration als "Entschuldigung" scheidet aus). Und das Buch hat einen Preis gewonnen? Für mich ist es schon jetzt der Flop des Jahres.

  • Sar-Sargoth: Sehe ich genau so. Ich halte es auch für eines der überschätztesten Bücher des Jahres, sowohl in Übersee als auch bei uns. Im Großen und Ganzen war es für mich eher eine Idee mit vielen Lücken, auf mehreren hundert Seiten ausformuliert, als ein fertiger Roman.