Marburg Con und das Thema Künstliche Intelligenz

  • Der Marburg Con 2026 findet am 8.5 statt und es gibt eine Neuerung in den Standbedingungen:

    Wir sprechen uns im Namen der Künstler:innen gegen die kommerzielle Verwendung generativer KI aus.
    Ausstellende dürfen daher auf der Marburg-Con keine Produkte zum Verkauf anbieten oder mit kommerziellen Zielen
    ausstellen, die ganz oder teilweise durch generative KI erstellt wurden. Ausgenommen sind Materialien, die ausschließlich
    nichtkommerziellen Zwecken dienen, insbesondere Vereinsinformationen, Fanzines gemeinnütziger Vereine, Urkunden
    oder vergleichbare Materialien. Über Zweifelsfälle entscheidet die Con-Orga. Wir verweisen auch auf die Stellungnahme
    des Vorstandes.

    Letztendlich ist die Aussage teilweise durch generative KI ein wenig schwammig. Teilweise bedeutet ja, dass eigentlich alles, wo mit KI gearbeitet wird, ausgeschlossen ist. In der Konsequenz bedeutet dass, um es weniger abstrakt zu machen, dass z.B. dieses schöne Buch dort nicht ausgestellt werden darf:

    Michael Siefener: COR MAGIS - dunkelgestirns Webseite!

    Was haltet ihr von dem Thema? Seit einiger Zeit wird ja die Verwendung von Softwarewerkzeugen verteufelt und das wird der Situation nicht sonderlich gerecht wie ich finde. Auf dem Metropolcon gab es einen Programmpunkt des PAN über Künstler und KI, und auch wenn der Schwerpunkt dort anders als erwartet war und einige Erkenntnisse brachte, konnte die Referentin bestätigen, was mir schon länger klar war: Es kann nicht zweifelsfrei erkannt werden, ob an einem Werk (Bild oder Text) Künstliche Intelligenz verwendet wurde.

    Hier die Referentin: MetropolCon 2026 Programm

    Abgesehen also davon, wie jemand feststellen will, ob ein Werk generative KI verwendet hat, wie steht ihr zu dem Thema zwischen "Schutz der Urheberrechte" (die es auch so wirklich nur bedingt gibt) und "Fortschritt und neue Möglichkeiten"?

  • Ich glaube, dass der entscheidende Teil hier weniger "ganz oder teilweise" und mehr "durch generative KI" ist. Vielleicht bilde ich es mir auch ein, aber der scheint sich mir recht eindeutig auf von LLMs generierte Anteile zu beziehen, also Sätze, Absätze oder ganze Texte.

    Wenn jemand etwas ergoogelt und sich auf die Google-KI verlässt, ist das Ergebnis streng genommen ja auch "mit" KI erstellt, ich würde aber behaupten, nicht "durch".

    Das war nun ein wenig Wortklauberei, vielleicht können die Verantwortlichen und da ja auch erleuchten.


    Persönlich bin ich überhaupt kein Fan von LLMs beim Schreiben, und auch keiner von KI-generierten Bildern. Der Prompt kann noch so toll sein, die Datenbasis aus geklauten Werken noch so groß, man erhält immer einen Durchschnittswert, Massenware aus Masse. Das mag wohlklingende Massenware sein, aber wenn man ein wenig unter die Oberfläche der Sätze geht, ist da nichts, nur gähnende Leere, und die finde ich tatsächlich beängstigend. Wir bewegen uns durch diese Maschinen in Richtung einer intellektuellen Plastikwelt, in der alles glatt und geleckt ist, aber keine Seele mehr hat.

  • Persönlich bin ich überhaupt kein Fan von LLMs beim Schreiben, und auch keiner von KI-generierten Bildern. Der Prompt kann noch so toll sein, die Datenbasis aus geklauten Werken noch so groß, man erhält immer einen Durchschnittswert, Massenware aus Masse. Das mag wohlklingende Massenware sein, aber wenn man ein wenig unter die Oberfläche der Sätze geht, ist da nichts, nur gähnende Leere, und die finde ich tatsächlich beängstigend. Wir bewegen uns durch diese Maschinen in Richtung einer intellektuellen Plastikwelt, in der alles glatt und geleckt ist, aber keine Seele mehr hat.

    Das ist ein wenig pauschal finde ich. Findest du, das hier ist ein Plastikbild?

    Tales of the Galactic Pot

  • Ich glaube, dass der entscheidende Teil hier weniger "ganz oder teilweise" und mehr "durch generative KI" ist. Vielleicht bilde ich es mir auch ein, aber der scheint sich mir recht eindeutig auf von LLMs generierte Anteile zu beziehen, also Sätze, Absätze oder ganze Texte.

    Wenn jemand etwas ergoogelt und sich auf die Google-KI verlässt, ist das Ergebnis streng genommen ja auch "mit" KI erstellt, ich würde aber behaupten, nicht "durch".

    Das war nun ein wenig Wortklauberei, vielleicht können die Verantwortlichen und da ja auch erleuchten.


    Persönlich bin ich überhaupt kein Fan von LLMs beim Schreiben, und auch keiner von KI-generierten Bildern. Der Prompt kann noch so toll sein, die Datenbasis aus geklauten Werken noch so groß, man erhält immer einen Durchschnittswert, Massenware aus Masse. Das mag wohlklingende Massenware sein, aber wenn man ein wenig unter die Oberfläche der Sätze geht, ist da nichts, nur gähnende Leere, und die finde ich tatsächlich beängstigend. Wir bewegen uns durch diese Maschinen in Richtung einer intellektuellen Plastikwelt, in der alles glatt und geleckt ist, aber keine Seele mehr hat.

  • Ich sehe Fortschritt bei AI nur in der Medizin und ganz vor allem auf dem Schlachtfeld, im Krieg. Absolut nicht im künsterischen Bereich, und die Probleme multiplizieren sich nur. (siehe aktuell Claude & Co und die geschredderten Bücher).

    Der Fortschrittsgedanke bei AI hat religiöse Züge angenommen und nützt nur denen, die damit Geld machen (und Leute wie uns alle hier hassen und verachten). Jeder kann sich von jungen Künstlern und Kunststudent*innen Bildernutzung erwerben, das geht schon für € 20,-, das Argument, man müsse AI nehmen, ist vollkommene Augenwischerei.

    Das Forum hier plant übrigens auch ein Statement in die Richtung, das muss nur noch sauber formuliert werden.

  • Wenn ich ein Bild - hier exemplarisch: ein Buchcover - betrachte lasse ich es zunächst auf mich wirken und schaue bei Interesse nach, wer (Autor, bzw. Künstler) es geschaffen hat. In einer Kunstaustellung wundere ich mich über Besucher, die zuerst die Museumsetiketten/Objektbeschreibungen lesen, um über eine Identifikation des Autors (Künstler) möglicherweise einen „Vorsprung“ bei der Betrachtung eines Werkes zu erlangen. Sie lassen sich freiwillig „briefen“. Genau das will Kunst aber nicht - wenn es sich wirklich um Kunst handelt und nicht um Kunst, die so aussieht wie Kunst. Wir erschaffen Kunst durch Betrachtung, durch Kontext.

    Wichtig wäre für mich lediglich, dass ich im Buch selber nach der Betrachtung den Hinweis finde, wer (Autor) die Illustration geschaffen hat. Ob er dabei eine KI genutzt hat, halte ich für vollkommen nachrangig, da sie (derzeit) bloß ein Werkzeug ist. Midjourney erzeugt ja (bisher) kein Bild aus einem Impuls heraus, der Autor „promptet“, er fordert die KI auf. Und er lässt die KI das Bild so lange überarbeiten, bis er als Autor entscheidet, wann es in die Welt entlassen wird. Auch ein Künstler an der Leinwand kann ja nie im luftleeren Raum erschaffen, sondern immer nur im Kontext derer, die vor ihm da waren.

    Für Betrachter von Kunst, die sich noch immer daran klammern, dass „gute“ Kunst für sie mit „Aufwand“ oder „Arbeit“ einhergeht: es macht bei der Betrachtung eines Werkes und dem Moment der Wirkung auf den Betrachter (Gefühl) zunächst keinen Unterschied, ob der Autor daran Minuten oder Jahre zugebracht hat. Jackson Pollock brauchte für einige seiner großen Action Paintings Minuten. Gerhard Richter brauchte Monate für die Bilder seiner Serie der Farbfeld-Malerei (z.B. 4.900 Farben nach RAL), dabei ließ er die Bilder wesentlich nach seiner Anweisung von Mitarbeitern ausführen. Diese mitarbeitende Funktion hat aber auf einem Museumsetikett nichts verloren, der Autor ist und bleibt Gerhard Richter, der das Bild in die Welt setzt. Wen die Entstehung von Kunst interessiert, kann es in Sekundärliteratur oder Internet recherchieren. Das Verhältnis Autor/Ausführende wurde bereits auch im frühen Indien bei Buch- und Miniaturmalerei geklärt: dort kannte man keine europäische Individualsignatur, da die Bilder ggf. von einem Kollektiv geschaffen wurden. Das sind im Original atemberaubende Bilder, die den Betrachter aus einer fernen Vergangenheit herausfordern und nicht ein Autor. Übrigens hat der amerikanisch-italienische Künstler Francesco Clemente in den frühen 80er Jahren zur Zeit der Transavantgarde an indische Maler Bildanweisungen gegeben (gepromptet), um Miniaturbilder schaffen zu lassen, die natürlich einzig seiner Autorenschaft unterliegen, obwohl er keine Hand an eines dieser Bilder gelegt hat. Hier einmal ein Eindruck:

    FRANCESCO CLEMENTE | MADE IN INDIA

    Natürlich fordert uns seine Kunst bei näherer Beschäftigung dazu auf, über die Autorenschaft nachzudenken. Er hat sie übrigens „pinxits“ genannt, lateinisch für „hat es gemalt“.

    Kunst handelt davon zu verändern, was wir von ihr erwarten. Damit ist auch angesprochen, dass die Kunst kein Ding ist, sondern ein Prozess, in stetem Wandel. Genau wie Orange keine Farbe (im Sinne einer Sache) ist, sondern ein Übergang von Rot zu Gelb.

    Die Diskussion zu Autorenschaft und Werk halte ich historisch für im Wesentlichen geführt. Bereits 1968 hat der französische Philosoph Roland Barthes hierzu im weiterhin lesenswerten Essay „Der Tod des Autors“ vorgetragen und die Macht des Textes und des Lesers herausgestellt. Ein schöner Text, der viel auslöste und in der Literaturwissenschaft, der Literatur und der Kunst lange (u.a. kritisch von Michel Foucault) diskutiert wurde.

    Ich halte es von einem Veranstalter für übergriffig, solche Dinge selber zu entscheiden. Auch hier kommt es ausschließlich auf Kontext und Betrachtung an. Wir alle kennen diese wunderbaren Grafiken des Künstlers Jörg Kleudgen z.B. in seiner Goblin-Press, aber auch er hat wunderbare Grafiken (z.B. auf Karten für seine Band The House of Usher) mittels der KI Midjourney geschaffen. Und es war einzig seine eigene künstlerische Entscheidung, das auch so zu benennen. Und es ist einzig der Künstler, der entscheidet, ob ein Bild mittels KI ggf. sogar blutleer oder kalt wirken kann oder ob es sein eigenes Werkzeug verwischt, unwichtig erscheinen lässt. Es wäre schade, wenn solche Karten auf einem dieser Cons nicht mehr liegen dürfen oder auf Tischen, geordnet nach Werkzeugen.

    Der Fortschritt in der KI kann in der Kontextualisierung nur von der Kunst und der Philosophie kommen, sicher nicht aus der Wirtschaft, denn sie nutzt praktisch jedes Werkzeug, das ihr recht ist. Und bislang ist KI nichts weiter als ein Werkzeug, das vielen zu Recht Angst macht, da ihre Anwender (nicht die KI) traditionelle Arbeitsplätze bedrohen. Aber z.B. in der Krebs-Therapie Leben rettet. Hobby-Autoren werden sicher von KI nicht bedroht, das ist eine Platzhalter-Diskussion.

    Mir gefällt das Cover des Buches von Michael Siefener nicht besonders, aber das ist bloße Geschmackssache und mein Eindruck wäre kaum der Rede wert.

    Einmal editiert, zuletzt von Kobat (5. August 2026 um 23:29)

  • Künstliche Intelligenz (KI) kann langfristig in technischen Bereichen ein hilfreiches Werkzeug sein. Sie kann Prozesse beschleunigen, Muster in riesigen Datenmengen erkennen, die uns Menschen verborgen geblieben sind, und uns von mühsamer Routinearbeit entlasten – sei es in der medizinischen Diagnostik, der Klimaforschung oder der Übersetzung zwischen Sprachen, die Menschen einander näherbringen. In all diesen Bereichen sehe ich einen echten Gewinn, den ich nicht kleinreden möchte.

    Was jedoch den kreativen Schaffensprozess betrifft, habe ich meine Zweifel – und diese wiegen für mich schwerer als der technische Fortschritt, den KI zweifellos mit sich bringt. Es mag zwar sein, dass Roboter dank künstlicher Intelligenz technisch präziser malen, sprachlich komplexer schreiben oder akustisch perfekter singen als wir Menschen. Doch bei diesem Gedanken spüre ich einen tiefen inneren Widerstand: Wer möchte das wirklich? Ich jedenfalls nicht. Denn Perfektion war nie das Ziel der Kunst, sondern immer nur ein Nebenprodukt des eigentlichen Anliegens: etwas Wahrhaftiges auszudrücken.

    Selbst wenn man über die Frage nach dem Wesen der Kunst hinwegsehen wollte, bliebe ein zweites, noch grundsätzlicheres Problem: Diese vermeintlich "kreativen" Bilder entstehen nicht aus dem Nichts. Sie speisen sich aus den Werken echter Künstler:innen, die über Jahre, oft Jahrzehnte, ihre eigene Handschrift entwickelt haben – Bilder, die in den Trainingsdaten der KI verarbeitet wurden, meist ohne deren Zustimmung und ganz sicher ohne jede Vergütung. Was wie eine neue, eigenständige Schöpfung erscheint, ist in Wahrheit eine Art Recycling fremder Kreativität, entkoppelt von ihrem Ursprung und ihrer Urheberschaft. Das macht die Sache für mich nicht nur ästhetisch, sondern auch moralisch fragwürdig.

    Für mich bleibt Kunst aus einem zutiefst menschlichen Grund eine urmenschliche Angelegenheit, denn sie ist immer mehr als nur ein Produkt. Sie bildet eine Brücke zwischen Seelen. Wenn ich vor einem Gemälde stehe, möchte ich keine algorithmische Neukombination bereits existierender Daten sehen, keine kalte Perfektion ohne Herzschlag dahinter. Ein Beispiel, das mir dabei immer wieder in den Sinn kommt, sind die Buchcover von Mario Heyer. Sie mögen auf den ersten Blick gefällig wirken, glatt und technisch einwandfrei komponiert, doch bei genauerem Hinsehen entlarven sie sich als genau jene Beliebigkeit, vor der ich mich fürchte: Man erkennt keine individuelle Handschrift, keine bewusste Entscheidung, die aus einer echten Auseinandersetzung mit der Geschichte dahinter erwachsen wäre. Die Motive wirken so, als könnten sie ebenso gut ein völlig anderes Buch schmücken, ohne dass dabei etwas verloren ginge. Und genau darin liegt für mich das eigentliche Problem: Wer möchte ein Kunstwerk, das genauso gut auch ein anderes sein könnte? Ich jedenfalls nicht.

    Wenn ich ein Lied höre, das mich im Innersten berührt, oder ein Buch in die Hand nehme, sehne ich mich nach etwas Unersetzlichem: Ich möchte die Vision eines anderen Menschen in mir aufnehmen, seine Gedanken wie einen kostbaren Schatz in meinem eigenen Bewusstsein bewahren. Ich möchte von den Erfahrungen, Zweifeln und Hoffnungen meiner Mitmenschen lernen. Ich möchte durch ihre Worte, ihre Melodien und ihre Pinselstriche hindurchfühlen, was vor mir ein anderer Mensch so oder so ähnlich auch gefühlt haben könnte. Diese zutiefst menschliche Verbindung, dieses stille Gespräch zwischen Schaffenden und Betrachtenden über Zeit und Raum hinweg, kann keine Maschine erschaffen, so fortgeschritten sie auch sein mag.

    Vielleicht liegt die eigentliche Aufgabe der KI also gar nicht darin, die Schaffenden zu ersetzen, sondern bestenfalls darin, ihnen als technisches Hilfsmittel zu dienen – für eine erste Skizze, einen technischen Kniff, eine Idee, die dann von einem Menschen aufgegriffen, durchdacht und mit echtem Leben gefüllt wird. Doch dort, wo sie die schöpferische Instanz selbst ersetzen soll, bleibt sie für mich, was sie ist: ein Werkzeug ohne Herzschlag.

  • Ich nutze KI beruflich und als Informatikerin, aber privat gar nicht mehr, weder beim Schreiben, noch bei meinen Illustrationen.

    Bei jeder Technologie hat man die Wahl, ob man es für den gesellschaftlichen Nutzen oder für die Manie von Wenigen einsetzen will. Aktuell passiert das Letztere.

    KI wächst aktuell unkontrolliert und unreguliert und ist aktuell wie ein Krebsgeschwür, das den Wirtskörper langsam tötet. Das ist nicht nur die Kunstszene, die Indie Literaturszene, viele Branchen wie Übersetzer, Justiz, Einsteigerjobs etc. sondern auch fundamentale Sachen wie Demokratie und die Natur der menschlichen Existenz und volkswirtschaftlicher Prozesse, welche unsere Zivilisationen am Laufen halten. Nur der Kapitalismus an sich wankt noch nicht (zumindest nicht bis all diese AI Bubble platzt).

    Bis all diese Fragen sozialverträglich beantwortet sind, wird es eine politische Umwälzung der Prioritäten brauchen.

    KI kann ein Segen sein, in der Medizin, wenn sich damit Backlogs in der Justiz vermeiden lassen, jedoch ist das nicht in einer Wirtschaft möglich, die auf Gewinnmaximierung aufgebaut ist, da dort der finanzielle Spielraum für die faire KI Transition fehlt. Aber nun kann irgendwer in Botswana mit Deepl die outgesourcte Korrespondenz aus DE bearbeiten für 2 USD/ Stunde, die dann von 3 KI Agenten geprüft werden.


    Ich nutze KI beruflich in der Mustererkennung von OCR Texten über ein KI basiertes OCR Programm, die wir für blinde Studierende transkribieren u.a. auch aus Chinesisch, Altgriechisch und Physik auf PhD Level an der ETH. Daneben auch Claude und ChatGPT für Bildbeschreibungen. Für uns heisst KI mehr blinde Studierende und mehr Arbeit, wir mussten unser Team verdoppeln.

    In der Kunst möchte ich mich selbst als Mensch ausdrücken. KI hat für mich was von Leichenfledderei, weil es nur seelenlosen Slop reproduziert, wie das vorverdaute Essen einer Kuh, dass bereits gegessen nochmals unverdaut hochgewürgt wird. Uncanny Valley. Auch gefällt mir die banale Ästhetik von KI Bildern nicht.

    Kunst entsteht aus Wut, aus Schmerz, aus Liebe, aus Freude, aus schierer Verzweiflung. Die KI hat nichts empfunden, sondern ist Ersatzhandlung. Künstlerische Masturbation ohne Höhepunkt, alles in allem eine traurige Angelegenheit…

    Es gibt Schreibprogramme wie DeeplWrite, welche Texte kontextbezogen umschreiben können und die für den Geschäftsbereich schon etabliert sind. Damit kann ein Schimpanse Absagebriefe schreiben. Aber es korrigiert alles was Charakter hat weg oder definiert es als Fehler. Ich muss im Beruf - weil ich die Schulung aller blinden kaufmännischen Lehrlinge des Landes verantworte - vertieft damit auseinandersetzen und ich blicke da auf ein Massengrab, was alle Schreibtischberufe angeht vom Assistenten bis zur Lektorin, vom Programmierer bis zur Anwältin.


    Man kann es rauslesen, ob etwas von KI geschrieben wurde. Ich will mich beim Schreiben auch konstant verbessern und dabei ist meines Erachtens KI kontraproduktiv. Es zeichnet die KI aus, nicht den Autor.

    Es gibt nun eine ganze Szene von US Autor*innen in der Phantastik - auch sehr bekannte Namen - die explizit Fehler oder Jargon einbauen, um menschlich zu schreiben. Noch zähle ich mich nicht dazu…

  • cherDie pauschale Verteufelung von jeglicher Verwendung von KI hat was von Inquisition.

    Es gibt ja Analysen von (Kinder)Psychologen, ehemaligen AI-Entwicklern, die also beteiligt waren und dann in den Bereich der Ethik gewechselt sind und es gibt ebenso Analysen von Marktentwicklungen, die allesamt vollkommen rational sind. Deine Aussage kann ich daher nicht nachvollziehen. Sie ist ja rein emotional formuliert. Hier bei Interesse zwei gute Fach- bzw Sachbücher:

    - Kate Crawford: Der Atlas der KI, C. H. Beck Verlag. (Atlas of AI: Power, Politics, and the Planetary Costs of Artificial Intelligence)
    Crawford ist Wissenschaftlerin im Data Research-Bereich (u. a. bei Microsoft) und Recht, sie ist nebenher Publizistin.
    und
    - Adam Becker: More Everything Forever : AI Overlords, Space Empires, and Silicon Valley's Crusade to Control the Fate of Humanity. Hachette. (MWn bislang nicht auf Deutsch, es ist extrem gründlich recherchiert und der Titel ist iroisch-pulpig.)
    Becker ist Astrophysiker und Journalist.

  • Ich finde, dass der Ausschluss von Produkten, die unter teilweiser Verwenung von generativer KI enstanden sind, nicht gut ist. Dass hier im Namen aller Künstler gesprochen wird, finde ich interessant. Immerhin ist es ja gegen sie gerichtet.

    Ich kenne einen Autor, der generative KI verwendet, um Werbung für sein Buch zu machen und für das Cover. Da, wo man als Selfpublisher ohne die Verwendung von KI deutlich Geld in die Hand nehmen muss, damit ein Experte ein Coverbild erstellt (eventuell mit Photoshop, keine Ahnung ob da intern auch an der ein oder anderen Stelle KI eingesetzt wird?), das in einigen Fällen dem KI Bild auch noch unterlegen ist (machen wir uns nichts vor, manchen der Bilder sieht man die KI an, aber einige sind echt stark, auch wenn manche es nicht wahrhaben wollen).

    Dass es recht schwammig ist, kommt noch dazu. Wenn ein Autor durch einen "Dialog"/Chat mit einem LLM eine Idee bekommt oder in einer Idee bestärkt wird und danach ein Buch über diese Idee schreibt, reicht das schon?

    Solang ein Künstler seine Arbeit selbst macht und Dinge, die das Produkt nur als Verpackung betreffen (zB Coverbild) auf eine KI statt auf andere Menschen auslagert, sehe ich gar kein Problem.

    Zu dem Thema "Schutz der Urheberrechte" und "Fortschritt und neue Möglichkeiten" sehe ich keinen Grund, warum das jetzt ein neues Fass sein soll. Die KI hat ja durch das Training (ich spreche jetzt von LLMs) nicht direkt die Daten, die geschützt werden sollen, gespeichert, sondern irgendwie im neuronalen Netz codiert (ähnlich zum menschlichen Gehirn auch). Wenn man gezielt versuchen würde, ein Ölgemälde nachzumalen dann würde der Output sicher nicht 100%ig dem Originalgemälde entsprechen, ähnlich wie wenn man einen sehr guten Maler bitten würde, aus dem Gedächtnis ein Gemälde zu malen, das er gut kennt. Von daher würde ich das einfach so bewerten, dass die KI als ein Werkzeug anzusehen ist. Die Verantwortung, ob Urheberrecht verletzt wird, trägt dabei der, der das Werkzeug verwendet hat.