Ich möchte hier nach und nach einige Filme vorstellen, die im Grenzbereich der genannten Sub-Genres oder Erzählmodi sich bewegen, die irgendwie zwischen den Polen oszillieren, zumindest meiner Ansicht nach. Das ist natürlich immer eine Interpretation, die man diskutieren oder anfechten kann. Vielleicht sehen es manche hier ja auch ganz anders oder können mit den vorgestellten Filmen gar nichts anfangen.
Einleitung
Auf der einen Seite des Pols der Backwoods-Film, also Filme, die im Rahmen ihrer Handlung einen krassen Gegensatz zwischen der Großstadt und der Provinz, dem Hinterland, der kaum erschlossenen Wildnis aufmachen und dies für ihren jeweiligen Plot nutzen. Starke Beispiele aus dem Horror-Genre wären natürlich The Texas Chainsaw Massacre (Blutgericht in Texas, 1974) von Tobe Hooper und The Hills Have Eyes (Hügel der blutigen Augen, 1977) von Wes Craven. Typischerweise werden hier arglose, bisweilen kulturell etwas arrogante Menschen gezeigt, die aus einer vermeintlich zivilisierten, freundlichen Welt in eine archaische, von brutalen Trieben und Faustrecht dominierte Welt übertreten und dort durch feindlich gesonnene Natur und deren degenerierte Bewohner in arge Bedrängnis geraten. Hier macht man sich vor allem das Klischee des Hinterwäldlers in exotisierender Weise nutzbar, um neben der Landschaft (Stadt/Zivilisation vs. Natur/Wildnis) auch auf Ebene der Protagonisten einen starken Kontrast zu schaffen. Das ist anschlussfähig an viele Genres und muss nicht immer Horror sein, wobei ich mit Lovecraft argumentieren würde, dass Verödung und menschliche Degeneration - die hier auf unterschiedliche Art inszeniert werden - immer eine gruselige Komponente haben. Zu bemerken wäre vielleicht aber, dass der Backwoods-Horror im Regelfall wohl auf Gewalt als Mittel des Grauens setzt und sich vielfach durch exploitative Effekte auszeichnet. Die Filme, die ich anführen werde, gehen teils aber auch subtilere Wege, wenngleich sie strukutrell nicht weniger gewalttätig sind.
Auf der anderen Seite des Pols der Folk Horror, der das Grauen über die Ausbeutung folkloristischer Elemente, religiöser Weltanschauungen und magischem Denken evoziert, dass einem vermeintlich aufgeklärten Bewusstsein gegenübertritt. Dies geschieht, und hier sehe ich die Verbindung zum Backwoods-Film, meist maßgeblich durch das Darstellen lokal isolierter Gruppen, deren vermeintliche Entwicklungsverzögerung aber dann eben nicht in körperlichem und sozialem Verfall besteht (zumindest nicht nur), sondern in ideeller "Verwilderung". Klassische Beispiele sind natürlich The Wicker Man (1973) von Robin Hardy und The Blood on Satan's Claw (In den Krallen des Hexenjägers, 1971) von Piers Haggard. Als filmischer Startpunkt wird häufg auch Witchfinder General (Der Hexenjäger, 1968) von Michael Reeves gesehen. Brutalität ist diesen Filmen sicherlich auch nicht unbekannt - gerade der Hexenjäger-Film mit Vincent Price ist ziemlich deftig - aber der zentrale Effekt soll doch wohl erzielt werden durch die Darstellung von okkultem Aberglauben, der in archaischen Ritualen und Hexerei zum Ausdruck kommt und bisweilen auch in Sitten und Gebräuchen, die fremdartig und daher bedrohlich erscheinen.
Wir haben also einerseits verwildertes Hinterland und entartete Menschen, die ungebildet und ungehemmt sich durch selbiges hindurch bewegen und ihre Interessen mit erbarmungsloser Gewalt durchsetzen, und andererseits haben wir anti-aufklärerische Weltanschauungen, seltsame Sitten und Wirklichkeitsmanipulation durch vorzivilisatorische Riten. Das ist nur meine grobe Zusammenfassung der beiden Pole, die ich hier als relevant ansehe, um ein paar Filme zwischen diesen zu verorten. Auch ist klar - daher die häufige sprachliche Relativierung - dass wir es hier nicht mit tatsächlichen Gegebenheiten zu tun haben, sondern mit Zerrbildern der Wirklichkeit und ideologisch verklärten Beständen, die auf eine bestimmte Weise in Szene gesetzt werden, um einen Effekt zu erzielen. Aber schließlich hat schon Rev. Montague Summers in seinen historischen Werken zur Hexerei und Dämonologie wild drauflos fabuliert.