"Dorothee Elmigers bildgewaltiger Roman – eine mitreißende Erfahrung. Wer diesen Text betritt, fällt in den Abgrund unserer Welt und blickt mit aufgerissenen Augen in die Finsternis. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Bayerischen Buchpreis 2025
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter Theatermacher, der sie für sein neuestes Vorhaben zu gewinnen versucht – ein in den Tropen angesiedeltes Stück, die Rekonstruktion eines Falls. Wenige Wochen später bricht sie auf, um sich der Theatergruppe auf ihrem Gang ins tiefe Innere des Urwalds anzuschließen. Dorothee Elmiger erzählt eine beunruhigende Geschichte von Menschen und Monstren, von Furcht und Gewalt, von der Verlorenheit im Universum und vom Versagen der Erzählungen."
My 5 pence. Vorab, um es einordnen zu können, geschrieben wir in indirekter Rede in der Ich-Perspektive. Es gibt nicht einen Dialog. Daran muss man sich eingangs gewöhnen. Ich habe es genossen, denn als Gesamtwerk funktioniert es genau so. Die Reise, um die es geht, erinnert sehr an den Dokumentarfilm "Mein liebster Fein" von Werner Herzog. Das ist das Fundament der Geschichte, dass die Erzählerin mit uns teilt. Von einem Theatermacher in sein Ensemble geholt, um sich in Brasilien auf die Spuren zweier vermisster, junger holländischer Frauen zu begeben. Diese Suche wird immer wieder aufgenommen, gleichwohl nimmt uns Elmiger mit auf bizarre Beobachtungen der Erzählerinnen, auf unbehaglicher Episoden anderer Figuren und der zunehmenden Bedrohlichkeit eines südamerikanischen Dschungels. Ein Dschungel, der so beschrieben, eigentlich einsam hätte sein sollen, doch ständig drängen sich immer merkwürdigere Begegnungen auf. Insgesamt wird hier ein subtiles abseitiges Grauen erzeugt, das Lovecraft in nichts nachsteht und mich eindringlich an Danielewski House of Leaves erinnerte. Die Geschichten werden zunehmend klebriger, verstörender und werden alle literarisch unterschiedlich angegangen. kein einfaches Lesen, nein, aber äußerst lohnenswert. Für mich daher auch ein Kandidat für den VP, da hier ausreichend Horrorelemente vorhanden sind. Anders, aber spürbar.
9,5 von 10 Fledermäusen.