Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens 1901 bis 1921

  • Meine Schwiegereltern haben mir aus der Bibliothek der Familie Süss zwei Kisten voller Bücher der Reihe „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“ der Jahre 1901 bis 1921 geschenkt. Obwohl die Inhalte grösstenteils belletristischer Natur sind, beinhaltet jeder Band auch ein Sammelsurium an technischen Fortschrittsberichten und manches Mal auch Science Fiction und Zukunftsvorhersagen u.a. von H.G. Wells. Die Bücher eignen sich auch hervorragend für die Recherche, falls man Ereignisse, Entwicklungen und Triviales dieser Epoche literarisch und historisch akkurat wiedergeben will. Die Bücher erschienen anno dazumal in der Union Deutsche Verlagsgesellschaft (Stuttgart / Berlin / Leipzig).

    Seit einigen Monaten habe ich ein Schreibatelier in Basel, wo eine winzige fantastische Bibliothek am Entstehen ist, die man auch bald besuchen kann [hierzu erstelle ich aktuell eine Datenbank, immerhin sind Dokumente, Digitalisierung und Ontologien eines meiner Kernfachgebiete 🙂]. Dort findet man auch alte Ausgaben von Büchern von HG Wells, Conan Doyle etc. Und viel Quellenliteratur aus der Epoche der Jahrhundertwende bis 1930er Jahre aus den Familienbibliotheken Süss / Mukherjee auf Deutsch und Englisch. Somit mache ich meine Sammlung antiker und antiquarischer Bücher für Autor*innen zugänglich. Mehr dazu in den kommenden Monaten.

    Ich werde nun die 100+ Bände der „Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens“ sukzessive durcharbeiten und die interessanten Texte aus Frakturschrift in moderne Schreibschrift übertragen. Was die rechtliche Grundlage einer Nachproduktion dieser Texte ist, ist mir aktuell noch unklar, da ja 120 Jahre vergangen sind und das Verlagshaus rund ein Dutzend Eigentümerwechsel zu verkraften hatte. Ich nehme stark an, dass das Urheberrecht verfallen ist.

    Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens – Wikisource

    Anbei einige erste visuelle Eindrücke.

    Falls dieser Artikel bei der Sekundärliteratur besser aufgehoben sein sollte, kann ich ihn gerne verschieben.

    Eine der Kisten:

  • Wow! Sowohl ein Schreibatelier zu haben als auch der Aufbau einer dortig beheimateten Sammlung antiker Bücher klingt absolut großartig. Dies gilt natürlich auch für deine Idee, die alten Nachschlagewerke durchzugehen und auszuwerten. Viel Erfolg dabei! Ich bin gleichfalls sehr gespannt, was da noch auf uns zukommt.

    "The amount of weird material I have not read is appalling"

    HPL to CAS, 1925

  • Moonseeker Du musst nicht bei 0 anfangen. :)

    Ich hatte damals eins meiner Highlights in Arcana erwähnt und gebe hier einmal die bibliographische Angabe:

    Galle, Heinz J.: Phantastische Erzählungen in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens (1877 – 1943). In: Arcana. Magazin für klassische und moderne Phantastik. No. 3, Oktober 2003. S. 16 – 29. Verlag Lindenstruth. Giessen 2003

    Galle hat eine Liste der in Frage kommenden Erzählungen aufgestellt und stellt viele der Stories in einem Fließtext vor. Soweit ich weiß, ist das noch immer der besten Handweiser für das Genre in der BdUudW.

    (Ich habe zwischenzeitlich einen weiteren Beitrag ausgemacht, der nicht in Galles Liste ist. Es handelt sich um eine Groteske namens „Prinz Orloff“ von Alexander Moritz Frey (1881 – 1957), erschienen im 7. Band d. Jahrgangs 1925, S. 141 – 146)

    Ansonsten wurde die Bibliothek hier erwähnt, als es um den obskuren F. C. Oberg ging, mit dem sich openupandbleed beschäftigt:

    openupandbleed
    16. September 2021 um 10:22
  • Das klingt nach einem echt spannenden Vorhaben! Halt uns doch gerne immer mal wieder auf dem Laufenden darüber, was du dabei so aufstöberst.

    Ja, das werde ich laufend tun, unter diesem Forenthema.

    Ich habe mir heute schon in einer ersten Durchsicht rund ein Dutzend Bände herausgesucht, deren Inhalte ich transkribieren will. Mein OCR erkennt Frakturschrift nur rudimentär. Die schnellste Methode ist, es aus dem Buch laut zu diktieren und durch die Spracheingabe des PCs aufnotieren zu lassen. So habe ich die Geschichten in wenigen Minuten in guter Qualität in Rohdatenform digitalisiert.

    Aber zu allererst werde ich ein Verzeichnis der vorhandenen Bücher erstellen in einer Datenbank, wo ich sie am besten katalogisieren kann. Hierbei die einzelnen Geschichten, Autor, Band, Jahr, Metadaten und Hashtags zu den Themen. Evtl. reicht da auch ein .xls das ich dann als .csv in die geplante grosse DB übertrage. Learning by doing. 🙂

  • Wow! Sowohl ein Schreibatelier zu haben als auch der Aufbau einer dortig beheimateten Sammlung antiker Bücher klingt absolut großartig.

    Nils Naja, das Schreibatelier ist klein, aber es hat sieben Sitzplätze, Kaffemaschine, Teekocher und vor allem eine Toilette die man nutzen kann, so kann ich es für Lesezirkel nutzen, die ich im 2026 auf D/E/F/I evtl. Spanisch anbieten will. Ich ziehe mich dorthin zum Schreiben zurück an meinem halben Tag pro Woche, den ich für diese Aktivitäten investiere.

  • Du musst nicht bei 0 anfangen. :)

    Danke für die Hinweise zu Heinz Galle! Ich werde dem mal nachgehen. Weisst Du, ob dieses Magazin in der Bibliothek in Wetzlar einzusehen ist?

    Galle, Heinz J.: Phantastische Erzählungen in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens (1877 – 1943). In: Arcana. Magazin für klassische und moderne Phantastik. No. 3, Oktober 2003. S. 16 – 29. Verlag Lindenstruth. Giessen 2003

    In Hinblick auf openupandbleed behalte ich F.C. Oberg auf dem Radar.

  • Weisst Du, ob dieses Magazin in der Bibliothek in Wetzlar einzusehen ist?

    Das weiß ich leider nicht. Aber für deine Jahrgänge (1901 – 1921) habe ich hier die Beiträge einmal verschriflicht, so wie sie in der genannten Arcana-Ausgabe aufgeführt sind:

    1902: Bd. 7 Clodwig Graf zu Sayn-Wittgenstein: Während dreier Worte. Eine Phantasie

    1903: Bd. 5 Friedrich Thieme: Rübezahls Geschenk. Eine lustige Sylvesterphantasie

    1906: Bd. 4 – 6 Eufemia v. Adlersfeld-Ballestrem: Wie lange noch? Die Geschichte der Dame in Gelb

    1907: Bd. 2 W. Harb: Cagliostro der Zweite. Novelle

    1907: Bd. 5 Karl Rosner: Spuk. Erzählung

    1908: Bd. 2 J. Diedrich: Nur ein Hund. Ein Erlebnis

    1908: Bd. 11 Friedrich Streißler: Odorigen und Odorinal. Phantastische Humoreske

    1908: Bd. 13 M. Blank: Ahasvers Brautfahrt. Erzählung aus längstvergangenen Tagen

    1909: Bd. 6 Hermann Roemer (d. i. Friedrich Thieme): Das lebende Bild. Ein Märchen

    1909: Bd. 10 Karl Rosner: John Reabneys Tod. Erzählung aus Indien

    1910: Bd. 1 F. C. Oberg: Die Hand der Barbara Utu. Novelle

    1910: Bd. 9 M. von Loga: Senor Hacindo. Ein Phantasiestück

    1910: Bd, 12 Friedrich Thieme: Der Reisekamerad. Eine phantastische Geschichte aus den Bergen

    1911: Bd. 6 F. C. Oberg: Die Tränen der Josephina. Novelle

    1911: Bd. 8 Walter Kabel: Die Aschenurne

    1911: Bd. 10 Josepha Frank: Der Spaziergang der Fee Amorosa

    1911: Bd. 12 Adolf Stark: Doktor Svenson und seine Töchter. Novelle

    1911: Bd. 13 F. C. Oberg: Der Tod von Möön. Novelle

    1912: Bd. 3 Lenore Pany: Der Sieger Tod. Novelette

    1912: Bd. 4 Fr. Holzer: Das zweite Ich. Aus den Erinnerungen eines Arztes

    1912: Bd. 5 F. C. Oberg: Der rote Marchese. Novelle

    1912: Bd. 8 H. Schobert: Es gibt mehr Dinge – Nach den Aufzeichnungen eines Rechtsanwalts

    1912: Bd. 9 Rudolf Hirschberg-Jura: Phantome. Aus dem Tagebuch eines Wahnsinnigen

    1913: Bd. 1 F. C. Oberg: Das Geschenk des Inders. Novelle

    1913: Bd. 13 Auguste Groner: Das ewige Licht. Eine seltsame Geschichte

    1914: Bd. 10 W. Granville Schmidt: Nur ein Traum. Eine Seegeschichte

    1915: Bd. 1 F. C. Oberg: Der Schatten im Spiegel. Novelle

    1916: Bd. 9 Hanns Wohlbold: Das Fest der Manen. Skizze

    1917: Bd. 12 – 13: Friedrich Jacobsen: Die Geisterinsel. Eine seltsame Geschichte

  • Inzwischen habe ich die restlichen einschlägigen Geschichten von F.C. Oberg als Privatdruck in Miniauflage wiederveröffentlicht. („Nur ein Traum?“ und „Der weiße Pfau von Eeksol“.

    Zusammen mit „Der rote Marchese“ ist damit das gesamte einschlägige Werk von F.C. Oberg zusammengefasst. Was natürlich nicht heißt, dass noch weitere Erzählungen phantastischen Inhalts in Zeitschriften und Magazinen verborgen sein kann.

    [skul] Dance to the beat of the living dead [skul]

  • Was natürlich nicht heißt, dass noch weitere Erzählungen phantastischen Inhalts in Zeitschriften und Magazinen verborgen sein kann

    Ich werde den Namen auf dem Radar haben. Wie kamst Du darauf dieses Oberg Gesamtwerk zu veröffentlichen? Und wurden seine Texte damals ins Englische übersetzt?

  • Im Arkana Heft sind tatsächlich nur die von Galle gefundenen einschlägig utopisch-phantastischen Titel aufgelistet.

    Zu Oberg: Mir hatte der Band „Der rote Marchese“ recht gut gefallen. Als ich zwei weitere Erzählungen in der BdUudW entdeckte, fand ich dass man sie auch wiederveröffentlichen könnte. Danach bekam ich Hinweise auf weitere Erzählungen im „Buch für Alle“, die ich dann in einem weiteren Band veröffentlichte.

    [skul] Dance to the beat of the living dead [skul]