Charlotte Riddell: Das unbewohnte Haus (Privatdruck von Robert Bloch)

  • CHARLOTTE RIDDELL
    DAS UNBEWOHNTE HAUS

    Eine Geistergeschichte

    Aus dem Englischen von Manfred Petry

    In Das unbewohnte Haus verbindet Charlotte Riddell (1832-1906) meisterhaft das Unheimliche mit psychologischer Tiefe und schafft so eine fesselnde Erzählung, die die Komplexität des menschlichen Geistes erforscht. Die Geschichte spielt in einem unheimlichen, verlassenen Herrenhaus, das von Geheimnissen und dem Flüstern der Vergangenheit heimgesucht wird, und legt großen Wert auf Atmosphäre und soziale Kommentare, die die viktorianischen Ängste vor Isolation und Moral widerspiegeln. Riddells Prosa ist durchdrungen von lebendigen Bildern und komplizierten Charakterisierungen und entführt den Leser in eine beunruhigende und doch faszinierende Erkundung von Traumata und dem Übernatürlichen, während der Protagonist mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird. Charlotte Riddell, eine herausragende Persönlichkeit der viktorianischen Literatur, war für ihre scharfsinnigen Einblicke in die menschliche Psyche und die sozialen Probleme ihrer Zeit bekannt. Riddells Mischung aus Spannung und Gesellschaftskritik fesselt nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken an über die Natur von Angst, Erinnerung und die Räume, in denen wir leben. Eine zeitlose Geistergeschichte, die nichts von ihrer Faszination verloren hat!

    Limitierte Auflage von 90 Exemplaren

    Illustrierte Broschur, 183 Seiten

    Preis: Euro 20,-

    Versand (Deutschland): Euro 2,-

    Versand (EU): Euro 7,-

    DEUTSCHE ERSTAUSGABE

  • Das Buch ist nicht nur einer der längeren Privatdrucke, sondern nimmt sich anfangs auch lange Zeit. Bin jetzt bei der Hälfte und, auch wenn es vorher nicht langweilig war, hoffe ich, dass nun bald endlich das Spukhaus betreten wird.

    Hat jemand von euch schon reingelesen?

  • Die geschätzten Foristen schrieben vorher etwas von "nicht langweilig" und "nix passiert". Ich würde das nach der Lektüre dieses kurzen Romans etwas differenzieren.

    Es ist richtig, dass sich die Autorin Zeit nimmt, um ihre Personalstruktur zu erläutern. Sie tut dies – weil sie es kann. Psychologisch geschickt und mit Liebe zum Detail präsentiert sie uns die Handelnden, deren jeweilige Interessen und Motive ja zueinander passen müssen.

    Zitat

    Riddells Mischung aus Spannung und Gesellschaftskritik fesselt nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken an über die Natur von Angst, Erinnerung und die Räume, in denen wir leben

    Ich denke auch, dass Riddell großen Wert auf die von den Herausgebern angesprochene Gesellschaftskritik legt. Dies mag dem oder der im Weg stehen, welche – möglichst rasch – in den puren Genuss einer Geistergeschichte kommen möchten.

    Zwar nimmt das übernatürliche Element eine entscheidende Rolle ein, kommt aber verhältnismäßig dezent zur Geltung. Riddell fehlt die unerbittliche Boshaftigkeit eines M. R. James. Auch versteigt sie sich nicht zu den esoterischen Spekulationen eines Algernon Blackwood. Im Vorwort wird sie "neben Sheridan Le Fanu als beste britische Autorin von Gespenstergeschichten in ihrer Zeit" beschrieben. Vielleicht gelingt ihr im Gegensatz zu diesem nicht ganz der Eindruck von Furcht und Beklemmung. — Jedenfalls hat ihre Geistererscheinung einen typisch aufklärenden Charakter. Sie löst damit das sorgfältig aufgebaute Rätsel, ohne freilich einem simplen Rachebedürfnis oder naiven Wunsch nach Happy End nachzukommen.

    Gewiss, es gibt dieses freudige Ende — aber eben nicht ohne die Gewissheit, dass alle Beteiligten die eine oder andere Blessur davongetragen haben …

    Schließlich und vor allem: Mrs. Riddell hat Humor, und gerade diese Eigenschaft sollte uns das Buch liebhaben lassen. Natürlich spreche ich nicht von einer lustigen Gespenstergeschichte (eine Gattung, die ich selbst nicht mag). Nein, es ist die anspielungsreiche, spöttische Art, mit der sie ihre Figuren beschreibt und ihnen Leben einhaucht.

    Nur eines ärgert mich: dass ich nie erfahren werde, WAS dem Oberst Morris damals am Kap der Guten Hoffnung widerfahren ist. Ich werde noch wahnsinnig, wenn ich ständig daran denke!

    Fünf von fünf Daumen (auch und wieder einmal für die gelungene Übersetzung).

    :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup: :thumbup:

  • Lieber Axel,

    deine Worte sind wieder Balsam für meine Seele.

    Ich hatte beim Übersetzen auch großes Vergnügen bei der Beschreibung der guten Mrs Blake.

    Und da es nun einmal ein viktorianischer Gespensterroman ist, darf man auch nicht erwarten, dass es dort sofort zur Sache geht.

    [skul] Dance to the beat of the living dead [skul]

  • Ich bin noch immer der Meinung, dass sich die Geschichte insgesamt etwas zu viel Zeit nimmt. Aber: Als ich meinen obigen Kommentar geschrieben habe, war ich nicht nur mit der Hälfte durch, sondern stand im Grunde auch am Ende des ersten, so aber nicht ausgewiesenen Teils. Dieser erste Teil ist in erster Linie ein Gesellschaftsroman. Das Gespensterhaus, über das nur gesprochen, das aber von der Hauptfigur nicht betreten wird, hat hier vor allem die Funktion, den besonderen (schrulligen) Charakter der Besitzerin offenzulegen, und das gelingt wirklich wunderbar. Der zweite Teil führt die Hauptfigur in das Gespensterhaus herein, indem die Hauptfigur, die im Grunde als Detektiv fungiert, das Rätsel eben dieses Hauses aufzudecken. Aller Geistererscheinungen zum Trotz gelingt dies wenig gruselig, aber das braucht es auch gar nicht, denn von der Struktur und auch vom Ende her gesehen, liegt eigentlich ein Kriminalfall vor. Dadurch ist „Das unbewohnte Haus“ für mich ein Paradebeispiel für Erzählungen aus einer Zeit, in der die Genres noch viel leichter ineinander verschwimmen konnten, weil die Grenzen noch nicht so starr aufgebaut waren. Auch wenn ich etwas anderes erwartet habe, mir hat es gut gefallen, so gut sogar, dass ich gerne mehr von der Autorin lesen würde.

  • Auch wenn ich etwas anderes erwartet habe, mir hat es gut gefallen, so gut sogar, dass ich gerne mehr von der Autorin lesen würde.

    Dem kann ich mich anschließen. Es ist eh verwunderlich, dass vergleichsweise wenig von der Autorin auf Deutsch erschienen ist (die ja im "Lexikon der phantastischen Literatur" genannt wird).

    Zur Aussage, dass es sich bei dem Rätsel um das Haus um einen Kriminalfall handelt: Das ist allerdings auffällig. Gerade dieser Umstand rechtfertigt aber den ausführlichen 1. Teil, in dem die Handelnden mit ihren Beziehungen und Motivationen so eingehend untersucht werden. Auch die Darstellung der Geschäftsverhältnisse (vor allem die des verstorbenen Mr. Elmsdale) sind ja in dem Zusammenhang wichtig.

  • Ich habe noch etliche Erzählungen von Mrs Riddell übersetzt, aber im Moment weiß ich noch nicht, was ich damit anstellen werde. Ich wollte davor ja noch Amelia Edwards und Erckmann Chatrian rausbringen, aber irgendwie kriege ich derzeit nichts gebacken.

    [skul] Dance to the beat of the living dead [skul]