Knoke / Kleudgen: Nachtmahrfänger

  • Das wunderschöne Heft mit Seidenglanz-Cover kam an und ich bin ausgesprochen begeistert [no pun intended, und ein Geist spielt in der Geschichte sogar eine wichtige Rolle].

    Der Beginn ist wirklich sehr ähnlich zum Flüstern der Mollusken, der sicher zu einem meiner liebsten deutschsprachigen Romane gehört. Der Übergang (falls er so circa dort liegt, wo ich vermute) ist ausgesprochen fließend-harmonisch gestaltet und die tolle, atmosphärische und auch spannende Geschichte um den sympathischen Erzähler findet ein zumindest für mich völlig unerwartetes Ende, das sehr schöne, starke und sicherlich bleibende Eindrücke hinterließ.

    Allerheißesten Dank an Jörg und wie schön, dass er diese Geschichte weiterspann und zur Veröffentlichung brachte! Und was für ein schöner, perfekt passender Titel. <3<3<3

  • Tolle Geschichte!
    Habe sie letztes Wochenende gelesen und hätte sie mir sogar noch etwas länger gewünscht. Ich hatte den Übergang an der Stelle vermutet, bei der sich der Erzähler in der Bäckerei etwas zu Essen holt, aber der war wohl schon früher.

    Jörg hat sie auf alle Fälle stimmig weitererzählt. Ganz eigen und zumindest weiss ich jetzt auch, was ein Nachtmahrfänger ist ;)


    Wer das Heft noch nicht hat, sollte es besser bald bestellen, da es auch nur 100 Stück gibt.

  • Ausgezeichnete Geschichte.

    Eines der raren Beispiele, die zugleich anrührend sind und einen subtilen James'schen Schauer besitzen. (Henry genauso wie MR).

    Ich werde definitiv weitere Zusammenarbeiten der beiden Autoren lesen.

  • Ich habe "Nachtmahrfänger" mit großem Interesse gelesen - eine stimmungsvolle, melancholische Weird-Fiction-Erzählung, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat, da sie so viel Sorgfalt in Atmosphäre und emotionale Tiefe investiert. Besonders gefallen hat mir, dass die Atmosphäre den Text trägt. Es gelingt, Kälte, Einsamkeit und Vertrautheit gleichzeitig spürbar zu machen. Diese Mischung aus Geborgenheit und Unheimlichkeit ist für mich der eigentliche Motor der Erzählung, sogar noch stärker als die Handlung selbst. Getragen wird dieses Gefühl von einer Traumlogik, die überzeugend funktioniert: Der Übergang zwischen Wachsein, Erinnerung und Traum ist so geschickt verwischt, dass ich nie die Orientierung verlor, obwohl ich nie ganz sicher war, auf welcher Ebene ich mich gerade befand. Genau dieses Schweben hat mich am meisten gepackt. Konsequent führt dieser Weg zum Leuchtturm, und die Auflösung dort ist für mich der stärkste Moment des ganzen Textes - bildstark, ruhig erzählt, ohne unnötige Erklärung. Zusammen mit der Urnen-Szene bildet sie einen emotional sehr berührenden Abschluss, der die private Trauer des Erzählers organisch mit der übernatürlichen Handlung verknüpft; ich habe diese Szene mit einem echten Kloß im Hals gelesen. Auch die dänischen Dialogfetzen haben mir gefallen. Sie verleihen Lokalkolorit, ohne aufdringlich zu wirken, und verankern die Geisterwelt fest an einem sehr konkreten, erdigen Ort.

    ...

    Am Ende bleibt vor allem eine besondere Stimmung: Eine Mischung aus stiller Trauer und leisem Grauen, verbunden mit dem Gefühl, dass das Unheimliche nicht von außen hereinbricht, sondern sich ganz selbstverständlich aus Erinnerung, Verlust und Kindheitsorten herausschält. Es ist genau diese Melancholie, die mich an "Nachtmahrfänger" am meisten berührt hat. Es ist kein lautes, effektgetriebenes Erschrecken, sondern etwas, das sich im Kaminschein, in den Dünen und am Fuß eines alten Leuchtturms einnistet, zwischen Sehnsucht nach Geborgenheit und dem Wissen um ihren unwiederbringlichen Verlust. Michael Knoke und Jörg Kleudgen gelingt es hier auf geradezu vorbildliche Weise, Verlust und Erinnerung ins Unheimliche zu verwandeln, ohne sie zu erklären oder ihnen ihre Wucht zu nehmen.


  • Eine sehr schöne Geschichte des Abschiednehmens und auch der eigenen Vergänglichkeit. Es macht einem bewusst, wie wichtig die kleinen Momente im Leben sind, die man mit den Kindern verbringt und dass diese deren Erinnerungen sein werden, wenn man selbst nicht mehr da ist.