Richard Blake: Hexagon Bridge (Image Comics 2023 / Cross Cult 2024)

  • Hexagon Bridge

    Story, Text & Bilder: Richard Blake

    Image Comics 2023 & 2024

    Auf Deutsch bei Cross Cult

    Miniseries 1-5 und Sammelband (This collected edition contains a cover gallery and an extensive selection of concept art, storyboards, and character designs.)

    Plot: After explorers Jacob and Elena Armlen find themselves trapped in a strange parallel dimension, their clairvoyant daughter Adley and sentient robot Staden embark on a dangerous mission to rescue them. Pushing onward, they encounter mischievous beings amidst uncanny shifting landscapes and discover a world beyond belief.

    Verlagsseite Original

    Verlagsseite Deutsch

    Ich Dystopie-Tante sitze an einem Essay zu "Utopie und Architektur" und beim Quellensuchen stieß ich auf dieses relativ neue Werk. Image Comics mal wieder! Sind bei mir nach Junk Rabbit ohnehin an oberste Stelle gerückt.

    Während mich der Plot an sich nicht so vom Hocker reißt, nimmt Blake aber das Thema "Dekonstruktion" wirklich wörtlich, und hat auch abgesehen davon eine Vorstellung und Darstellung von Raum, die mich ganz extrem fasziniert und restlos begeistert. Wenn SF tatsächlich neue Sichten auf neue Welten bedeuten soll, löst diese Graphic Novel das auf jeden Fall voll ein. Das sieht insgesamt sehr frisch aus, sehr selbstbewusst und individuell.

    Mir hat es jemand im Comic Shop weggeschnappt (das eine Exemplar wurde von gleich mehreren Interessierten reserviert, da kommt dann Nachschub) und ich warte solange auf eines der vier Bibliotheksexemplare, das hoffentlich pünktlich abgegeben wird, denn bislang hab ich nur ausschnittweise online 'blättern' können.

    Werde auf jeden Fall berichten und freue mich schon riesig, das auch physisch in der Hand zu halten, denn Image Comics haben ja einen enorm schönen Druck bzw. Farben.

  • Wird häufig mit den "Geheimnisvollen Städten" verglichen.

    Hallo Felix,

    ach, das ist ja interessant, hätte ich nicht erwartet. Davon hatte ich auch schon welche in der Bibliothek angeschaut, aber da sprang bei mir kein Funke über. Ich fand die Themen, die Figuren und die Erzählweise ziemlich altbacken und irgendwie das Verhältnis von Figuren im Raum (v. a. eben bei Stadtbildern / Hochhäusern / Gebäudeinnerem) seltsam - als hätte man die Leute auf den Hintergrund gecopypastet. Die Raumkonzepte sind imA echt schauderhaft. Und dauernd triggerten die Bilder etwas: Metropolis, Escher, Druillet, Tietäväinen, Bilal ... Ein paar Details stammten direkt aus dem Inkal.

    Falls du sie gelesen hast: Ist auch eher magischer Realismus als SF, oder irre ich mich da? (Falls ich mich irre, könnte ich für das Essay - quasi an meinem eigenen Geschmack vorbei - einen neuen Blick reinwerfen.)

    3 Mal editiert, zuletzt von Katla (23. März 2025 um 06:41)

  • Ich kann den "Geheimnisvollen Städten" einiges abgewinnen, sowohl dem Zeichenstil als auch den phantastsichen Ideen, die ziemlich konsequent ausgearbeitet und auserzählt werden. Erzählerisch sind die Bände aber nicht herausragend und rehct gleichförmig, weshalb ich sie eher mit größerem Abstand zueinander lese. Und du hast recht, ist eher magischer Realismus als SF, wobei das Phantastische/Magische mal deutlicher mal weniger deutlich in den Fokus rückt. "Der Turm" zum Beispiel steht auch mit einem Fuß in der Fantasy, würde ich sagen, wenn auch nicht in einer tolkienhaften oder questhaften Spielart.

    Die triggerenden Referenzen, die du nennst, stören mich vielleicht einfach nicht, weil ich sie nicht alle kenne.

  • Oh sorry, lieber Felix , ich gehe wohl doch viel übers Getaggt-werden.

    Das ist gut zu wissen, danke sehr, dann werde ich die "Städte" mit gutem Gewissen übergehen. Kann auch manchmal nicht den Finger drauflegen, warum Sachen bei mir zünden und warum nicht. Immer wieder schön, verschiedene Eindrücke / Ansichten zu bekommen.

    Mein Comic-Händler hat grad gemailt, dass der Band bei ihm abgeholt werden kann, das ging sensationell schnell und ich bin sehr aufgehypt. Auch noch zeitlich toll für mein Essay. Werde berichten ...

  • #Katla Kein Problem"! Dann besorge ich mir den Band auch. Ich bin demnächst viel beruflich in Berlin (An dieser Stelle zwinkere ich dir sehr deutlich zu), wodurch ich die Abende eher allein in Hotelzimmern statt im familiären Trubel verbringe. Mein Ziel: Lesen.

  • Fein, dann bin ich sehr gespannt, was du dazu sagst. [Cof]

    Ist das mit Berlin längerfristig, also mehr so ein Jahr? Ich schreib dir mal ne PM, sonst sind meine Erläuterungen zu lang für ein OT. Bei diesem Besuch schaffe ich leider, leider keine Extratreffen, aber klar würde ich dich sehr gern mal treffen!

    [Nur kleiner Tipp, und danke!: Anders als bei manchen SoMe geht das Taggen hier übers @ ...]

  • Ich bin erstmal nur das Sommersmester in Berlin. Wie es dann weiter geht, wird sich zeigen.

    [Nur kleiner Tipp, und danke!: Anders als bei manchen SoMe geht das Taggen hier übers @ ...]

    Danke, das weiß ich eigentlich. Nur meine Finger wollten sich wohl nicht daran erinnern.

  • Ich bin durch und von dem schmalen Band wirklich absolut verzaubert. Ja, klingt kitschig, aber das löst eben ein sehr starkes sense of wonder aus, und ist einfach ungeheuer selbstsicher und stringent aufgezogen, mit einer irren Phantasie und ganz vor allem einem absolut faszinierenden, genialen Raumverständnis - und das meine ich auch auf Mehrdimensionalität bezogen. Auch die Texte sind absolut toll, prägnant, mit leisem Witz, nie pathetisch-kitischig-schmalzig, aber sehr 'warm'.

    Extrem schönes Figurenkonzept, wobei alle - das sensible 'psychic' Mädchen eingeschlossen - sehr intelligent und vor allem vernünftig re/agieren. Es ist Platz für Spontanität und Zweifel, Wünsche, Ängste, aber sie sind eben angenehm klar, Ich hab dabei nie den Eindruck, die Figuren würden mir schleimig aufgedrängt.

    Der Plot ist eigentlich wirklich wie oben beschrieben. Im Grunde ist das Konzept ähnlich wie in Harlan Ellisons "I Have No Mouth and I Must Scream": es ist eine multidimensionale Welt, die von AIs entworfen und gebaut wurde, und auch von einigen 'überlebenden' AIs bevölkert und damit eben auch geändert wird. Allerdings fehlt hier der bösartige, rachesüchtige Aspekt, der ja bei Ellison so wichtig ist. Dennoch - wenn ich es richtig sehe, kann dieser 5er-Sammelband eigentlich nicht das Ende sein und dann könnte man sich auch einige spannende Twists denken, die in diesem Band imA vorbereitet wurden.

    Zum Raumkonzept (das sind jetzt auch nicht wirklich Spoiler): Die titelgebende Hexagon Bridge ist eine Art naviergierbarer, kartographierter Korridor, allerdings weniger ein schlichtes Portal, denn bereits eine (oder besser: unzählige) Welten selbst. Von diesen Korridoren gibt es viele, allerdings sind nicht alle für physische Wesen begehbar.

    Es gibt sowohl im Korridor (oder Brücke) als auch dahinter Welten, die semistabil sind und dann aber auch teils von AIs geschaffene / veränderte bzw. selbstständig nach eignenen Gesetzen funktionierende Korridore und Welten, die extrem instabil sind, also in ständigem Flux begriffen. Verlässt man die Brücken/Welten nicht rechtzeitig, würde man zusammen mit ihnen aufgelöst und umgebaut. Daher eben auch die vielen Bilder, die aussehen als wäre die Gravitation teilweise ausgesetzt. Auch können Übergänge zusammenbrechen und damit einen Rückweg in die Heimatwelt / an den Ausgangspunkt unmöglich machen.

    Sowohl die Konzepte der Dimensionsreisen als auch die der - quasi dekonstruierten - Welten sind imA ungeheuer gut durchdacht, und alles wirkt tatsächlich wie SF, nicht wie gut getarnte Magie. Die Bilder und die Geschichte sind sehr erwachsen, aber ohne Zynismus, und es gibt kleine Gimmicks, die mich auch voll gekriegt haben, z.B. der synthetische Koala, der sich dem 'Helden' anschließt.

    Sehr cool auch, dass hier Bio-Menschen und synthetische, AI-gestützte und sich selbst als Individuum vollkommen bewusste Humaniode völlig gleichberechtigt sind, das ist eine interessante Hierarchielosigkeit, die mir sehr gut gefällt.

    Meine zwei kleinen Kritikpunkte sind, dass zwar der Aufbau und das Pacing perfekt sind, da wird sich für alles genug Zeit genommen und ist dennoch immer spannend - aber das Ende kommt total hopplahopp und löst vielleicht trotz gutem Twist einige Dinge zu schnell. Andererseits wurden einige Fäden gesponnen, die ich gern verfolgt gesehen hätte, von denen ich dachte, es wäre Foreshadowing (auch im Sinne von 'Verrat'. 'Täuschung' und 'Gefahr'). Also der Band beeinhaltet irre viel an Ideen und Konzepten, die gern das Ende hätten hinauszögern können.

    Das andere sind die Farben, die sehr pudrig-matt gerieten und mir von allen Reviews / Vorstellungen her anders aussahen. Bin zwar kein Fan von stark-bunt, aber hier schreien die Bilder geradezu nach etwas mehr Kontrast und Sättigung, Farbigkeit (denn die Bilder haben Farben, auch toll differenziert, schattiert ...). Wäre mein Comichändler nicht einer von den ganz Guten, jenseits des Rentenalters und von einem Schlaganfall (?) stark in Mitleidenschaft gezogen, hätte ich fast an ein Bootleg gedacht, aber das schließe ich echt aus. Bin mal gespannt, ob der Band aus der Bibliothek, der noch bestellt ist, genauso aussieht.

    Sollte es da einen Unterschied zum Hardcover geben, würde ich mir das auch noch bestellen.

    Image Comics hat damit imA echt einen Zaubervogel abgeschossen (mixing my metaphors here :D), jedenfalls scheint mir - abgesehen von den auch drucktechnisch alles überragenden französischen Graphic Novels - die wirkliche Innovation zu liegen, was Geschichten, Figurenkonzepte und Ideen im Comic-Bereich angeht.

    Bis auf das etwas abrupte Ende eine der besten Graphic Novels, die ich je in der Hand hatte. Darin werde ich noch einige Male schmökern. Allerfetteste Empfehlung!

    Nur meine Finger wollten sich wohl nicht daran erinnern.

    [Gh2] Kenn ich!

    15 Mal editiert, zuletzt von Katla (1. April 2025 um 11:03)

  • Gerade im Zug beendet und ich teile deine Euphorie ... fast. Denn mir gefällt eigentlich alles, genau so wie du es (be)schreibst. Nur stört mich, dass der Band eigentlich nur ein Prolog ist bzw. eine Art Origin Story. Eigentlich geht es ja jetzt erst los. Deshalb auch das hopplahopp zum Schluss, dass eben kein Ende und Ziel, sondern ein Anfang ist. Das würde mich weniger stören, gäb es die nächsten x Teile schon. So bleibt mir alles etwas zu unfertig, auch wenn der Weg dahin wirklich toll ist.

    Weil du die Farben ansprichst. Ich habe mir die deutschsprachige Ausgabe von Cross Cult besorgt. Ein schön gemachtes, wertiges Hardcover, das gerne ein bisschen großformatiger hätte sein dürfen, damit die Bilder noch besser zur Geltung kommen. Das Farbkonzept ließe sich auch dabei als „pudrig-matt“ beschreiben. Gefällt mir in diesem Fall aber gut.

    Sowieso ist der Comic einfach visuell ziemlich großartig. Allein dadurch, dass immer wieder Retro-Gegenwartsrealität in dieser abgedrehten Welt platziert ist und dabei wirkt, als könnte es gar nicht anders sein als genau so. Ich freue mich echt auf die erneute Lektüre, wenn die nächsten Bände erscheinen. Da muss doch echt noch etwas kommen! Bitte bald, bitte genau so schön und erzählerisch gerne noch etwas komplexer und runder.

  • Ein schön gemachtes, wertiges Hardcover, das gerne ein bisschen großformatiger hätte sein dürfen, damit die Bilder noch besser zur Geltung kommen.

    Ach, wie toll, dass es dir auch gefällt!

    Ja, gegen ein klein bisschen größer hätte ich auch gar nix gehabt (meins ist 17 x 26 cm). Andererseits ist das vom Handling her ideal und entspricht eben auch dem Heftformat. Und die Kleinteiligkeit lädt auch wieder zum genauer Hinschauen ein (bei mir jedenfalls).

    Da muss doch echt noch etwas kommen!

    Ja! Das hoffe ich auch. Der Autor/Zeichner hat ein insta-Profil, dort sind aber aktuell nur andere Sachen. (Auch sehr tolle, allerdings. Teils Dark / SF Fantasy.)

    Es sind so viele Hinweise gestreut, die eigentlich einen anderen Twist erwarten ließen - allein diese sehr deutliche Sache mit dem frischen Röstkaffee. Das war doch eigentlich eine sehr zwielichtige Figur, oder? Hier hätte ich erwartet, dass da etwas passiert: es ist eine Falle auch für die Tochter, das Ende ist eigentlich eine Simulation gemäß ihrer Wünsche & Erwartungen und eigentlich ist es aber XY ... Oder?

    Eigentlich finde ich trotz des ziemlich gradlinigen Plots, dass die Geschichte extrem vielschichtig ist, sie wird imA vor allem über Implikationen erzählt: Wer sind wir, was macht uns aus? Was macht aus, dass wir uns 'in der Welt' fühlen und ist es egal, welche das ist? Was macht uns als Individuen und als Teil einer sozialen Einheit aus? Ich denke, dass ein Großteil der Geschichte im Kopf des Lesers aktiv miterzählt werden muss. Aber ja: selbst unter der Prämisse sind da noch Pfade, die beschritten werden könnten oder sollten.

    Mir gefällt übrigens auch, dass es einen Zeitsprung gibt, weil es wunderbar die Komplexität von Intelligenz zeigt (nicht so hollywoodmäßig: Wir bauen mal in Nullkommanix eine sentinent AI, die Metaverses navigieren kann ...).

    Irgendwie hat mir der Band gerade richtig List auf einen Re-Read von Andreas' Capricorn gemacht ... Kennst du die Reihe, Katla?

    Ah nee, die kannte ich nicht. :* Ich bin nicht so ein Riesenfan von abstrakten Gesichtern, aber das ist schon cool gemacht. Danke!

  • EDIT: Ich Dussel, Felix hatte das ja bereits eingangs geschrieben - mein Kopf! [LiZ] (Ich hatte mich sofort auf den anderen Tipp gestürzt und das offensichtlich vergessen.)

    Jedenfalls ist mir bei einer anderen Suche nun selbst noch mal aufgefallen, dass es dieses wunderbare Werk auch seit vergagenem Jahr auf Deutsch gibt, unter dem Originaltitel und mit dem Originalcover bei Cross Cult Comics.

    Hier ist die Verlagsseite mit Bestellmöglichkeiten (Hardcover & eBooks). Ich aktualisiere auch gleich mal den OP.

    <3

  • Katla 8. Juni 2025 um 19:42

    Hat den Titel des Themas von „Richard Blake: Hexagon Bridge (Image Comics 2023)“ zu „Richard Blake: Hexagon Bridge (Image Comics 2023 / Cross Cult 2024)“ geändert.