Ankündigung des Festa-Verlages

  • Tja... ausnahmsweise mal eine Reihe, bei der ich den richtigen Riecher gehabt hätte. Irgendwie war bei der Laymon-Gesamt-Ausgabe doch absehbar, dass das bestenfalls ein Liebhaberprojekt mit Klein(st)auflage werden würde, wenn vorher schon alles wesentliche bei Heyne rauskam, die haben die größere Reichweite und die günstigere Ausgabe.


    Auch die Dark Romance-Reihe wird eingestellt. In beiden Fällen wird mit mangelndem Interesse und den bösen Raubkopierern argumentiert. Ob vor allem zweites die Ursache ist? Klar, mit den Ebooks wird das Kopieren natürlich leicht gemacht, da sollte man im Vorfeld überlegen, ob man diese Büchse der Pandora öffnen möchte. Dieses Problem gibt es aber sicherlich auch bei anderen Reihen, die profitabler laufen und auch im analogen Bereich gibt es Fälle, wo das Buch unmittelbar nach dem Lesen weitergereicht wird. Da ist auch nicht immer ein Raubkopierer ein tatsächlicher Leser bzw. Käufer. Bleibt das mangelnde Interesse... und das war v. a. bei Laymon abzusehen. Auch die "Fifty-Shades-of-Grey"-Zielgruppe für die Dark Romance Reihe kauft nicht unbedingt bei Festa... eher ein Fall von "Versuchen kann man es ja mal, ist aber leider nichts geworden" als von bösem Leser.;)

  • Die strikten Gebraucht-Käufer sollte man auch nicht unterschätzen. Nicht nur Shops wie medimops oder booklooker als Zwischenstation zwischen Verkauf und Ankauf einen gebrauchten Buches. Nicht selten habe ich in Facebook-Gruppen nach Buchvorstellungen oder Neukäufen ein "verkaufst du es mir, wenn es durchgelesen hast?" gesehen. Motivation dürfte dabei wohl meistens Preisersparnis sein, wenn es ein Buch ist, das noch frisch auf dem Markt oder zumindest nicht vergriffen ist. Hat im Prinzip eines mit der Raubkopiererei gemeinsam: es haben mehr Leute das Buch gelesen als es verkauft worden ist.

    Büchereien hier mal ausgenommen. Ich bin seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr in einer öffentlichen Bücherei gewesen, habe aber noch keine erlebt, die in der Phantastik (oder Horror) über den Mainstream hinaus gegangen ist, sprich z.B. Titel vom Festa Verlag, Luzifer Verlag oder Voodoo Press in den Bestand mit aufgenommen hat.

  • Zitat

    Ich bin seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr in einer öffentlichen Bücherei gewesen, habe aber noch keine erlebt, die in der Phantastik (oder Horror) über den Mainstream hinaus gegangen ist, sprich z.B. Titel vom Festa Verlag, Luzifer Verlag oder Voodoo Press in den Bestand mit aufgenommen hat.

    In Wien gibt es das.

  • Und wieder sind's die bösen Piraten. Warum erkennt niemand, dass der Markt längst überfüllt ist? Bei der Masse an Neuerscheinungen ist klar, dass gewisse Bücher einfach nicht gekauft werden. Der Tag hat nur 24 Stunden. Es wäre auch mal schön, wenn ein Verlag in Betracht ziehen würde, dass er aufs falsche Pferdchen gesetzt hat. Aber solange andere beschuldigt werden können, müssen wir nicht über die eigenen Fehler sprechen.

  • Als ich das letzte Mal in unserer Stadtbibliothek war, bestand die "Horror"-Abteilung, wenn ich mich recht erinnere, neben den King-Türstoppern und fehlplatzierten kommerziellen Gothic-Schmonzetten aus sogar recht vielen Festa-Bänden, wenn auch nur Lovecraft-Sammlungen und Cthulhu/Weird Tales-Anthos.

  • Die Gebraucht-Käufer gibt es natürlich, evtl. auch zahlreiche Fälle, in denen das Buch nach dem Lesen im Bekanntenkreis weitergereicht wurde. Sowas finde ich eher normal und nicht als etwas in Richtung Raubkopie. Beispielsweise ein Kleidungsstück in gutem Zustand, dass nicht mehr passt oder gefällt würde man doch wahrscheinlich auch verkaufen oder verschenken, bevor man es wegwirft? Der Platz in jeder Wohnung ist nunmal endlich und nicht jeder, der gerne Bücher liest, sammelt diese auch bzw. hat das Geld um ständig nur Neuware zu kaufen. Da die kleineren Büchereien ja wie geschildert die spezielleren Bücher nicht anbieten, ist das ja auch eine praktikable Variante. Gerade auch die Büchereien sind ja das klassische Beispiel für mehr Leser als Käufer.

    Und wieder sind's die bösen Piraten. Warum erkennt niemand, dass der Markt längst überfüllt ist? Bei der Masse an Neuerscheinungen ist klar, dass gewisse Bücher einfach nicht gekauft werden. Der Tag hat nur 24 Stunden. Es wäre auch mal schön, wenn ein Verlag in Betracht ziehen würde, dass er aufs falsche Pferdchen gesetzt hat. Aber solange andere beschuldigt werden können, müssen wir nicht über die eigenen Fehler sprechen.

    Aus meiner Sicht ist das auch der wahrscheinlichste Fall, der hier vorliegt. Eine Aussage in Richtung "Wir haben es versucht und uns mehr davon versprochen, als tatsächlich eingetreten ist" wäre da ehrlicher gewesen. Aber man hätte eben eingestehen müssen, dass man hier mit dem Riecher nicht richtig gelegen hat und evtl. sogar Fehler gemacht hat. Das fällt vielen Leuten sehr schwer.

  • Die Sache ist: Das passiert Festa irgendwie ständig. Diese "Necroscope"-Reihe von Brian Lumley haben sie vor einigen Jahren eingestellt; die Robert E. Howard-Ausgabe ist in den Verkaufszahlen nach Abschluss des Conan-Teils anscheinend so hart gedropt, dass sie die weiteren Serien nur in diesen überteuerten Sonderausgaben anbieten; die weiter oben genannten Beispiele kommen noch dazu, und es gibt noch mehr. Dass jetzt anderen für solche Maßnahmen die Schuld in die Schuhe geschoben wird, finde angesichts dieses Bildes auch sehr fragwürdig ...

  • Also ich kann gut nachempfinden, dass dieser Kontakt Frank Festa so sehr geärgert hat, dass er ihn in den Newsletter mit aufgenommen hat. Das ist schon ein kleiner Schlag ins Gesicht. Davon unbenommen bleibt natürlich, dass der Festa-Verlag schon zahlreiche Serien wegen schlechter Verkaufszahlen abgebrochen hat.

  • Also ich kann gut nachempfinden, dass dieser Kontakt Frank Festa so sehr geärgert hat, dass er ihn in den Newsletter mit aufgenommen hat. Das ist schon ein kleiner Schlag ins Gesicht. Davon unbenommen bleibt natürlich, dass der Festa-Verlag schon zahlreiche Serien wegen schlechter Verkaufszahlen abgebrochen hat.

    Den Ärger hierbei kann ich auch gut verstehen, die geschilderte Antwort ist auch geradezu dämlich, wenn man so ein Handeln gegenüber dem Geschädigten direkt zugibt. Den Ärger dann aber ungefiltert im Newsletter rauszulassen, ist etwas unprofessionell und wird schnell als Kritik an der Festa-Kundschaft oder Leser im Allgemeinen aufgefasst.


    Als Unternehmer, der Ebooks ohne Kopierschutz anbietet, sollte Festa davon ausgehen, dass es immer schwarze Schafe gibt, die das Buch mal eben schnell kopieren, eine andere Annahme wäre sehr naiv. Natürlich ist das nicht in Ordnung, aber nicht immer ist ein Kopierer auch ein potentieller Käufer. Und das grundsätliche Problem existiert auch bei besser laufenden Reihen.

  • Motivation dürfte dabei wohl meistens Preisersparnis sein, wenn es ein Buch ist, das noch frisch auf dem Markt oder zumindest nicht vergriffen ist. Hat im Prinzip eines mit der Raubkopiererei gemeinsam: es haben mehr Leute das Buch gelesen als es verkauft worden ist.

    Sag mal, geht's noch?!


    Ich rechne dir mal was vor, falls du aus irgendeinem Paralleluniversum kommst: Ich lebe (mit z. Zt. nicht freiwillgem Halbtagsjob) von ca. € 700,-bis 800.- /Monat, davon gehen trotz Mietzuschuß vom Staat noch € 100,- für meine 19,5 m² Bude ab. Helsinki ist die 15.-teuerste Stadt der Welt. Und nein, ich ziehe nicht woanders hin.


    Es gibt Tage, an denen hab ich € 5,- zum Leben. (Zum Vergleich: ein Brot oder eine Salatgurke kosten hier je € 4,50).


    Und in dieser Situation kaufe ich ganz selten tatsächlich sogar was neu, weil auch ich Kleinverlage unterstützen will. Und ich boykottiere Big A, also kann es sein, dass ich für manche Bücher woanders ein paar € mehr zahle. Selbstverständlich kaufe ich fast alles bei Bookdepository, booklooker oder in einem Antiquariat. Mit Raubkopieren hat das absolut nix zu tun, wie kommst du denn auf so einen Quark?


    Bibliotheken nutze ich auch, und wir haben massig Phantastik. Das sind Einrichtungen, die dringend unterstützt werden müssen, damit Leute lesen können, die noch weniger Geld haben als ich.


    Also: Ja, genau: "die Motivation dürfte Preisersparnis sein". X( Ich möchte auch ab & zu mal ins Café/Pub oder einen Handwerkskurs machen, und nicht nur Bücher kaufen. Schön, dass es dir finanziell besser geht (ging es mir im mittleren Mangement auch mal), aber ich könnte ab von ein paar Einschränkungen nicht glücklicher mit meinem Leben sein.


    Da ich mal in einem Antiquariat ein Praktikum gemacht habe: Bücher, die ein paar Jahre unangetastet im Regal verstauben, oder Bücherspenden, die keine Chance auf Weiterverkauf haben, kommen in die Tonne. Und machen selbst Buchliebhaber, aber die müssen auch leben. Da finde ich sehr gut, wenn Leute auch 2nd hand kaufen.


    Ob das Festa betrifft, weiß ich nicht, aber Piraterie kann einen ganz enormen Einkommensverlust bedeuten. Ich habe dem Filmemacher Andrey Iskanov mal ziemlich extensiv bei Problemen mit deutschsprachigen Raubkopien geholfen (es ging um die Übersetzungen von Landesgesetzen), weil seine Filme als Bootlegs teils bei normalen Plattformen angeboten werden - teils unbeabsichtigt. Wenn man als Künstler oder Verleger Geld in eine Sache steckt, kann ich mir schon vorstellen, dass ab irgendwann auch radikalere Maßnahmen ergriffen werden, Bootlegs zu erschweren / verhindern.

  • Sorry, es war keine Wertung beabsichtigt, und ich wollte auch niemanden damit angreifen. Vielleicht hätte ich es präzisieren sollen.


    MMn ist es für den Umsatz aus Verlagssicht kein Unterschied, ob die Leser ihre Bücher gebraucht kaufen oder Raubkopien lesen. Das war alles, was ich gemeint hatte mit dem Vergleich. Keinesfalls wollte ich damit gebrauchte Bücher abwerten oder auf eine Stufe mit Raubkopien stellen, was Existenzgrundlage betrifft, oder gar die Verwendung von gebrauchten Büchern als Raubkopien darstellen.


    Ebenso ist natürlich klar, dass es verschiedene Gründe geben kann, beim Lesen Geld sparen zu wollen, da ist es natürlich gut, dass es die Möglichkeit gibt, Bücher gebraucht zu kaufen oder aus öffentlichen Bücherschränken zu entnehmen.


    Jeder muss für sich selbst wissen, wie man die Angebote nutzt, um sich die Freizeit optimal zu gestalten, mit dem, was man zur Verfügung hat. Ich für meinen Teil kaufe auch nicht alle Bücher neu, sondern gezielt bestimmte Titel zu bestimmten Zwecken, vergriffene Titel oder Bücher, bei denen ich nicht weiß, ob ich sie mehr als einmal lese, kaufe ich gebraucht oder als eBook. Mein monatliches Budget ist auch nicht sonderlich hoch, allerdings investiere ich wenig in andere Hobbies. Eigene Entscheidung.

  • PiercedEye Ja, auch sorry, das klang so derart zynisch, da ist mir das Blut übergekocht.


    Ich denke trotzdem, dass der Vergleich hinkt, v.a. auch, was die Berechnung des Verlages angeht. 2nd Hand-Käufer und Bibliotheksbenutzer gehören in die Gruppe der Nichtleser. Will ich ein Buch nur verbilligt kaufen oder umsonst leihen, interessiert es mich nicht genug oder ich hätte eh kein Geld, es zu kaufen. Dann bin ich eine unter Millionen Leuten, die entweder davon nix mitbekommen haben oder das eh nicht interessiert.


    Leute kaufen ja Raubkopien, teils auch gar nicht so viel billiger. Die geben Geld für ein Produkt aus, an dem jemand etwas verdient, der weder die Rechte hat noch etwas darin investierte. Dieses Produkt wurde nicht bereits vorher zum vollen Preis von irgendjemanden gekauft. Bei Bootlegs gibt es keine Erstnutzer, die dem Verlag ein Einkommen ermöglichten, sondern generieren einen Erlös, der dem Verlag (oder Filmemacher, Musiker) direkt verloren geht.