Hanns Heinz Ewers - Alraune Die Geschichte einen lebenden Wesens

  • Worum geht es?

    Zuvorderst ordne ich den Roman in jenes Sujet ein, das sich mit menschgemachten Kreaturen und deren Wirken in einer sozialen Welt auseinandersetzt. Alraune ist ein Experiment, eine künstliche Befruchtung, ausgetragen von einer willig gemachten Prostituierten und gezeugt durch den Samen eines gewalttätigen und zum Tode verurteilten Schwerverbrechers. Eine der Hauptfiguren namens Frank Braun pflanzte seinem Oheim, dem Geheimrat Jakob ten Brinken diese Idee, diesen Gedanken ein. Und dieser setzte ihn in einem Allmachtswahn um. Wir erleben Alraune auf dem Weg vom kleinen Kind zur jungen Frau und verfolgen, wie sie Menschen einerseits zu Reichtümern verhilft und sie ebenso ins Unglück, in den Tod reißt.

    Meine Meinung: Krasser Scheiß und überaus modern. Ewers spielt gekonnt mit sexueller Obsession, mit der Umkehr von Geschlechterrollen, mit Queerness. Bezeichnend dabei für mich eine Ballszene, in der sich Alraune mit Pagenschnitt als Soldat zeigt und ihr Freund aus Kindheitstagen als geschminkte Rosalinde. Die Szene atmet Lüsternheit und gewiss war ihm damit der Weg zur sogenannten ernsthaften Literatur verbaut. Obschon Ewers Talent zu schreiben niemandem nachsteht. Ehrlich gesagt fand ich es weder altbacken noch gestelzt. Zum Ende hin begegnen sich die tricksterhafte Figur Frank Braun und Alraune, ihr Schicksal verschränkt sich miteinander und führt zur obsesshafften Leidenschaft und im Ansatz dem Vampirismus.

    Fazit: Sicherlich kein Pageturner, weil es beim Lesen wirken musste, dafür wirkt es umso nachhaltiger. Ich fand es wirklich grandios.

  • Ein Buch, das man mal wieder lesen müsste. Deine Einddrücke dürften aber allgemeingültig sein und lassen sich höchstens in den Details noch weiter auffächern.

    Meine letzten Beschäftigungen mit dem Roman bestand im Erwerb zweier alter Ausgaben. Links mit der Titelzeichnung von Ilna Ewers-Wunderwald (1911) und rechts eine Feldpostausgabe von 1916.