Catriona Ward - Rawblood

  • Neu bei Festa: Das Mädchen von Rawblood. Der Roman gewann den August Derleth Award for Best Horror Novel 2016:

    Die Gewinner des August Derleth Awards
    ...sind auf Wikipedia gelistet. Hier die Auflistung, in Fett der deutsche Titel wenn ich eine Ausgabe entdeckt habe: 1972 Der scharlach...
    defms.blogspot.com

    Seit Generationen sucht ein Fluch die Familie heim, der die Villarcas jung und unter mysteriösen Umständen sterben lässt.1910. Iris und ihr Vater sind die letzten der Villarca-Linie. Weil Iris an einer vererbten Krankheit leidet, leben sie streng isoliert in Rawblood, einem einsamen Haus im Dartmoor. Denn sollte eine Villarca lieben, sollte sie ein Kind erwarten – wird sie erscheinen. Sie ist bleich und mit Narben übersät. Und sie bringt den Tod. Doch Iris will sich nicht länger vor der Welt verstecken. Sie wagt es sogar, sich zu verlieben. Und nun offenbart sich der wahre Schrecken des Villarca-Fluchs …

    Das Mädchen von Rawblood
    Dieser experimentelle Gothic-Roman der Bestsellerautorin von Das letzte Haus in der Needless Street erinnert an die großen Meister des Unheimlichen. Perfekt…
    www.festa-verlag.de

    Ich habe jetzt mal reingelesen. Sehr fesselnd und auch ein wenig ungewöhnlich. Ich bin gespannt.

  • Der Roman beginnt mit Zeitsprüngen: 1910, 1908, 1912,1881

    Die Sprache ist gleichzeitig blumig und modern.

    Iris, geboren 1899, wird von einer Krankheit bedroht, Horror autotoxicus, die durch Gefühle ausbricht.

    Am Anfang ist es eine Kooperation von Iris, der Tochter des Gutsbesitzers, und Tom, der Sohn des Farmers.

    Iris erhält von ihrem Vater Regeln, aber sie bricht sie.

    Die Familien von Iris und Tom haben eine Verbindung, aber die ist noch nicht geklärt.

    Das ganze ist gut aufgebaut, kein moderner "Ich schreib für Hollywood Roman", man hat zwar eine diffuse Ahnung, aber worum es genau geht, bleibt unklar.

    Gefällt mir bisher ausgesprochen gut 👍

  • Ich bin jetzt durch. Das mit Abstand beste Buch, das ich die letzten Jahre gelesen habe. Es hat einfach alles: Es ist gruselig, atmosphärisch, überraschend, intelligent, brutal, abwechslungsreich, einfach nur atemberaubend.

    Wow!

    Und es gibt drei weitere Bücher der Autorin. Was will man mehr.

  • Hab gestern damit begonnen und bin von der ersten Seite an gefesselt. Die Schreibe von Catriona Ward ist eigenwillig, Handlung und Personen tiefgründig ... und ich habe keine Ahnung, wo es hingeht. Das liebe ich!

    Danke für den Tip, Michael. Das Buch wäre wegen des mehr als nur generischen Covers total an mir vorbeigerauscht. Wenn der Rest des Romans so bleibt, dann wird das wohl auch ein Hit für mich.

  • Nach einem glorreichen Start wurde das Buch für mich immer mühsamer zu lesen. Ich habs 100 Seiten vor Schluss abgebrochen.

    Die Geschichte wird aus Sicht verschiedener Person erzählt. Wann immer es um Iris geht (die Protagonistin) ist das Buch für mich am stärksten. Diese Teile habe ich förmlich durchgesuchtet. Ich vermute mal, dass die Autorin da viel persönliches Gedankengut eingearbeitet hat, das wirkt alles glaubwürdig. Wo die Erzählung für mich jedes Mal zerfällt, sind die anderen Teile. Catrione Ward begeht da meines Erachtens den Fehler, dass sie männliche Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen lässt. Diese Teile wirken auf mich so schrecklich künstlich und dem Leben fern, dass ich mich durch jede Seite kämpfen muss, weil nichts daran glaubhaft wirkt. Dabei wäre die Geschichte doch so interessant. Aber na ja ... ein Versuch wars auf jeden Fall wert.

    Mein Fazit: 3 von 5 Leichen im Keller.

  • Ich find's auch immer wieder verblüffend, wie unterschiedlich man Bücher (aber auch Filme) beurteilen bzw. verstehen kann. Objektive Wertung sind da selten möglich. Das macht den Austausch auch so spannend.

  • Ich habe etwas mehr als 150 Seiten gelesen und bin sehr angetan, wenn auch noch nicht vollends begeistert. Die Geschichte nimmt sich mir etwas zu viel Zeit, ist aber sehr atmosphärisch angelegt und in einer Weise konzipiert, dass ich noch immer nicht genau weiß, wohin es gehen soll. Was die Erzählperspektive angeht, bin ich ganz bei euch, dass ich den Iris Teil stärker finde. Ich nehme den Kapiteln an, dass sie aus Iris Ich-Perspektive erzählt sind. Bei der anderen Ich-Perspektive ist das meinem Empfinden nach nicht der Fall. Ich glaube aber nicht, dass das Geschlecht ein Problem ist. Mir fehlt vielmehr der wissenschaftliche Teil im Wahrnehmen und Denken. Ob das fehlendes Können oder Wollen ist, kann ich aber natürlich nicht entscheiden, und es spricht auch viel dafür, Wissenschaftler:innen nicht zu sehr als Wissenschaftler:innen darzustellen (Ich stehe gerade in einem Schreibprojekt, ebenfalls vor einer solchen Frage und suche nach dem richtigen Grad an theoretischem Denken und Zugänglichkeit). Davon abgesehen, danke für den Tipp, Michael! Eigentlich genau das Buch, um sich bei diesem grauen Wetter ein Wochenende lang darin zu vergraben, schaffe ich nur leider gerade nicht.

  • Ich denke, das ist so gewollt, um dem Leser ein gewohntes Gefühl zu geben.

    Ja, unbedingt! Das ist ja, was ich meine. So weit ich bisher im Roman bin, habe ich den Eindruck, dass genau so viel auf Wissenschaft verwiesen wird, dass es für eine "gewohntes Gefühl" genügen soll. Aber es findet meinem Gefühl nach keine intensive Auseinandersetzung mit den Fachdiskursen dieser Zeit statt und der Ich-Erzähler ist mir auch zu wenig von diesen Diskursen geprägt, wenn er auf die Dinge in der Welt schaut. Das fällt mir auf, weil ich Wissenschaftler bin und mich dadurch das, was ich hier ein Stück weit vermisse, jeden zu Tag als wissenschaftliche Normalität erlebe, auch in Alltagsgesprächen. Letztlich ist das aber immer ein Drahtseilakt zwischen klischeebeladener Erwartungsbefriedigung und befremdlichem Realismus, der erst umfassend recherchiert und interessant erzählbar gemacht werden muss, wenn es darum geht, Berufe und Berufsgruppen darzustellen. Wie vielen Polizist:innen zum Beispiel sich beim Krimilesen die Zehennägel aufstellen, will ich gar nicht wissen.

    Und auch wenn ich hier jetzt etwas mehr geschrieben habe, soll das keine Generalkritik sein. Rawblood gefällt mir wirklich, nur scheint mir wie auch euch beiden anderen der Iris-Teil etwas besser gelungen.