Thea von Harbou - Metropolis

  • Ich habe die beiden Marias als zwei Seiten einer Person gesehen. Hier die unschuldige, liebliche Frau, dort die kalte, maschinenintelligente und böse Version, die zerstören will. Das Hel in Maria auferstanden ist, habe ich auch so gesehen. Futura wird ja ganz nach diesem Vorbild von Rotwang erschaffen. Rotwang ist sowas wie der Teufel.

    Und das Freder sich in die Mutter bzw. in deren Bildnis verliebt, die er ja gar nicht kennt, das habe ich auch so rausgelesen.

  • Okay, lieben Dank, dann hatte ich keinen Knick in der Optik. :) Diese ganzen Konnotationen und Symboliken hab ich auch so gesehen, aber da sind ja noch faktisch handelnde Figuren, also konkret physisch anwesend. Und da müssten sich doch eigentlich die anderen beiteilgten Figuren anders zu Futura / Maria oder Hel verhalten, denn sie wissen ja quasi nicht, dass sie Figuren in diesem Konzept sind. Und daher einfach mal ein paar extrem zentrale / wichtige Dinge als gegeben nehmen müssen, ohne sie zu hinterfragen (eben auch physisch-konkrete Dinge, abgesehen von der Symbolik, die ja auf Ebene der Autorin, nicht auf der der Figuren / Erzählung liegt). Sie reagieren auch darauf, aber gar nicht so, wie es irgendwie logisch wäre.

    Hatte aber auch schon die Idee, dass von Harbou eine Reihe Konzepte aufgestellt hat, und die im Roman verteilt hat - teils konsequent, und teils eben total widersprüchlich zu ihrem eigenen Set-Up, nur, damit sie ein Bild so schreiben kann, wie sie es von der Symbolik her eben will. Also eine Extremform von reim dich oder ich schlag dich.

    Im Film war das - glaube ich, nicht so arg mehr in Erinnerung - anders, oder? Hat nicht jemand die lebende Maria in dem Roboter eingegesperrt und damit ferngesteuert, also ein bionisches Cyber-Konzept? Und dann wurde Maria am Ende wieder als Mensch befreit und fleischlich? Mag mich irren. Das wäre aber sehr viel logischer beim gleichen Konzept / Plot / Gegensatz.

    Mir fielen übrigens extrem starke Parallelen zu Neon Genesis Evangelion auf. Und wenn es 2001 in Japan eine Metropolis Verfilmung gab, kam das sicher nicht aus dem Nichts, sondern dann wurde der deutsche Film dort sicher schon vorher rezipiert.

    Angefangen bei dem sensibel-empathischen Jungen Shinji (widerstrebender Pilot von UNIT-01) und seinem extrem kalten Vater, Gendo Ikari, in dieser gottähnlichen, eiskalten Leitungsfunktion, der Herr über etwas Maschinenähnliches ist: Die EVAs sind zwar Mechas, also versklavte Lebewesen in einem Rüstungskäfig, aber sie sehen aus wie Roboter, benötigen Elektrik und werden von menschlichen Kids gesteuert.

    Shinji und sein Vater haben ein sehr schwieriges Verhältnis, der Vater traut dem Sohn nichts zu, stößt ihn ständig weg, zieht sich in den 'Turm' - das Militärlabor der Organisation NERV - zurück. Er scheint Shinjis Empathie zu verachten und legt ihm unmögliche Prüfungen auf.

    Shinjis Mutter Yui ist ebenfalls früh gestorben und wie ein Geist anwesend, zudem wiederauferstanden in der mysteriösen Pilotin von Test-UNIT-00, Rei Ayanami, die sich auch als Automat herausstellt (oder irgendwann zu einem wird). Ihr eigentlicher Name war Petit Eva, was eine Mecha-Symbiose nahelegt. Shinji liebt Rei erotisch (es gibt ebenso keinen Sex in der Serie), hier die gleiche seltsame, inzestuöse Doppelung. Yui und Rei haben gewisse Ähnlichkeiten, ob es hier für eine echte Doppleung reicht, kann ich schwer sagen, weil ich Anime-Gesichter insgesamt recht ähnlich finde - zumindest bei gleicher Mimik, Statur und Frisur (was hier gegeben wäre).

    Gendo hat ein semi-erotisches Verhältnis zu Rei (zumindest später in ihrer Cyborgform, die er wohl auch konstruierte), und ist damit ein Konkurrent zu seinem Sohn Shinji - wenn man Maria und Hel als eine Person nimmt, ist das auch hier ähnlich.

    Yuis Seele war vor der Erzählzeit magisch mit ihrem Mecha verschmolzen, und soweit ich mich erinnere, ist später ihr Doppel Rei die Pilotin genau dieses Robo-Wesens.

    Auch ist Rei asexuell und in Grautönen gekleidet, während die sexy selbstbewusste Asuka (Pilotin von UNIT-02) wie ihr Mecha Rot trägt. Es gibt Tod und Wiederauferstehung auch im religiösen, nicht so sehr magischen oder SF-Sinne.

    Die Mechas / EVAs haben einen 'berserk' Modus, wenn ihre Piloten - und sie selbst - extrem wütend werden, und können im Overkill zerstören, auch benötigen sie in diesem Modus auf magische Weise keine Energie von außen. Das ist ein ähnliches Bild wie die befreiten Maschinen in Metropolis, und es ist ähnlich gefährlich für sie selbst.

    Tokyo-3 in Rebuilt bewegt sich ähnlich, nämlich können die Häuser in die Erde gefahren werden (was bei von Harbou diese Tänze / Umdrehungen auf den Fundamenten wären).

    Auch die Traumszenen mit Rei und Yui (Shinjis toter / Geistermutter) drehen sich um Vergebung und es gibt explizit einen semi-spekuativen Brief, der Vergebung bringt, wie bei Hel / Fredersen.

    Ich mag manchmal ein bisschen wilde Verbindungen ziehen, aber ist mir bissl viel für einen Zufall. Da könnte man noch viel mehr raussuchen, die Kreuzigung, Heiligenscheine der EVAs unter bestimmten Konditionen, das Babel/Erlösungs-Schema, die Lilith / Yui Gegensätze oder die bösen Alien-Engel, die die Städte bzw. auch mal die Welt zerstören - die dann von der jüngeren Generation wiederaufgebaut werden muss. Das ist im Buch wie in der Serie auch eine direkte Anweisung des Vaters an den Sohn.

    Das finde ich schon sehr spannend. Mal gucken, ob es genau dazu Sekundärliteratur gibt.

    11 Mal editiert, zuletzt von Katla (3. Februar 2025 um 11:04)

  • Gestern und heute habe ich die ersten drei Kapitel gelesen und befürchte, dass ich nicht der Richtige bin, etwas zu dem Roman zuschreiben. Zumindest nicht zu dem Roman als eigenständiges Werk. Denn auch wenn es rund 10 Jahre her sein mag, dass ich in einer Stummfilmphase Metropolis zwei- oder dreimal als Film geschaut habe, beschwört der Roman bei mir die ganze Zeit über Bilder aus dem Film. Dabei merke ich, dass ich beim Lesen gedanklich stärker in einen Abgleich verfalle, als dass ich den Roman einfach so lesen würde. Ich muss mal schauen, wie sich das auf Dauer entwickelt. Ich hoffe nur, dass es mich nicht dauerhaft stört.

    Deshalb habe ich die Lektüre für heute unterbrochen und das Nachwort von Rottensteiner gelesen, dass meiner Ausgabe aus dem Milena Verlag (auch schon wieder rund ein Jahrzehnt ungelesen in meinem Regal) beigefügt ist. Dort geht er viel auf die sehr unterschiedliche Rezeption des Romans und auf Werke ein, die mehr oder minder Einfluss darauf gehabt haben mögen. Die Schattenseiten der Vita von Thea von Harbou werden aber weder in diesem Nachwort noch in der biographischen Notiz am Anfang (viel) Platz eingeräumt. Für meinen Geschmack ist das viel zu wenig, haben wir es doch meines Wissens mit einer strammen, linientreuen Nationalsozialistin zu tun. Oder bin ich falsch informiert? Wie geht eure neuere Ausgabe damit um?

  • Sonderlich aufschlussreich ist die Dieter von Reeken Ausgabe da nicht.

    Ich habe dieses hier gefunden:

    Thea von Harbou | filmportal.de

    Thea von Harbou blieb im nunmehr nationalsozialistischen Deutschland, wo sie bis 1939 mit dem indischen Wissenschaftler Ayi Tendulkar liiert war. Sie versuchte sich im Regiefach, doch ihre beiden Filme "Elisabeth und der Narr" (1933), sowie "Hanneles Himmelfahrt" (1934) floppten bei Publikum und Kritik. Ihr drittes Regie-Projekt, "Karussell Berlin", wurde daraufhin aufgegeben. Sie blieb jedoch in der NS-Zeit vielbeschäftigt als Drehbuchschreiberin, war Vorsitzende des Verbandes Deutscher Tonfilmautoren und verfasste unter anderem das Buch zu Veit Harlans "Der Herrscher" (1937), der von Goebbels mit dem Höchstprädikat "Nationaler Filmpreis" ausgezeichnet wurde. Ab 1940 war Thea von Harbou Mitglied der NSDAP.

    Bei Kriegsende wurde die Wahlberlinerin kurzzeitig von den britischen Besatzungsbehörden interniert. Im Anschluss arbeitete sie in einer Fabrik und als "Trümmerfrau", verfasste dann Ende der 40er Jahre Synchronbücher für die Deutsche London Film, wie zum Beispiel für "Der dritte Mann" (1949) von Carol Reed.

    Sowie dieses hier:

    Visionäre Frau des Stummfilms – Das zwiespältige Leben der Thea von Harbou. | Jürgen Bräunlein

    Noch vor der Machtübernahme durch Hitler haben sich die Eheleute auch politisch voneinander entfremdet. Thea von Harbou tritt der NSDAP bei. Nationalismus und soziales Engagement – ihre zwei wichtigsten gesellschaftspolitische Anliegen – glaubt sie bei den Nazis gut vertreten. Fritz Lang ist sich längere Zeit unschlüssig, wie er sich verhalten soll, bis er schließlich im Juli 1933 emigriert. Das Paar ist mittlerweile geschieden. Nach einer Zwischenstation in Paris, lässt sich Fritz Lang in Kalifornien nieder.

    Thea von Harbou setzt ihre Karriere im Dritten Reich bruchlos fort. Sie schreibt Drehbücher für Heinz Rühmann und Wolfgang Liebeneiner. Aber auch für Veit Harlan, dem Regisseur des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süss“. Die Filme, die jetzt entstehen, sind kommerzielle Dutzendware ohne künstlerischen Anspruch. Thea von Harbou passt sich ideologisch an, schreibt etwa Drehbücher, in denen Leitfiguren angehimmelt werden, ist aber niemals an einem reinen Propagandafilm beteiligt – ganz im Gegensatz zu Leni Riefenstahl, neben der Harbou die erfolgreichste Filmschaffende unter Hitler.

    „Thea glaubte alles, was die Nazis versprachen“,

    sagte Fritz Lang später, äußerte sich ansonsten aber nie mehr über seine Frau. Der Regisseur Arthur Maria Rabenalt urteilt:

    „Thea von Harbou war weniger ein politischer als ein kinematographischer Mensch. Das ist eine eigene Spezies. Sie hat den scharfen, bildbesessenen Blick, der sich verengt auf Einstellungen, der sich weitet zu Panoramen, Schwenks, Totalen, ein Blick, der die optischen Perspektiven erkennt, nicht jedoch immer die geistigen und die tieferen Gründe. Er besitzt selten einen politischen Über-Blick.“

    Während des Dritten Reiches meldet sich Thea von Harbou politisch nicht zu Wort, auch ist sie auf öffentlichen Veranstaltungen nicht mehr so präsent. Nach dem Krieg kommt sie in Internierungshaft. Sie wird als unverbesserliche „Nazisse“ abgestraft, während Fritz Lang als guter Demokrat glorifiziert wird. Beide Urteile sind in ihrer Überspitzung falsch.

  • Ich bin selbst überrascht, dass Thea von Harbous Rolle während der NS-Zeit bisher nicht angesprochen wurde, denn sie war keine Mitläuferin der Nazis. Sie war vielmehr aktive Täterin und in folgenden NS-Organisationen Mitglied: Reichsschaft Film, Reichsschrifttumskammer, NS-Frauenschaft, Deutschen Arbeitsfront, NS-Volkswohlfahrt und NSDAP. Mehrfach hat sie mit dem Filmregisseur Veit Harlan kooperiert und zum Beispiel an dessen antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß" und an dessen Durchhaltefilm "Kolberg" mitgearbeitet. Und was den Roman "Metropolis" anbelangt, schrieb Herbert W. Franke: "Die Geschichte von der Aussöhnung von Arbeitern und Arbeitgebern durch einen "Mittler" war ein Thema, das Hitler und Goebbels aufgegriffen haben, ein Umstand, der bis heute die Geschichte in die Nähe des Nationalsozialismus rückt."

  • Ich bin selbst überrascht, dass Thea von Harbous Rolle während der NS-Zeit bisher nicht angesprochen wurde, denn sie war keine Mitläuferin der Nazis. Sie war vielmehr aktive Täterin und in folgenden NS-Organisationen Mitglied: Reichsschaft Film, Reichsschrifttumskammer, NS-Frauenschaft, Deutschen Arbeitsfront, NS-Volkswohlfahrt und NSDAP.

    So wie ich den Thread auffasste, ging er ja – erst einmal – um den Roman Metropolis, – und nicht um eine allgemeine Darstellung von Thea v. Harbou, ihrer Verdienste und Verfehlungen.

    Und was den Roman "Metropolis" anbelangt, schrieb Herbert W. Franke: "Die Geschichte von der Aussöhnung von Arbeitern und Arbeitgebern durch einen "Mittler" war ein Thema, das Hitler und Goebbels aufgegriffen haben, ein Umstand, der bis heute die Geschichte in die Nähe des Nationalsozialismus rückt."

    Gedanken und Urteile dieser Art mögen schlüssig erscheinen – in der Retrospektive. Hier müsste man aber doch die zeitgenössische Rezeption genauer untersuchen und schauen, ob und wie der Film nach Erscheinen politisch vereinnahmt wurde (was "bis heute" impliziert).

    Der Vollständigkeit halber sei jedenfalls noch einmal das Vorwort der Autorin zu ihrem Roman erwähnt:

    Zitat

    Dieses Buch ist kein Gegenwartsbild. Dieses Buch spiel nirdgendwo. Dieses Buch dient keiner Tendenz, keiner Klasse, keiner Partei. Dieses Buch ist ein Geschehen, das sich um eine Erkenntnis rankt: Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein."

    In Cthulhu Libria Neo. Der expressionistische Film wurde 2017 mein Text über Thea v. Harbou veröffentlicht (S. 21 – 26). Ich habe mich damals um eine umfassende Darstellung bemüht („Er war stets bemüht" …), in der ich auch ihr politisches Engagement benenne:

    Zitat

    Auch Thea von Harbou beurteilt die Lage [nach d. Machtergreifung]. Ihre Chance auf einen Neuanfang sieht sie jedoch gerade darin, sich mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Nationales Bewusstsein muss sie durchaus nicht heucheln. Und dank ihrer Geschäftstüchtigkeit wird sie – nach erneuten anfänglichen Zensurdebatten – bald zu einer festen Instanz des NS-Filmbetriebs.

    Den diversen Einzelbetrachtungen (Ein früher Tod – Karl May – Die junge Schriftstellerin – Auf dem Weg zur Drehbuchautorin – Das indische Grabmal – Fritz Lang – Deutschland 1933 – Nach 1945 – Die Masken des Todes – Die Nibelungen – Metropolis) schickte ich damals meinen Eindruck von ihrer Person und ihrem Schaffen voraus. Es ging mir vor allem auch darum, ihren Geschäftssinn und ihre Anpassungsfähigkeit – unabhängig von ästhetischen und politischen Gesichtspunkten – zu markieren:

    Zitat

    Als Künstlerin stellte sich Thea von Harbou in den Dienst großer und größenwahnsinniger Ideen. Als professionelle Schreiberin bediente sie die Anforderungen des Marktes. So liegt ihre Leistung in einem untrüglichen Gespür für Trends und Schwingungen eines Jahrhunderts, das sie aktiv miterlebt und mitgestaltet hat – und an dessen Erfolgen und Niederlagen sie gleichermaßen beteiligt gewesen ist.

  • So wie ich den Thread auffasste, ging er ja – erst einmal – um den Roman Metropolis, – und nicht um eine allgemeine Darstellung von Thea v. Harbou, ihrer Verdienste und Verfehlungen.

    So habe ich den Faden auch verstanden.

    Probleme habe ich dabei nur mit den extrem christlichen Passagen (relevant eher in der zweiten Hälfte), die natürlich sehr gut zum Faschismus passten, umso weniger zur SF.

    Aus dem Grund hatte ich mir online angeschaut, wo sie so stand und war dennoch baff erstaunt, dass sie in so starke Nähe zum Regime gerückt wird (oder dort stand). Ich kann in dem Buch - außer der Religion - gar nichts finden, das eine nazistische Haltung unterstützte:

    - Maria ist und bleibt unverheiratet und ich hatte die Befreiung der Kinder weniger als ein Übermutter-Motiv gelesen, denn als Rettung der jüngsten Generation, als expressionistisches Bild.

    - Freder ist extrem emotional und spontan, getrieben von irrationalen Gefühlen und er lehnt sich gegen den Vater und damit Authorität / Tradition auf. Das ist kein Männerbild, das ich mit den Nazis verbinde.

    - Joh Fredersen ist kalter Kapitalist, der lernt, die sozialen Belange der Ausgebeuteten zu erkennen. Hospes Einwand der Anbiederung der NSDAP an die Arbeiterschicht ist interessant (das passte), aber ich kenne zumindest aus dem Raum Ostholstein, dass die Nazipartei eher anitintellektuell war und gerade in Lübeck (einem gallischen Dorf im parteitreuen Holstein) wurde absichtlich das Bürgertum / die obere Mittelschicht zerschlagen bzw. Lübeck der Stadtstaat = die skandinavisch orientierte Selbständigkeit abgesprochen. Hier richtete sich der Hass auf die Industriellen, Kaufmannsschicht - und die sehe ich von Joh Fredersen repräsentiert.

    - Die Rebellion ist gegen die Herrschers(ch)icht gerichtet, was die NSDAP nicht gutheißen sollte.

    - Arbeiter werden aus den Fabriken befreit und die maschinenunterstützte Produktion angeprangert - was vor dem Hintergrund der Rüstungsindustrie, die sich später im Overdrive befand, aus Nazisicht Sabotage = Volksfeinde wäre/n.
    - Die "Untermenschen" (in Metropolis wortwörtlich zu sehen) befreien sich, rebellieren, der Herrscher beugt sich zu ihnen herunter (aus rechter Sicht gesagt), verbrüdert sich fast mit ihnen. Das ist doch das Gegenteil von Nazihetze.

    - Die Nazis waren - wenn man Boss, Mercedes Benz, Siemens und all die anderen Hersteller / Fabriken bedenkt - absolut nicht gegen die Industrie, sondern trieben sie voran. U.a. eben mit Zwangsarbeitern - die ja im Buch wie gesagt befreit werden.

    Von daher sehe ich den Roman nicht als politisch-problematisch an, und von Harbou ... keine Ahnung. Sie lebte unverheiratet in Partnerschaft mit Lang, und heiratete dann einen Inder. Der mag bei den Nazis als ursprünglicher Arier (im ethnologischen Sinne) durchgegangen sein, aber auch die Roma sehen in den Ariern Indiens ihren legendenhaften Ursprung. Und wie die Nazis zu denen standen, ist ja bekannt ...

    Der Expressionismus zumindest in der Kunst wurde nach einer Zeit des Zögerns schließlich unter "entartet" subsumiert. Frage ist, ob die Nazis das Buch als solches erkannten.

    Dann ist der Roman 100 Jahre alt und ich habe viel mehr Probleme mit aktuell lebenden Menschen, die keine Haltung gegen Putins Russland finden, obwohl er in und außerhalb seines Landes die Politik Stalins und Hitlers (-> Stichwort Bloodlands) bis ins Detail imitiert, und das bezgl. Stalin explizit. Da steht das Nazireich wieder auf und die Reaktion darauf ist mir als moralischer Kompass sehr viel wichtiger als ein alter SF-Roman und eine Autorin, die heute doch eher unbekannt ist.

    In Cthulhu Libria Neo. Der expressionistische Film wurde 2017 mein Text über Thea v. Harbou veröffentlicht (S. 21 – 26).

    Das klingt ungefähr so, wie ich die Sache mit weniger Informationen und weniger Sachverstand auf die Film-Epoche bezogen einschätze - da der Band sicher vergriffen ist: Magst du mir vielleicht den Text oder einen Scan zusenden, bitte? Daran wäre ich wirklich außerordentlich interessiert.

    6 Mal editiert, zuletzt von Katla (8. Februar 2025 um 21:41)

  • Ich muss gestehen, dass ich lediglich einige Seiten des Buches "Metropolis" gelesen habe. Ich konnte mich nicht mit Harbous schwülstigem Schreibstil und dem zuweilen aufdringlichen kitschig-religiösen Unterton anfreunden. Durch einen Blick auf die Veröffentlichungen vor "Metropolis" wie "Der Krieg und die Frauen (1913), "Du junge Wacht am Rhein (1915) und "Die deutsche Frau im Weltkrieg (1916) wird deutlich, wohin die Reise geht. Allein die Titel der Bücher erschaffen in mir Bilder von patriotischen Frauen, die bereit sind, das Liebste für das Vaterland zu opfern. Damals war dies ein politischer Mainstream, könnte man entschuldigend hinzufügen. Aber meiner Meinung nach ist das wichtigste Element des Werkes die Darstellung der "Massen", die unbestreitbar Assoziationen zum Nationalsozialismus hervorrufen. Der Mensch als Drähtchen in einem großen, klaglos funktionierenden Werk, die Masse, die nur noch Werkzeuge für hohe Ziele ist. Harbous Bild einer gefährlichen, unkontrollierten und unkontrollierbaren Masse knüpft an die präfaschistischen Vorstellungen an. Das zutiefst illiberale Moment einer amorphen und ziellosen Masse verlangt danach, "dass einer kommt, der uns den Weg sagt, den wir gehen sollen". Adolf Hitler, der "Mittler zwischen Hirn und Händen", hat letztlich hervorragend verstanden, dass die eigentliche Aufgabe des Führens in der Ausrichtung und Steuerung der freigelegten Gefühle liegt. Und wenn am Ende der Vertreter der Arbeiter und der Vertreter der Kapitalisten sich die Hand reichen, dann bedeutet das nicht weniger als eine Stillhalteparole des Bürgertums an die Adresse der Arbeiterschaft, mit den bekannten Folgen. Harbou war nicht nur mit einem Inder verheiratet, sondern traf sich auch mit Subhash Chandra Bose, Mitbegründer und Anführer der sogenannten Indischen Legion, eines der deutschen Waffen-SS unterstellten, aus indischen Freiwilligen gebildeten Kampfverbandes, und seinen in Berlin lebenden indischen Anhängern.

  • Ich muss gestehen, dass ich lediglich einige Seiten des Buches "Metropolis" gelesen habe. Ich konnte mich nicht mit Harbous schwülstigem Schreibstil und dem zuweilen aufdringlichen kitschig-religiösen Unterton anfreunden.

    Hallo Hospes,

    das kann ich so gut nachvollziehen, wirklich. MIr haben sich in der zweiten Hälfte auch die Fußnägel aufgerollt. Das Expressionistische an sich - also eher in der ersten Hälfte ohne so viel Religion - fand ich ein sehr spannendes, ungewöhnliches Leseerlebnis.

    Durch einen Blick auf die Veröffentlichungen vor "Metropolis" wie "Der Krieg und die Frauen (1913), "Du junge Wacht am Rhein (1915) und "Die deutsche Frau im Weltkrieg (1916) wird deutlich, wohin die Reise geht.

    Keiner behauptet, es habe vor 1933 keine faschistischen Bücher oder Ideologien gegeben - das hatte eine Entwicklung, und zwar bereits im Kaiserreich, oder - wie nicht nur ich, sondern auch Historiker meinen - ist eine direkte Folge der militärischen Missionskriege (der Deutsche Ritterorden war explizites Vorbild für die Waffen SS), der Hexen-/Ketzerverfolgungen, des Dreißigjährigen Krieges und von mir aus der Christianisierung Europas selbst.

    Aber keines dieser von dir genannten Bücher ist von Harbou. Das ist also eine Aussage über die Epoche, den generellen Zeitgeist, aber nicht über den Roman.

    Aber meiner Meinung nach ist das wichtigste Element des Werkes die Darstellung der "Massen", die unbestreitbar Assoziationen zum Nationalsozialismus hervorrufen. Der Mensch als Drähtchen in einem großen, klaglos funktionierenden Werk, die Masse, die nur noch Werkzeuge für hohe Ziele ist.

    Das ist aber eine steile These dafür, dass du nur drei Seiten gelesen hast. Das find ich ehrlich gesagt nicht in Ordnung, vor allem, weil du sehr intelligent und differenziert bist. Eben das, was du hier ausführst, wird nicht im Roman dargestellt (und ich hab jede Zeile gelesen bis auf 3 Seiten Christengelaber im letzten Zehntel, die ich nur überflogen hab).

    Mir geht es nicht um die Verteidigung eines Werkes an sich (da bin ich letztlich leidenschaftslos), sondern um die Auseinandersetzung mit einem Werk. Was als Mindestmaß erfordert, dass man es gelesen hat. Dann kann man alles - alles - als These aufstellen und am Text belegen. Ich wäre sehr gespannt auf eine Diskussion am Text entlang.

    Wie gesagt, kaum jemand kennt die Autorin heute noch, ich sehe keinerlei faschistischen Gedanken im Roman selbst, im Gegenteil (auch, wenn die Autorin ihnen angehangen haben mag- zum Zeitpunkt des Schreibens oder später). Und ich sehe identische Probleme sich real, heute zuspitzen, zu denen zu wenig Leute Stellung beziehen. Da wir heute über u.a. das Internet, das Institute for the Studies of War etc. die Möglichkeit haben, kritischen fact check zu machen, ist es heute um ein Tausendfaches unverzeihlicher als damals, dass Menschen faschischtisch/stalinistischen Ideologien aufsitzen oder sie ignorieren.

    Wir fragen uns immer: Wie war es möglich, dass ganz normale Leute den Nazis zujubelten, die Verbrechen nicht sahen / ignorierten / wegredeten und sie im Nachhinein noch relativierten? Ganz einfach: Man muss heute nur nach Osten schauen. So geht das. Ganz einfach. Wir haben eine absolut identische Situation von Propaganda, die auf Verbrechen und Lügen basiert, es wird darauf aufbauend ein Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat geführt (der zweite in acht Jahren) - wie damals - und keinen kümmert es. DAS ist mein Problem mit dem ganzen Thema. Weil es Menschen in direkter Nachbarschaft betrifft, die heute noch sterben und leiden können, nicht bereits tot sind. Das Problem begann auch nicht mit dem ersten oder zweiten Krieg gegen die Ukraine, sondern mit Zwangspsychiatrie, öffentlicher Erschießung von über 120 Journalist*innen, Folter und Ermordung Homosexueller sowie Dissidenten generell, in Russland selbst. Es gibt quasi-GULAGs in Sibirien mit Zwangsarbeit. Es gibt Verschleppung und (sexuelle) Folter.

    Problemanalysen / Vergangenheitsbewältigung im Hinblick auf die Nazizeit bringen absolut nichts, wenn die Erkenntnisse nicht auf aktuelle Entwicklungen übertragen werden.

    15 Mal editiert, zuletzt von Katla (9. Februar 2025 um 15:58)

  • Zitat

    Aber keines dieser von dir genannten Bücher ist von Harbou. Das ist also eine Aussage über die Epoche, den generellen Zeitgeist, aber nicht über den Roman.

    Ich muss dir leider widersprechen, die Hinweise stammen direkt von Wikipedia.

    Zitat

    Das ist aber eine dezidierte Analyse dafür, dass du nur drei Seiten gelesen hast.

    Es ist richtig, ich habe lediglich einige Seiten gelesen. Ich habe mir den kompletten Film angeschaut, der ja auf dem Roman basiert und deshalb angenommen, dass das im Buch ähnlich thematisiert wird. Falls das nicht der Fall ist, beziehe ich mich ausschließlich auf das Gesehene im Film.

  • Aber meiner Meinung nach ist das wichtigste Element des Werkes die Darstellung der "Massen", die unbestreitbar Assoziationen zum Nationalsozialismus hervorrufen. Der Mensch als Drähtchen in einem großen, klaglos funktionierenden Werk, die Masse, die nur noch Werkzeuge für hohe Ziele ist. Harbous Bild einer gefährlichen, unkontrollierten und unkontrollierbaren Masse knüpft an die präfaschistischen Vorstellungen an.

    Den Roman findet man übrigens hier online:

    Metropolis

    Da stehen auch diese Zitate:

    Dieses Buch ist kein Gegenwartsbild. Dieses Buch ist kein Zukunftsbild. Dieses Buch spielt nirgendwo. Dieses Buch dient keiner Tendenz, keiner Klasse, keiner Partei. Dieses Buch ist ein Geschehen, das sich um eine Erkenntnis rankt: Mittler zwischen Hirn und Händen muß das Herz sein. —Thea von Harbou

    Die Hauptthese war von Frau von Harbou, aber ich bin wenigstens zu fünfzig Prozent verantwortlich, weil ich den Film gemacht habe. Ich war damals nicht so politisch bewußt, wie ich es heute bin. Man kann keinen gesellschaftlich bewußten Film machen, indem man sagt, der Mittler zwischen Hand und Hirn sei das Herz—ich meine, das ist ein Märchen—wirklich. Aber ich interessierte mich für Maschinen... —Fritz Lang

    Mal schauen was Wikipedia zu Metropolis sagt:

    Metropolis (Film) – Wikipedia

    Die Darstellung der Gesellschaftsordnung von Metropolis lehnt sich einerseits an das marxistische Bild des Kapitalismus an: Es gibt zwei Klassen, deren eine die andere ausbeutet, und es ist faktisch unmöglich, von der unteren in die obere Klasse aufzusteigen. Dass der Sinn der Maschinen den Arbeitern unverständlich bleibt, verweist auf die Entfremdung von Arbeit und Mensch. Andererseits aber übt die Handlung ausdrücklich Kritik an der Revolution, welche die Lebensgrundlage der unteren Klasse vernichtet („Die Revolution frisst ihre Kinder“).[4] Huppertz' Musik zitiert daher mehrfach die Marseillaise. Parallelen zur Gesellschaftsordnung der beiden Klassen in Die Zeitmaschine von H. G. Wells sind ebenfalls eindeutig.

    Die Parabel vom Turmbau zu Babel wird abgeändert: Im Film sprechen Planer und Arbeiter dieselbe Sprache, verstehen einander aber dennoch nicht, weshalb es zur Revolte der Arbeiter kommt und das Projekt scheitert. Die „echte Maria“, die vor einem von Kreuzen flankierten Altar den Arbeitern predigt, ist dem christlichen Fundus katholischer Prägung entnommen (Marienverehrung; die „zweitausendjährigen Katakomben“). Verkündet wird die Ankunft des Mittlers (Erlösers), der für Liebe, Versöhnung und Vergebung steht.[5]

    Die falsche Maria bringt später als Hure Babylon die Bourgeoisie in Versuchung und das Proletariat zum Aufstand – und führt die Apokalypse herbei, die Freder liest, während die Maschine sie verwirklicht.[6]

    „Joh Fredersen will, dass die in der Tiefe sich durch Gewalttat ins Unrecht setzen, damit er das Recht zur Gewalt gegen sie bekommt …“

    Der Mittler hingegen versöhnt die Klassen und nutzt allen – Ende des Klassenkampfs. Diese ideale Zusammenarbeit der Klassen entsprach dem Programm verschiedener politischer Parteien, vom Zentrum bis hin zur NSDAP. Die Rolle des Freder kann auch als eine Parallele zu der Geschichte des Moses gesehen werden, der als Sohn des Herrschers aufwächst, sich aber seinen versklavten „Brüdern“ zuwendet und gegen das eigene Haus revoltiert.

    Fritz Lang bekannte später einerseits, dass er Thea von Harbous Aussage und politischen Anspruch, das Herz vermittle zwischen Hand und Hirn, für unpassend gehalten habe und den Film, für den er zu mindestens 50 Prozent verantwortlich zeichne, nach der Fertigstellung nicht mehr gemocht habe:[7] Das soziale Problem sei mit den Mitteln des Films nicht zu lösen.[8] Er revidierte dies in einem weit späteren Interview, Berlin 1971: Seine Erfahrungen mit der damaligen US-amerikanischen Jugend wiesen darauf hin, dass ihnen in der aktuellen Gesellschaft das Herz am meisten fehle. „… und dann wundere ich mich zum Schluss: Ja, also, vielleicht hat die Harbou doch hundertprozentig recht gehabt.“[9]

    Zum Roman gibt es auch eine Wikipedia Seite:

    Metropolis (Roman) – Wikipedia

    Der Science-Fiction-Schriftsteller Herbert W. Franke (1927–2022) verfasste zur Ausgabe in der Ozeanischen Bibliothek ein Nachwort. Er erinnert sich selbst, wie in seiner Jugend die Sirenen einer Textilfabrik in seiner Geburtsstadt Wien zur Arbeit riefen. Die Geschichte von der Aussöhnung von Arbeitern und Arbeitgebern durch einen „Mittler“ war ein Thema, das Hitler und Goebbels aufgegriffen haben, ein Umstand, der bis heute die Geschichte in die Nähe des Nationalsozialismus rückt. Unabhängig davon habe Harbou aber richtig erfasst, dass die Stadt ein Ausdruck einer Entwicklung ist, in der die Technik die Menschen zum Sklaven macht.


    Man kann also ernsthaft fragen, ist Metropolis als Geschichte ein Stück NS, so wie du es gemacht hast. Oder ist es so, dass der Roman doch vielschichtiger ist, es aber auf Grund der Vereinnahmung der NS nur so interpretiert wird.

    Also was hat Thea von Harbou 1925, als das Buch erschienen ist, sich dabei gedacht?

    Für mich steht in dem Roman das Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine, zwischen Religion und Wissenschaft in Vordergrund. Da hat die Geschichte doch recht interessante Ideen mit denen man sich auseinandersetzen kann, die auch geschichtlich für die damalige Zeit und ihre Zerrissenheit dienen.

    Die Bildersprache der Nazis werden da natürlich geweckt, auch der Gigantismus, den ich aber eher der Weltsicht damals zuordnen würde. Da gab es viel Imperialismus, der Glaube (und auch Unglaube) an die Wunder der Technik. Aber das findet man so auch in der entsprechenden amerikanischen Science Fiction.

    Wenn du also bitte nochmal das Thema "Metropolis" und das Dritte Reich und deine Bedenken etwas ausführlicher erläutern könntest, würde mich das freuen.

    Auch wenn es ein wenig off-topic ist: Die Menschen in der Nazizeit sind eigentlich eine eigene Betrachtung wert. Wernher von Braun, Thea von Harbou, Hanns Heinz Ewers, Heinz Rühmann, etc., das kann man alles schon sehr zwiespältig sehen. Wenn ich mir in meiner Lebenszeit ansehe, was Leute alles machen für ihren Vorteil und dann rekapituliere, wie diese Zeit von 1918-1945 und ihre gesellschaftliche Strömungen waren, kann man eigentlich das meines Erachtens gar nicht so einfach schwarz-weiß beurteilen. Das soll jetzt keine Relativierung sein, aber man sollte für die Einschätzung, mal die Namen da oben durch ein paar aktuelle ersetzen und dann "Was wäre wenn" durchspielen und das ganze dann in Relation setzen. Seit der Coronazeit haben ja schon viele Menschen eine irre Transformation hingelegt und auch so gab es die letzten Jahrzehnte einige, deren Heiligenschein doch unter dem genauen Blick zu Teufelshörner mutierten.

    Ich sehe das im Endeffekt ganz wie Karla. Man sollte das ganze definitiv richtig einordnen und auch eine Lektüre mit dem entsprechenden kritischen Blick begleiten, aber eine generelle Verdammung...daher die Frage zu einer tieferen Erläuterung deinerseits.

  • "Der Krieg und die Frauen (1913): Autorin: Agnes (von Zahn-)Harnack

    "Du junge Wacht am Rhein (1915): Autor: Paul Leuteritz

    "Die deutsche Frau im Weltkrieg (1916): Autorin: Thea von Harbou

    Eins zu drei für dich, da war ich schlampig - eines der drei Bücher ist wirklich von der Metropolis-Verfasserin. Ich hab zwei geprüft, das dritte nicht mehr. Kann nix dazu sagen, weil ich das Buch nicht kenne (klar, das wird nicht super sein, aber warum schrieb sie Metropolis wie sie es nun mal schrieb und nicht passgenauer für den Faschismus? Da passt eben gar nix, und es wäre ein Leichtes gewesen, das bei gleichem Plot so einzurichten.)

    Ansonsten interessiert mich Wiki nicht, weil bis zu 10% von AIs erstellt wird und es nicht unbedingt Fakten sind, sondern eine Person reicht, die etwas postet. Belege laufen über echte Recherche, nicht YT Videos.

    Ich habe mir den kompletten Film angeschaut, der ja auf dem Roman basiert und deshalb angenommen, dass das im Buch ähnlich thematisiert wird.

    Das kennst du sicher, oder?: Assumption is the mother of all fuck-ups. :- )

    Wir debattieren hier ja von der gleichen politischen Warte aus. Nur, um das noch mal festzustellen.

    p.s. Crosspost

    Ja, Mammut das sind auch spannende Gedanken. Ich finde die ganze Diskussion spannnend. Es ist sicher nicht mein Lieblingsbuch, aber es ist extrem schräg und es hat irre viel Aspekte, die der Nazi-Ideolgie eigentlich entgegengehen. Und warum nicht? Ich denke an diesen schwulen Mystiker, der absolut überzeugter Nazi war und nach einer (implizierten) Zwangsversetzung als KZ-Wart Suizid beging - der Name, verdammt, mein Gedächtnis ... Jedenfalls: Ich hab oft den Eindruck, dass sich Haltungen heute so schwer kategorisieren lassen wie eh und je.

    Und die Rezeption ist nicht unbedingt anhängig von der Intention des Werkes, ich denke bereits die ganze Zeit an einen meiner Lieblingsfilme, Belyy tigr. Der Regisseur ist ein Freund Putins, und das Werk lässt sich aus demokratischer Sicht als Warnung vor Putins Politik, wie auch aus interner Sicht als Rechtfertigung für den Überfall auf die Ukraine lesen. Der Filmemacher ist einer der absolut wenigen, die Putin öffentlich aufforderten, den sinnlosen Krieg zu beenden - dennoch: Das Werk kann auf zwei Arten gesehen werden. Ich bin nicht sicher, wie man den Roman Metropolis nazigerecht interpretieren könnte und der Regisseuer Fritz Lang floh vor den Nazis ... Also wie kommt der Eindruck?

    Ich wäre echt gespannt auf Hinweise, wo genau im Text Metropolis faschistisch wäre. Ich sehe im Text selbst nur Gegenargumente.

    7 Mal editiert, zuletzt von Katla (9. Februar 2025 um 19:16)

  • Ja, Mammut das sind auch spannende Gedanken. Ich finde die ganze Diskussion spannnend. Es ist sicher nicht mein Lieblingsbuch, aber es ist extrem schräg und es hat irre viel Aspekte, die der Nazi-Ideolgie eigentlich entgegengehen. Und warum nicht? Ich denke an diesen schwulen Mystiker, der absolut überzeugter Nazi war und nach einer (implizierten) Zwangsversetzung als KZ-Wart Suizid beging - der Name, verdammt, mein Gedächtnis ... Jedenfalls: Ich hab oft den Eindruck, dass sich Haltungen heute so schwer kategorisieren lassen wie eh und je.

    Ich war mal in Amsterdam auf dem Queens Day. Mittendrin in der Schwulen und Lesbenparade, mit Auftritten von Drag Queens. Und wie ein gallisches Dorf sprangen da mittendrin schwule Skinheads rum und marschierten ihr merkwürdigen Auftritt, der sehr militärisch aussah. Das war sehr schräg.

    Will gar nicht an die in der Schweiz lebende Lesbe erinnern, die Kinder aus fremden Ländern adoptiert und gleichzeitig was von Remigration schwafelt.