Deutschsprachige Weird Fiction Werke

  • Hier gab es ja eine Diskussion zu Anthologien von Weird Fiction:

    Mir ist nicht so immer klar, wenn ihr von Weird Fiction spricht, was gemeint ist. Das liegt aus meiner Sicht auch daran, dass es da unterschiedliche Ansichten gibt. Daher mal der Versuch, empfehlt doch mal Kurzgeschichten oder Romane deutschsprachiger Autoren, die ihr als bemerkenswerte Weird Fiction bezeichnen würdet. Also nicht nur die Autoren, sondern auch konkrete Werke.

  • Auch, wenn der Verlag gerade inaktiv ist, würde ich hier Tobias' Whitettrain / NightTrain-Publikationen hervorheben. Einige Bücher sind sicher noch über Booklooker etc. zu bekommen.

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    Michael Perkampus steht für mich an allererster Stelle, wenn es ums genuin Weirde in Deutscher Sprache geht:
    Das Kriegspferd. Erzählungen von Michael Perkampus und Sami Salamé. Blitz Verlag. Faden hier.

    Umschlagbild und -gestaltung exklusiv für dieses Buch: Jens Maria Weber.

  • Ein schönes Thema :)

    MIchael Perkampus kann ich auch nur empfehlen, Kriegspferd war gut und auch Mummenschanz in großen Hallen war stark.

    Wer sicher auch zu erwähnen ist: Eddie Angerhuber, aber da ist aktuell viel vergriffen :(

    Herbert Arkenriedt's Wirbeltrommel hat mir dieses Jahr sehr gefallen. Sehr kurze Geschichten, eigen und kantig , aufs Wesentliche reduziert und ein sehr kurzes Buch, dennoch sehr interessant.

    Ansosnten sieht es eher mau aus, was deutschsprachige Autoren angeht.

  • Hi Michael

    Was hältst Du von dieser Definition für weird:

    Eine Art zu schreiben, kein Genre. Verzicht auf traditionelle Schauerfiguren und Handlungsabläufe. Nahe an dem, was allgemein als (Alltags-) Realität gilt, aber irgendwie "schräg".

    Übersetzte Autoren: Ramsey Campbell gelegentlich, Thomas Owen oft, DP Watt (ohne s!) fast immer.

    Zwischen den Zeilen, anstatt alles ausbuchstabiert.

    Die Wirklichkeit ist ein Rätsel, welches die Story darstellt, aber nicht löst. Oft eine gewisse Nähe zum magischen Realismus.

    Neben den oben genannten empfehle ich als deutschen Autor: fast alle sehr kurzen Geschichten vom unvergleichlichen good old Franz Kafka.

  • Hallo Martin,

    ja, das ist so die Definition, die ich auch immer gedacht habe. Aber wo siehst du da Campbell und Siefener, gerade in Abgrenzung an die normale unheimliche Phantastik. Die sind ja beide recht konventionell und nicht anders als viele andere Autoren. Also warum sind die beiden speziell gerade Weird und wer gerade nicht?

    Bis bald,

    Michael

  • Mal als Vergleich falls du Daedalos 18 gelesen hast:

    Siefener, Norten & Fieber: DAEDALOS 18 - dunkelgestirns Webseite!

    Die Wespe von Uwe Durst würde da meines Erachtens unter deine Definition fallen. Es kommt natürlich auch drauf an, ob man das Seltsame betont oder mehr dem nahe der Realität. Philipp Nowotny: In der Schildkrötenwelt ist ja schräg. aber nicht nahe an der Realität. Nach deiner Definition würde auch Jörg Kleudgen und Uwe Voehl darunter fallen.

  • Mammut

    Guter Punkt. Gerade Campbell (abgesehen von den früheren HPL-pastiches) und auch Siefener sind für mich aber am ehesten surrealer Horror als weird im Sinne von bspw. McFarland, Gavin, Klein etc.

    Bei den beiden ist das Setting ja ganz oft „ist das Realität oder Traumwelt?“ und am Ende ist die Auflösung meist nachvollziehbar/herleitbar.
    Weird ist ja eigentlich immer in der Realität angesiedelt, aber etwas ist „off“. Dabei muss es ja nichtmal eine böse Präsenz geben.

    Zum eigentlichen Thema:


    Ich werfe mal „Paul Ernst - Die sonderbare Stadt“ in den Raum. Aus der Sammlung „sechs Geschichten“

    Ansonsten was Katlaschon sagte. Sehr vieles von Whitetrain. Und hier funktionieren für mich oft besonders gut die Beiträge von Erik Andara.

  • Mammut

    Ich finde Oliver Susami passt auch ganz gut rein. Habe jetzt nicht alles von ihm gelesen, aber Helfgott Anni und der Tod war sehr gut und andere Kurzgeschichten auch.

    Die Verletzung bekannter Naturgesetze ist ein großes Thema beim weird horror. Ligotti und Barron können das ganz gut. Da ist dann z.B. von einer Fabrik die rede, die keinerlei Fenster und Türen hat, aber dennoch nach der Stilllegung jahrelang unterirdisch selbstständig weiter produziert. Was genau, erfährst du nur schemenhaft. Dieses nicht greifbare ist für mich persönlich schauriger als jeder 0815 Horror mit einem mordenden Psychokiller oder alles was King und Koontz zusammen produzieren. Aber Geschmäcker sind verschieden. Und Campbell gehört für mich definitiv in den weird horror. Mehr als ein Kleudgen.

  • Also sowas wie die nicht euklidische Geometrie bei Lovecraft?

    Ich hätte jetzt gedacht, sowas wie die Sammlung hier ist sehr Weird:

    Tobias Reckermann (Hrsg.) - METEMPSYCHOSEN - Anthologien und Storysammlungen - Willkommen in der Phantastik-Kneipe!

    Aber die Stories sind jetzt nicht unbedingt nahe an der Realität. Also kein "Lautlos greift das Grauen um sich und stellt die Wirklichkeit in Frage", eher schon abstrakt und wirklichkeitsfremd.

    Man sieht jetzt schon schön, die Definition und Abgrenzung ist nicht so einfach.

  • Mammut

    Ich find es wirklich schwer hier eine allgemeingültige Definition zu eruieren. Das war das erste, was mir einfiel. Ich lasse mich hier gerne korrigieren.

    Bei (new)weird kann ich das meist erst retrospektiv, mit etwas Abstand einordnen.


    Metempsychosen habe ich leider nicht gelesen. :rolleyes:

  • Da würde ich direkt mitlesen, aber auf die Schnelle habe ich keine Ausgabe finden können.

    Also das Buch „Sechs Geschichten“ welche u.a. die von mir genannte Erzählung enthält, gibt es zum einen noch antiquarisch bei zb. Booklooker, aber auch als günstigen Reprint bei „A“. Da kann ich allerdings nichts zur Qualität sagen.