The Wicker Man 1973

  • Immer schon scharwenzelte ich um das Original von 1973 herum, schreckte mich doch ab, dass es keine deutsche Synchro gibt und dann sollte da auch noch drin gesungen werden...

    Vor Jahren dann die "Neuverfilmung" mit Nicolas Cage, welche mich noch weiter von diesem Film entfernte.


    Jetzt hatte sich ein Kumpel den Film besorgt und ich wagte den Schritt und was soll ich sagen: Ich liebe diesen Film.

    Die Schauspieler, die Gestik, Christopher Lees Dynamik, das haute mich um. Die Sprache teilweise ein Slang-Kauderwelch, aber sowas von kein Problem mit deutschen Untertiteln, die man sehr gut verfolgen kann, ohne groß den Blick vom Bild zu bekommen.

    Habe mir vor kurzem die Bluray mit allen verfügbaren Schnittfassungen gekauft.


    Nun eine Frage: Hat schon jemand alle 3 Schnittversionen vergleichen können und welche könnte die Beste sein? Die Meisten, die ich kenne, tendieren zum mittellangen Final Cut...


  • Ein in jeder Hinsicht glorreicher Film. Ich konnte den Film letztes Jahr beim Braunschweig Film Festival im Kino sehen, wo irgendeine ältere Schnittfassung lief, wenn ich mich recht erinnere. Jedenfalls war sie etwas kürzer als jene, welche ich auf DVD habe. Welche mir letztendlich besser gefallen hat, kann ich gar nicht genau sagen - wahrscheinlich die längere Fassung.


    Es soll übrigens mal eine deutsche Synchro gegeben haben, allerdings lief der Film wohl in den 70ern nur in wenigen deutschen Kinos und dies auch noch in einer extrem geschnitten Fassung. Der Kurator beim Festival meinte, dass diese Fassung nicht mehr aufzutreiben sei.

  • Ich habe eine DVD mit 2 Fassungen: Auffällig an der längeren – Director's Cut – ist, dass wir hier sehen, wie der Polizist Neil Howie auf der Wache ist und den Auftrag erhält. Eher Vorgeplänkel, man kann verstehen, dass die Szene in der Kinofassung untern Tisch fiel.

    und dann sollte da auch noch drin gesungen werden

    Ich hoffe doch sehr, dass sich diese Befürchtung zur Bewunderung für den Soundtrack gewandelt hat … ? Das Liedgut ist ja ein elementarer Bestandteil des Streifens. Finde ich wenigstens.


    Was gibt es noch zu sagen? Der durchtriebene Kneipenwirt Alder McGreagor wird gespielt von Lindsay Kemp, bekannter Tänzer und Pantomime – und seines Zeichens Tanzlehrer von David Bowie.


    Dann noch ein schändliches Gerücht: Angeblich wurde für die Szene, wo man Willow McGreagor (Britt Ekland) von hinten sieht, ein Double verwendet, weil ihre Kehrseite nicht den Vorstellungen des Regisseurs entsprach …

  • Auf der BD sind 3 Fassungen drauf. Kino, Directors und Final Cut. Final hat die mittlere Länge.

    Wobei damals wohl auch einige Szenen versehentlich als Verworfen in den Abfall gewandert sind, wie angeblich eine mehrminütige Apfel-Hymne von Lee.


    Das mit dem Körperdouble hab ich auch irgendwo gelesen. Ekland war wohl schwanger und da hat der Regisseur das so entschieden. Nach ihren Angaben absoluter Tinnef, weils wohl erst 4. bis 6. Woche war.

    Sie weigerte sich dann, Bilder mit dieser Szene zu signieren, weil es ja eine andere Schauspielerin ist...^^

  • Ich habe eine DVD mit 2 Fassungen: Auffällig an der längeren – Director's Cut – ist, dass wir hier sehen, wie der Polizist Neil Howie auf der Wache ist und den Auftrag erhält. Eher Vorgeplänkel, man kann verstehen, dass die Szene in der Kinofassung untern Tisch fiel.

    Das finde ich freilich keinesfalls ein einfaches Vorgeplänkel. Stattdessen erfährt man da, dass Howie ein extrem gläubiger, verklemmter Katholik ist, was für den weiteren Handlungsverlauf von immenser Wichtigkeit ist. Außerdem definiert es ihn als Unsympath, was das Spiel mit der Wahrnehmung und emotionalen Reaktion des Punlikums m. E. noch interessanter macht.

    Die untertitelte Fassung habe ich kürzlich im Kino gesehen und war doch über etwas eigenwillige Übersetzungen sehr verwundert. So brüllt Howie am Ende lt. Untertitel "Versager! Versager!", wohingegen er wahrnehmbar "Saviour! Saviour!" ruft - inhaltlich ein nicht unwesentlicher Unterschied ...

  • Okay, okay – das mit dem Vorgeplänkel nehme ich zurück … Natürlich hat alles in dem Film seine Bedeutung und man wird sich beim Dreh der Szene schon was gedacht haben (wie du es ja richtig benennst).


    Dann will ich es anders ausdrücken: Für den Erfolg des Films war ausgerechnet diese Szene nicht von (großer) Bedeutung. Und manchmal muss eben gekürzt werden. Das ist ja bei Büchern auch nicht anders.

  • Vor "Erfolg" (in wirtschaftlicher Hinsicht) kann ja auch leider nicht die Rede sein. Die Produktionsgesellschaft wußte nicht, wie sie den Film vermarkten sollte, vermarktete ihn dann auch praktisch gar nicht, und das Ding war ein monströser Flop. Die Anerkennung kam schleichend, eigentlich erst Jahre, nachdem "Cinefantastique" ihn als "CITIZEN KANE des Horrorfilms" bezeichnet hat.

  • Ich würde mich Axels ursprünglicher Aussage aber tendenziell anschließen wollen: Wirklich nötig ist diese gedehnte Vorgeschichte aus meiner Sicht nicht. Mir hat es immer gelangt, den Sergeanten in der Kirche zu sehen. Sein Verhalten auf der Insel spricht dann entsprechend Bände. Allgemein ist mir die längere Fassung auch weniger temporeich geraten, wie ich bei einer kürzlichen Sichtung feststellen musste.

  • Ich mag den Film. Ich mag Filme, die nicht zu schnell sind. Die Darstellung der sexuelle Verklemmtheit des Protagonisten hätte man sogar noch ausbauen können. Gegen mehr Szenen hätte ich also nichts gehabt. Es gibt zu wenig kontemplative Filme. In Filme wie "Stalker" von Tarkowski könnte ich reinkriechen.