Zitat von SteidlOb man nun an Geister glaubt oder nicht, sie begleiten uns unter zahllosen Namen und in vielerlei Gestalt, seit der erste Mensch sich seiner Sterblichkeit bewusst wurde. Aus der Hoffnung, dass ein Jenseits und neben der sichtbaren Welt eine unsichtbare existieren möge, wuchsen Religionen, Mythen, Märchen und Geschichten, die einander in ihren Grundzügen bemerkenswert ähnlich sind, selbst wenn sie aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Alexander Pechmann begibt sich in seinem von Paloma Tarrío Alves wunderschön illustrierten Band auf die Spuren der Schriftsteller, die sich dem Reiz des Unheimlichen nicht entziehen konnten: Charles Dickens, Algernon Blackwood, Théophile Gautier, Thomas Mann, Henry James und viele mehr. Die Bibliothek der verlorenen Seelen nimmt uns mit in die Weltliteratur, die sich dem Gespenstischen verschrieb und die Geistergeschichte zur Kunstform erhob. Die mannigfaltigen Spukgestalten – von den Dämonen des Gilgamesch-Epos bis zu Gustav Meyrinks Golem – erweisen sich oft weniger als bloße Ausgeburten der Phantasie, denn als Verarbeitungen realer Begegnungen mit dem Unerklärlichen und Wunderbaren.
Alexander Pechmann - Die Bibliothek der verlorenen Seelen (Steidl)
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Das klingt doch vielversprechend, ist denn das Erscheinungsdatum bekannt?
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Finde ich auch, klingt interessant.
An so 'nem großen Fluss geben sie den 26.11. an.
Auf der Verlagsseite steht 10/25.
Scheint irgendeine Verzögerung gegeben zu haben.
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Nach einiger Verzögerung ist der schöne Band nun erschienen. Ich kann das Buch vollumfänglich empfehlen. Dem Autor ist eine sehr lesenswerte Kultur- und Literaturhistorie der Geistergeschichte gelungen, die inhaltlich wie sprachlich überzeugt. Man merkt, dass ihm das Thema eine echte Herzensangelegenheit ist. Als denkwürdige Sentenzen seien herausgegriffen:
Vielleicht sind Geister nichts anderes als unerledigte Aufgaben? Diese Überlegung verfolgte Henry James [...] und beschäftigte ihn, wenn er an die Freunde und Familienangehörigen dachte, die er inzwischen verloren hatte [...]. Ein Geist war für ihn keine gruselige Gestalt [...], sondern etwas vollkommen Menschliches: eine unerwiderte Liebe, eine ungelebte Vergangenheit, ein Gefühl, das so stark war, dass es den Tod überdauerte. [...] Viele seiner Gespenstergeschichten sind allegorisch [...]. Sie sind weniger Auseinandersetzungen mit dem Tod und der Frage, was danach kommt, als mit dem Leben, das sich nie ganz von der Vergangenheit lösen kann und eine wachsende Bürde verpasster Chancen, falscher Entscheidungen und nicht wahrgenommener Verantwortung mit sich herumschleppt.
Die Künstlichen Intelligenzen unserer Gegenwart gleichen den Geistern klassischer Spukerscheinungen insofern, als sie weder wirklich intelligent noch wirklich lebendig sind. Geister und KIs existieren, weil sie von unseren Erinnerungen zehren.