Shades of Darkness (1983-1986)

  • Bei Shades of Darkness handelt es sich um eine 9-teilige Anthologie-Reihe aus dem englischen Fernsehen. Produziert hat sie der Sender Granada, der u. a. auch die berühmte Sherlock-Holmes-Serie mit Jeremy Brett im Programm hatte.

    Ich mag solche Adaptionen sehr - auf Supernatural und A Ghost Story for Christmas hatte ich bereits zu früherer Zeit einmal hingewiesen. Daher sei nun auch diese kleine Serie aufgeführt, die sich auf diverse reizvolle Vorlagen aus der Phantastik stützt. Fast alle Folgen sind auf youtube ansehbar, leider nicht immer in bester Qualität.

    1. The Lady's Maid's Bell

    Umsetzung der gleichnamigen Geschichte von Edith Wharton, in welcher eine junge Dame eine lukrative Anstellung bei einer reichen Dame erhält, die scheinbar auch zur Geisterstunde nach ihrer neuen Zofe läutet. Oder doch nicht?

    2. The Intercessor

    In dieser Story der englischen Autorin Mary Sinclair zieht sich der junge Schriftsteller Mr. Garvin aufs Land zurück. Dort residiert er in einem abgelegenen Farmhaus - und wird alsbald mit der seltsamen Historie der dort ansässigen Familie konfrontiert.

    3. Feet Foremost

    Basierend auf L. P. Hartley, planen ein reicher Industriemagnat und dessen Gattin die Renovierung eines geschichtsträchtigen, jedoch verlassenen englischen Hauses. Mit Folgen.

    4. Afterward

    Nochmal Edith Wharton. Diesmal steht eine Familie im Mittelpunkt, die im Süden Englands eine neue Bleibe sucht und in ein Spukhaus einzieht.

    5. The Maze

    Auch hier, in dieser Episode nach C. H. B. Kitchin, entschließt sich ein Paar zum Einzug in ein heimgesuchtes Gemäuer.

    6. Seaton's Aunt

    Eine der bekannteren Geschichten von Walter de la Mare, der auch als Kinderbuchautor hohes Ansehen genoss und hier eine Schauergeschichte aus der Perspektive eines kleinen Jungen erzählt, welcher nach dem Tod seiner Eltern zu seiner ungeliebten Tante ziehen muss.

    7. Bewitched

    Edith Wharton zum Dritten, die hier das Hexenthema aufgreift: In einem kleinen Küstenort wird eine junge Frau der Hexerei verdächtigt, und als sie plötzlich verstirbt, scheint sie im Ort nur umso präsenter zu sein.

    8. The Demon Lover

    Elizabeth Bowen erzählt die Geschichte einer Familie, die sich 1941 ob des Krieges aus der Stadt zurückzieht. Im Mittelpunkt steht Kathleen, die glücklich verheiratet ist und stolz auf ihren erwachsenen Sohn ist. Die Geschehnisse bringen ihr jedoch Erinnerungen an ihre erste Liebe zur Zeit des 1. Weltkriegs zurück, und sie erinnert sich plötzlich an ein verzweifeltes Versprechen.

    9. Agatha Christie's Last Seance

    Diese Story trägt die Autorin bereits im Titel. Leider scheint sie nicht auf youtube vorhanden zu sein.


    In jedem Fall gut gemachte Unterhaltung für frühe Abende an kalten Tagen. Es spielen auch immer wieder bekannte (oder damals noch weniger bekannte) SchauspielerInnen mit.

    "The amount of weird material I have not read is appalling"

    HPL to CAS, 1925

  • Diesen Hinweis nehme ich mit großem Interesse zur Kenntnis … Form und Inhalt sind genau meine Kragenweite.

    Leider ist es schwer, an ein DVD-Set zu kommen (das war ja so schön praktisch damals mit den "Ghost Stories for Christmas").

    Vor dem YT-"Genuss" schrecke ich noch etwas zurück. Aber: immerhin eine Option, vielen Dank auch für die entsprechenden Verlinkungen.

  • Klasse Tipp, herzlichen Dank! Hab mir die nach und nach angeschaut (6, 7 & 8 stehen noch aus), und bin fasziniert. Zum einen, dass es Gespenstergeschichten sind, die null nach dem seit den 1990ern gängigen, immergleichen und inzw. auch massiv ausgenudelten Haunting-Mustern laufen. Ich wusste kaum noch, dass es auch anders gehen kann.

    Dann feiere ich geradezu, dass es keinen durchgehenden Score gibt: es ist nicht alles mit Musik zugekleistert, die Szenen sind einfach akustisch so ruhig, wie sie im echten Leben wären. 100 Punkte, was eine Wohltat. Mich nerven diese Klangteppiche aktueller Produktionen ungeheuer. Dito was die Qualität angeht: Ja, etwas schrebbelig auch durch die Plattform, aber ich bin so übersättigt von HD-Bildern und 4K "Restaurationen", nachkolorierten Archivaufnahmen etc., dass ich diese Qualität durchaus vorziehe.

    1, 2, und 5 haben mir irre gut gefallen. 5 hat auch super Figuren, tolles Setting. Alle drei haben imA stark unvorhersehbare Plots. Die Geister werden nicht so behandelt wie heute - nicht als unmittelbare Antagonisten - und die Konflike sind frisch. Es gibt auch Themen, die man heute nicht so sehen würde (Autor mietet sich auf dem Land ein, weil ihn Kindergeschrei stört, haha; und dann die Frau im Bett mit der nackten Brust einfach so, starke Bilder, dennoch nicht 'skandalös' inszeniert.)

    3 fand ich vollkommen bekloppt. Alle Figuren sind dusselig, nervig, der Plot ist lachhaft, es ist enorm schlecht gespielt (Kreuzwortfrau fand ich noch cool, das war ja aber nur eine Stichwortgeberin), die Witze waren irre mies und das Ende ... wtf?

    4 fand ich etwas meh in der ellenlangen, nervig-laberigen Exposition, aber es zieht nach dem Kaufgespräch stark an, sehr gute Figuren, fantastisches Setting, toller, sehr fies-subtiler Konflikt und schöne Spannung / Psychologie. Auch alles recht unerwartet und dennoch stimmig.

    Bin schon auf die weiteren gespannt. Hab auch mal zu der #3 gelesen und die fällt wohl auch durchgehend in der Presse durch, als negative Ausnahme. Dann hoffe ich, dass die letzten 3 so stark wie der Rest wird.

    [Gho] Good old British TV of the 80s, jedenfalls.

    Nachtrag: Beim Frühstück & Abendessen den Rest geschaut.

    6 Ist ganz atmosphärisch, ich mag die sehr ambivalente, schräge alte Dame und ihren seltsamen Flirt mit dem Freund des Jungen. Allerdings war es wohl nicht als foreshadowing gedacht und hat mich auf den falschen Dampfer gebracht. Interessante Figuren, es liegt (bis auf den rothaarigen Freund) eine eigenartige Lethargie über allem.
    Bei den beiden Freunden konnte ich nicht aufhören, an den wunderbaren Film Flame & Citron zu denken, allerdings ein ganz anderes Thema (Widerstand gegen Naziokkupation, dank Pootins Plänen sehr aktuell).

    7 Fand ich ein Meisterwerk, extrem bedrückend, dieses desolate, wild-unwirtliche Setting, die selbstbewusste Gattin des verhexten (oder sollte das 'verhext' sein?), die erst den Pfarrer zur Unterredung einbestellt und ihm dann ins Gesicht sagt, dass Beten doch nix bringt. Toller Plot, bei dem man nie genau weiß, wer warum schuldig ist, es hat einen fiesen Twist, der sehr glaubwürdig ist. Wunderbar all die Szenen vor der wilden See, erinnerte mich stark an meine Urlaube auf den Inneren Hebriden. Auch sehr gute, lebensechte Dialoge, kein Overacting.

    Die Hauptdarstellerin lebt noch und spielt noch mit 90 Jahren Filmrollen! Sie hatte das Drehbuch für Mrs Galloway geschrieben.

    8 Ich bin sicher, die Geschichte gelesen zu haben, dachte, sie hätte mir ganz gut gefallen. Der Film sagt mir null zu, zu viel Gerede um nix, vorhersehbar, Momente der Spannung werden verspielt / sind nicht verankert. Das Thema ist gut (eine Liebe, die mit den Dramen der beiden Weltkriege spielt), das Setting - ein London im Wiederaufbau - auch. Recht irreführender Titel, der wesentlich skandalöser klingt, als es ist.

    Grad, als ich das Fehlen von Hintergrundmusik lobte: bei den letzten drei ist wesentlich mehr Musik, teils extrem nerviges Violinengeschrammel, eben typisch für 50s-80s Crime.

    Insgesamt eine hochspannede Reihe mit zwei richtigen Highlights, dazu werde ich mir mal die Texte suchen.

    Lieben Dank noch mal, Nils , schöner Tipp!

  • Die Christie-Story wurde leider seit der Erstausstrahlung nicht wiederholt und auch auf DVD ausgelassen, weil die geldgierigen Erben die Rechte blockieren. Daher auch eine der wenigen AC-Verfilmungen, die ich nicht kenne. Wobei ich mir eine Verfilmung dieser Story (die ich mit 12 zugegebenermaßen echt verstörend fand) eher obskur vorstelle.

  • Aha, so ein Fall mal wieder. Ich muss zugeben, an so etwas gar nicht gedacht zu haben. Ich hatte mich über diese Folge ohnehin immer etwas gewundert - sie schien mir irgendwie nie so recht in die Reihe zu passen. Ich kenne aber zugegebenermaßen die Vorlage auch nicht.

    "The amount of weird material I have not read is appalling"

    HPL to CAS, 1925

  • Wenn "Agatha Christie" draufsteht, sind die geldgierigen Pritchards nie weit. Man denke etwa auch an Versuche, "Die Mausefalle" zu verfilmen. Obwohl die Filmrechte bereits in den 1950ern verkauft wurden, sind sie an eine Vertragsklausel gebunden, daß mit den Filmarbeiten erst begonnen werden darf, wenn das Stück mindestens 6 Monate nicht mehr gespielt wurde. Bei Corona wäre es theoretisch soweit gewesen - aber die Pritchards haben trotzdem einen Weg gefunden, die Regelung zu ihren Gunsten auszuhebeln.

    Was die Zugehörigkeit zu der Serie "Shades of Darkness" angeht - die IMDB führt die Folgen 8 & 9 (Bowen und Christie) als "2. Staffel", und ich meine mal gelesen zu haben, daß die Christie-Verfilmung nur "zugekauft" und nicht selbst produziert war. Muß ich noch mal nachschauen...