• Fand den Film schrecklich - dies die Kurzform.

    Ich habe seit jeher das Problem, dass Eggers für mich wie ein Teeanger kommuniziert. Alles an seinen Filmen schreit mich an, und um auch ja sicher zu gehen, dass die Message verstanden wird und dass vor allem das ganze Universum das tut, wird noch lauter und hysterischer geschrieen. Dialoge, Bilder, Acting, Dramaturgie ... alles schreit mich als Zuschauer einfach nur an und lässt mir keinen Raum, um selbst etwas beizutragen und mir meine Gedanken zu machen. Wenn mich jemand anschreit mache ich dicht, da kann der Inhalt des Geschreis noch so interssant sein.

    Zudem finde ich das Acting in Nosferatu unkontrolliert und den Szenen meist nicht angepasst. Mir kommts vor wie das teuerse Schultheater der Welt, in dem sich jeder beweisen will und auf den grossen Vertrag hofft.

    Eggers sollte sich in Zukunft lediglich auf die Form seiner Film konzentrieren. Er braucht für alles andere ein starkes Gegengewicht - ähnlich wie bei Argento. In seiner frühen genialen Phase war Daria Nicolodi sein Gegenpol. Das gab zwar viel Streiterei, führte aber zu Filmen, die ihresgleichen suchen. Sobald die beiden sich trennten, begann auch Argentos Abstieg hin zur Lachnummer.

  • Ich stimme Dir zu, mich hat der Film weitestgehend ebenfalls enttäuscht.

    Einer "Enttäuschung" geht ja eine Erwartung voraus, und die hatte ich hier aufgrund der früheren Arbeiten von Eggers und der Filmgeschichte des Sujets "Nosferatu".

    Das ging mir auch bei Werner Herzogs Verfilmung mit Klaus Kinski und Bruno Ganz so, dort wurde die Erwartung jedoch noch übertroffen. Klaus Kinski und Max Schreck waren Schauspieler, denen man beim "Sein" des Vampirs ehrfürchtig zusehen konnte, das hatte schon etwas vom "method acting" im Sinne von Lee Strasberg.

    Das Spiel von Bill Skarsgård als Vampir wird hier nun durch die Arbeit der Maskenbildner so verdeckt, das es schon sehr nahe an eine animerte/gesteuerte Figur heranreicht, wodurch realer Schrecken verlorengeht. Auch das zwar schöne Setting und das Matte painting (digital) lassen Stimmung aufkommen, jedoch wirkt alles artifiziell. Dafür dass wir heute 100 Jahre nach dem Expressionismus leben und Sehgewohnheiten durch die Filmgeschichte entfalten konnten, ist der Film doch erschreckend "oldschool", selbst wenn er sich müde seiner Referenzen annimmt.

    Lediglich das Schauspiel von Lily-Rose Depp darf man getrost als herausragend bezeichnen und lohnt sicher den Blick auf den Film. Sie ist der eigentliche Hauptdarsteller.

    Einmal editiert, zuletzt von Kobat (13. März 2025 um 14:32)