Kabbala, Astrologie und Okkultismus?

  • Kabbala, Astrologie und Okkultismus?
    Exkursion am 03.06.2026

    Die kabbalistische Lerntafel der Prinzessin Antonia (1613-1679) ist als achtes Weltwunder bezeichnet worden; zugleich wurde das Bild als magisch und gefährlich verdächtigt. Der Bilderschrein in der Dreifaltigkeitskirche in Bad Teinach ist ein riesiges Wimmelbild zur biblischen Geschichte, das von der pansophischen Natur- und Sternenkunde des 17. Jahrhunderts her zu verstehen ist. Kabbalistische Ideen der zehn Wesenheiten Gottes verbinden sich mit Spekulationen zu Geheimnissen hebräischer Buchstaben und der Sternzeichen. Zu erkennen sind auch Spuren des umstrittenen Übergangs vom Julianischen zum Gregorianischen Kalender, den der in Weil der Stadt geborene Johannes Kepler (1571-1630) vorbereitet hatte. Kepler war nicht nur führender Astronom seiner Zeit; er hatte auch astrologische Vorstellungen und beschäftigte sich mit Horoskopen. Erinnerungsorte zu Phänomenen an der Grenze zum Übernatürlich-Okkulten sind dann im nahegelegenen Möttlingen zu besichtigen: im ehemaligen Wohnhaus der Gottliebin Dittus, die Pfarrer Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) von ihrer Besessenheit heilte.


    Auf unserer Exkursion wollen wir auch die Frage stellen, was die Gedenkorte miteinander verbindet – und ob die Phänomene tatsächlich als übernatürlich, okkult und gefährlich zu verstehen sind.

    Veranstaltung: https://kurzlinks.de/23q5

  • Hallo Hospes,

    sehr interessante Fahrt, den Programmpunkten nach. Dazu fallen mir spontan zwei Dinge ein:


    - Johannes Kepler soll als überzeugter Protestant ein Vorbereiter der päpstlichen Kalenderreform gewesen sein? Soweit ich mir das zusammen gelesen habe ( Kalender sind so ein Steckenpferd von mir), wurde die Bulle "Inter Gravissimas" von den Protestanten naheliegenderweise abgelehnt. Allerdings hat sie Kepler dann später genutzt, um seine Tafeln und Modelle zu entwickeln, die für ihre besondere Präzision bekannt sind. Vermutlich geht es aber hier wohl mehr um sein Wirken als Astrologe und Mystiker.


    - Der Bericht des Pfarrers Johann Christoph Blumhardt über die Austreibung von Dämonen aus der Gottliebin Dittus ist unfassbar gruselig einerseits und glaubensbekräftigend andererseits. In sehr ähnlicher Weise berichtet der bekannte Arzt Justinius Kerner über eine seiner Patientinnen, Friederike Hauffe, welche sich sehr häufig in somnambulen Zuständen befand, und von ihm mit mesmeristischen Techniken behandelt wurde. Sie wurde bekannt als "Seherin von Prevorst" ( 1829, gleichnamiges Buch aktualisiert im Handel erhältlich). Das Geburtshaus in Prevorst steht noch, und ist heute das Gasthaus zum Ochsen. Und nicht weit davon weg, in Löwenstein, wo sie verstarb, ist an ihrem Sterbehaus eine Gedenktafel angebracht. Auch im Ort Kürnbach, wo sie zeitweilig wohnen musste, (weil gegen ihren Willen dorthin verheiratet) hat sie Spuren hinterlassen.


    Eventuell einen Abstecher wert ...