Welche Comics lest ihr gerade?

  • Apropos Dracula: Kein Graphic Novel, sondern wirklich illustrierte Nacherzählung, aber von einem Comic-Künstler ist die von Jon J. Muth. Extrem schön. Gibt es auch auf Deutsch, ein schmaler, grossformatiger gebundener Band.

    Danke für den Tipp, Katla.

    Nächstes Jahr wird Splitter "Frankenstein" übrigens als illustrierten Roman veröffentlichen. Für die Zeichnungen ist der bereits erwähnte Bernie Wrightson verantwortlich. (→klick)


    +++


    Gestern Abend wieder zwei aktuelle Comics vom Stapel gezogen:


    Cold Bodies - Magdalene Visaggio & Andrea Mutti




    "Years ago, Denise Stokes was the sole survivor of the brutal Winter Man massacre, in which several young adults were slaughtered during a powerful blizzard in Wisconsin. Now, in present day, Denise has tried to bury the past behind her, while the world around her has become obsessed with the murders through a popular film franchise called Snow Day.

    From Magdalene Visaggio, the Eisner and GLAAD Media Award-nominated writer and Prometheus' Andrea Mutti comes this 1980s meta-horror homage focusing on how trauma affects victims of slashers and never leaves decades later."

    Das Team hinter "Cold Bodies" ist definitiv ganz interessant: Mutti zeichnet immerhin gerade die beiden lesenswerten Serien "Bunny Mask" (für Aftershock) und "Parasomnia" (für Dark Horse) - Und Visaggios "Eternity Girl", welches vor ein paar Jahren bei Gerald Ways kurzlebigen Imprint "Young Animals" erschienen ist, hatte ich ebenfalls sehr gemocht.

    Die Idee hinter "Cold Bodies" erinnert zunächst zwar etwas an Grady Hendrixs "Final Girls Support Group", das hier geht aber in eine völlig andere Richtung. Und auch wenn ein Killer sein Unwesen treibt, sollte man keine derbe Splatterorgie erwarten - Sondern eher das Psychogramm eines zutiefst traumatisierten und beschädigten Opfers.

    Im Verlauf der Geschichte wird es dann auch zunehmend surrealer und lynch'esker und man weiß nie so genau was jetzt Realität, Traum, Rückblende, Filmszene oder Wahnvorstellung ist. Ein ziemlicher Trip. Und Muttis Zeichnungen (viel Weiß/Schnee und Rot/Blut) liefern dazu die passenden Bilder.

    Nur beim Ende bin ich mir nicht sicher, ob ich das jetzt cheap oder mindblowing finden soll, tendiere aber leider eher zu Ersterem. Dennoch ein richtig starker Band.


    House of Slaughter Vol.1: The Butcher's Mark - James Tynion IV & Tate Brombal uvm.




    Spin-Off zu Tynions Boom-Hit "Something is killing the Children". Die Hauptserie finde ich ja eher mittelmäßig - Da das "House of Slaughter" aber definitiv der interessanteste Aspekt der Geschichte ist, war ich hierauf trotzdem gespannt.

    Im ersten Band bekommen wir die Originstory zum "Antagonisten" Aaron Slaughter präsentiert. Dieser hat ziemlich die Arschkarte gezogen, denn wenn du schwarz, schwul und auch noch Waise bist, sieht's in deinem Leben nicht besonders rosig aus. Im titelgebendem Haus, darf er dabei nicht auf viel Verständnis oder Empathie hoffen und muss sich stattdessen unzähligen lebensgefährlichen Prüfungen und Ritualen unterziehen.

    Die Prämisse - Kinder werden zu Killern ausgebildet - erinnert natürlich stark an "Deadly Class", (ohne jedoch jemals so abgefuckt zu werden). Und ein bisschen "Morning Glories" kommt auch noch ins Spiel (ohne jedoch in jedem zweiten Panel einen gigantischen Mindfuck abzuliefern).

    Man darf hier sicher keine Revolution erwarten, die findet man eher bei Tynions "Department of Truth", aber trotzdem ist "The Butcher's Mark" echt gut geworden und hat mir besser gefallen als die eigentliche Hauptreihe.

    Als eigenständige Serie funktioniert das hier aber nur bedingt bzw. eigentlich überhaupt nicht, denn die ganze Monster/Totem-Sache wird nicht wirklich erklärt und so dürfte man als Leser ziemlich auf dem Schlauch stehen, wenn man "Something is killing the Children" nicht kennt. Wer davon jedoch bereits alle Bände im Regal stehen hat, kann hier definitiv zugreifen.

    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • Gestern und heute gelesen:


    What's the furthest Place from here Vol.1 – Matt Rosenberg & Tyler Boss




    Neue Serie von Image. Ein wilder Mix aus Sci-Fi, Horror, Comedy und Mystery. Oder wie es im Klappentext heißt: " Lord of the Rings meets Lord of the Flies, or John Carpenter by way of John Hughes." Das hier ist jedenfalls definitiv keine typische Post-Apokalypse-Story, sondern ziemlich speziell und weird.

    Worum geht's? Ein paar Jugendliche bewohnen die Ruinen der vergangenen Zivilisation. In verschiedene, recht obskure Gangs unterteilt, bewegen sie sich nur innerhalb ihres jeweiligen Territoriums. Mysteriöse Wesen – The Strangers – versorgen sie mit Nahrungsmitteln.

    Im ersten Band wird noch vieles im Unklaren gelassen: Was ist mit der Welt passiert? Wer sind die fremden Wesen? Statt Fragen zu beantworten, wird die Story mit jedem Heft immer schräger (gehirngewaschene Arbeiter eines Supermarkts, creepy VHS-Kassetten, ein extrem bekloppter Zirkus usw). Daneben geht es noch viel um Musik (alte Punk und Hardcore-Bands).

    Ein bisschen "Deadly Class", ein bisschen "Sheltered"; und in seinen besten Momenten hat mich das Ganze sogar dezent an Charles Burns Pubertäts-Alptraum "Black Hole" erinnert. Empfehlung!


    Bolero - Wyatt Kennedy & Luana Vecchio




    Die Miniserie wird als "Eternal Sunshine of the spotless Mind meets Locke and Key" bezeichnet – Wenn das mal nicht vielversprechend klingt. Wir folgen der lesbischen Tätowiererin Devyn, die sich gerade von ihrer Freundin Natasha getrennt hat und sich seitdem in einem tiefen Loch befindet. Nach dem Besuch eines Punkkonzert erhält sie eine ungewöhnliche Chance ihre Depression zu bezwingen – Einen Trip durchs Multiversum und 53 Möglichkeiten der Hölle zu entkommen. Therapiert wird sie währenddessen von einer sprechenden Katze.

    Klingt durchgeknallter als es eigentlich ist. Die Multiversen werden recht schnell abgefrühstückt und Devyn landet in einer alternativen Realität, die sich von ihrer vorherigen Realität kaum unterscheidet.

    Es geht hier eher um Themen wie Selbsthass, Verlust, dysfunktionale Familien/Beziehungen, Sex und weniger um ein großes Spektakel. Hatte nicht ganz den erwarteten emotionalen Impact und ist mMn auch etwas zu lang, aber trotzdem eine lesenswerte Serie.


    Nocterra Vol. 2 - Scott Snyder & Tony Daniel




    "Nocterra" hatte ich hier ja schon mal lobend erwähnt. Gefühlt ist zwischen Volume 1 & 2 eine Ewigkeit vergangen, dankenswerterweise gibt es daher (untypisch für ein US-Trade) zu Beginn eine recht ausführliche Zusammenfassung, ohne die ich definitiv lost gewesen wäre.

    Nachdem die Sonne vor 14 Jahren erloschen ist, ist die Welt ein Ort der Finsternis. Jeder der das Licht verlässt und diese Finsternis betritt, infiziert sich und mutiert zum Schattenwesen, das schon bald absolut nichts menschliches mehr an sich hat. Eine wortwörtlich sehr, sehr düstere Serie, deren gnadenlose Hoffnungslosigkeit mir bisher außerordentlich gut gefällt.

    Band 2 beginnt mit einem Special welches die Hintergründe des Antagonisten Blacktop Bill etwas näher beleuchtet. Das Heft ist aber ziemlich belanglos. Die Hauptserie bleibt aber weiterhin auf hohem Niveau.

    Das hier ist quasi die Horror-Variante von "Mad Max" oder "Fallout", mit deutlichen Anleihen an Snyders "Dark Universe" (siehe "Metal" & "Death Metal") und wirklich großartigem Creature-Design, welches teilweise stark an Lovecraft erinnert. Besonders der Shade King, der Gott der Schattenwesen, der sich auf dem Weg zur Erde befindet.

    Nach Snyders unlesbaren Mainstreamarbeiten hätte ich den Autor fast schon aufgegeben, "Nocterra" und seine andere aktuelle Image-Serie "Undiscovered Country" sind aber wirklich extrem stark. Ab Oktober erscheint die Serie übrigens auch bei Cross Cult auf Deutsch.

    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • The Luminal Zone



    Neues Werk von Junji Ito, der hier eigentlich einen eigenen Thread verdient hätte. Der Band enthält 4 Geschichten, die alle während der Corona-Pandemie entstanden sind und auf alten Skizzen und unfertigen Ideen des Autors basieren. Ursprünglich wurden sie für eine digitale Plattform geschaffen, was den Vorteil hatte, dass sich Ito an keine Seitenzahlen oder sonstige Vorgaben halten musste und die Geschichten erstmals so erzählen konnte, wie er wollte.


    Inhalt: In "Weeping Woman Way" landen Mako und Yuzuru in einem fremden Dorf und begegnen dort einer Frau, die ununterbrochen am weinen ist. Kurz danach wird auch Mako von einer unendlichen Traurigkeit überwältigt und löst sich buchstäblich in Tränen auf... Eine melancholische Geschichte, mit ein paar wirklich verstörenden und surrealen Bildern - Und diversen religiösen Bezügen.

    Die gibt es auch in "Madonna". Dort landet Maria in einem religiösem Mädcheninternat, an dem äußerst seltsame Dinge vorgehen: Die Frau des Schulleiters hält sich für die Wiedergeburt der Jungfrau Marie, im ganzen Ort stehen bizarre Salzskulpturen rum und die Schüler und Lehrer sind alle völlig verängstigt... eine creepy Geschichte, voller Wahn, Bibelanspielungen und einem äußerst misogynen Schulleiter, der ein bisschen wie H.P. Lovecraft aussieht. Hatte zudem extrem starke "Suspiria"-Vibes.

    "The Spirit Flow of Aokigahara" spielt, wie der Name schon sagt, im berühmten Selbstmörder-Wald. Da Norio tödlich erkrankt ist, sucht er diesen Ort auf, um dort nach seinen Bedingungen zu sterben. Doch als er bei seiner Wanderung auf eine merkwürdige Höhle stößt, fühlt er sich (während sein Körper äußerst seltsame Veränderungen durchmacht) plötzlich so lebendig wie nie... Mit Abstand die kurioseste Geschichte in diesem Band, die mich allerdings nicht so wirklich gekriegt hat.

    "Slumber": Eben hatte ich ja schon "Suspiria" erwähnt, hier gibt es nun sogar leichte Giallo-Elemente. Takuya träumt jede Nacht davon, wie er wildfremde Frauen auf bestialische Art und Weise tötet, nur um nach dem Aufstehen in den Nachrichten zu erfahren, dass diese Morde tatsächlich stattgefunden haben. Doch ist er auch der Mörder?... "American Psycho" trifft auf "Nightmare on Elm Street". Nur dass man hier nicht stirbt, wenn man einschläft, sondern tötet. Oder vielleicht auch nicht? Das Ende ist definitiv ziemlich hanebüchen, dennoch ist die Geschichte ganz unterhaltsam.#


    Fazit: Sicher nicht die beste Storysammlung von Junji Ito. Wer seine vorherigen Werke mochte, kann hiermit aber absolut nichts falsch machen. Einsteiger sollten aber auf jeden Fall lieber zu "Uzumaki" oder "Tomie" greifen.


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    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • Mal wieder zwei Comic-Bände gelesen...


    Razorblades - James Tynion IV & Steve Fox (Hrsg.)



    Der erste Sammelband des gleichnamigen Horrormagazins – Created by James Tynion IV und Steve Fox - ist gerade im schicken Hardcover bei Image erschienen. Mit seinen 400 Seiten im Überformat ist das Teil echt ein ziemlicher Brocken geworden.

    Der Band enthält diverse Kurzgeschichten, Interviews (mit Scott Snyder und Gou Tanabe), Illustrationen, größtenteils jedoch kurze Comics, an denen unzählige Künstler gearbeitet haben. Mal sind sie schwarz-weiß, mal in Farbe, mal ziemlich surreal, mal äußerst gory... dadurch fällt "Razorblades" wirklich extrem abwechslungsreich aus.

    Was die Atmosphäre angeht, musste ich oft an japanische Comickünstler wie Junji Ito oder Masaaki Nakayama denken. Genau wie bei Nakayamas "Saat der Angst" darf man hier auch keine ausgefeilten Storys erwarten, sondern eher kurze Episoden, die einen unvermittelt in ein ziemlich verstörendes Szenario werfen, aber auch genauso schnell wieder vorbei sind. Sicher nicht für jeden geeignet, aber mir hats gefallen. Allein optisch ist das hier eine ziemliche Wucht.


    Step by bloody Step - Si Spurrier & Matias Bergara



    Die Miniserie trägt den Untertitel "A Wordless Fantasy", denn in ihr wird kein einziges Wort gesprochen. Durchaus ein interessantes Konzept.

    Zur Story: Ein kleines Mädchen erwacht in den Händen eines gigantischen Roboters. Wer sie ist und wie sie dort gelandet ist, wissen wir nicht. Zusammen durchwandern sie eine äußerst bizarre Welt, werden dabei permanent verfolgt und von äußerst feindseligen Kreaturen angegriffen. Dabei stoßen sie auch immer wieder auf recht seltsame Pflanzen und Pilze.

    Das Ganze hat eine leicht traumähnliche und melancholische Atmosphäre, bietet im Verlauf der Handlung aber auch ein paar richtige Mindfucks (z.B. die Tatsache was es mit dem Roboter auf sich hat). Ich musste dabei immer wieder an die Comics von Moebius und Brandon Graham denken, auch wenn die Zeichnungen von Bergara in eine völlig andere Richtung gehen und es auch nie so surreal wie bei den Beiden wird.

    Dadurch dass hier nicht gesprochen wird, muss man sich aber vieles selbst zusammenreimen und mir wurde nicht bei jedem Panel klar, was mir Spurrier und Bergara jetzt gerade damit sagen wollten. Die Welt bleibt bis zum Ende geheimnisvoll. Aber das macht auch einen großen Teil der Faszination aus. Man muss sich aber darauf einlassen können.

    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • Cheddar Goblin Oha, Nocterra sieht aber ganz extrem gut aus, danke für den Tipp! Interessantes Setting und mich als Classic-Taarna Fan reizt ganz einfach auch die Mischung aus den beiden guten Argumenten (um es in der sexistischen Altherren-Sprache zu sagen) und dem dystopischen Kriegerinnen-Image. Das wird mir sonst immer viel zu lieblos-kommerziell-bunt verbraten (Lady Death, die neuen HM Taarna und die meisten X-Men Comix außer Jon J. Muths schon erwähntem Havoc vs Wolverine ...).


    Unsere Stadtbibliothek hat die ersten beiden Bände, die du auch besprochen hast, und die hab ich grad vorbestellt (sind Mitte Okt. erhältlich) aber es sieht so aus, es wäre die Serie in den USA schon ziemlich ausgeufert: hier sind 11 Bände mit teils spektakulären Titelbildern; dann gibt es noch alternative cover (s.u.) und ein Special, Blacktop. Das auch sehr spannend klingt.

    Uff. Fuer Leser aus den USA sind solche Reihen sicher toll, aber wenn man von hier aus für jeden Band (Heft?) mit irren Portogebühren und Zoll rechnen muss, ist das nicht mehr so spaßig ... woher hast du denn deine Ausgaben bezogen?


    Ich bin echt gespannt, alle Previews gefallen mir richtig gut, vor allem, weil sich der Zeichenstil Cover nicht so stark vom Innenteil unterscheidet (das nervt / enttäuscht mich sonst oft).


    Unsere Bibliothek hat jedenfalls neben einem Dutzend Batman, die mich nicht interessieren, auch Snyders A.D. After Death, das grad nicht entliehen ist und in ein paar Tagen eintrudeln sollte. Ein Prosa-Comic-Kunstband, das klingt richtig gut. Kennst du das auch?


  • Oha, Nocterra sieht aber ganz extrem gut aus, danke für den Tipp!

    Freut mich, dass du etwas damit anfangen kannst. Ich kann die Serie wirklich nur wärmstens empfehlen.

    Unsere Stadtbibliothek hat die ersten beiden Bände, die du auch besprochen hast (...) aber es sieht so aus, es wäre die Serie in den USA schon ziemlich ausgeufert: hier sind 11 Bände (...) und ein Special, Blacktop. Das auch sehr spannend klingt.

    Die Serie ist noch recht neu, Katla. Es gibt auch keine 11 Bände, sondern bisher nur 11 Hefte, die komplett in den zwei US-Trades versammelt sind, die ich hier vorgestellt habe. in Volume 2 ist auch das Blacktop Bill-Special enthalten. Das fand ich aber ziemlich belanglos.

    ...neben einem Dutzend Batman, die mich nicht interessieren...

    Kann ich verstehen. Aber Snyders Batman-Comics sind (auch wenn man mit der Figur und Superhelden generell nichts anfangen kann) durchaus mal einen Blick wert - Zumindest manche davon. "The Black Mirror", "The Gates of Gotham" und "The Court of Owls" fand ich zum Beispiel ziemlich gut. Gegen Ende seines Runs wurde es dann aber immer schwächer.

    Unsere Bibliothek hat (...) auch Snyders A.D. After Death, das grad nicht entliehen ist und in ein paar Tagen eintrudeln sollte. Ein Prosa-Comic-Kunstband, das klingt richtig gut. Kennst du das auch?

    Ja, habe ich gelesen. Das ist seine Zusammenarbeit mit Jeff Lemire, der hier im Thread ja auch schon öfters erwähnt wurde. Die Lektüre ist allerdings schon fünf Jahre her und ich kann mich kaum noch daran erinnern, weiß aber noch, dass ich es eher schwach fand. Vielleicht ziehe ich den Band demnächst mal wieder aus dem Regal.


    Zuerst muss ich aber noch das Buch von Emelie Autumn zu Ende lesen. Bisher finde ich es übrigens absolut großartig!

    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • Es gibt auch keine 11 Bände, sondern bisher nur 11 Hefte, die komplett in den zwei US-Trades versammelt sind, die ich hier vorgestellt habe.

    ?§" Ah super, danke für die super schnelle Rückmeldung. Das ist sehr erfreulich. Hoffentlich sind die Außencover mit drin, als Trennblätter sozusagen (so kenne ich das aus ähnlichen Formaten).

    Das fand ich aber ziemlich belanglos.

    Ich bleibe dennoch gespannt, zumal das Thema schon sehr meine Interessen trifft.

    Die Lektüre ist allerdings schon fünf Jahre her und ich kann mich kaum noch daran erinnern, weiß aber noch, dass ich es eher schwach fand.

    Ja, manchmal funktionieren Ideen mehr als Andeutung, nicht so arg auserzählt / ausgekoppelt. Da ich keinen Cent dafür bezahlen muss, gehe ich es einfach mit Neugier an.


    In einer Rezension las ich grad den Vergleich mit 30 Days of Night - daran hatte ich auch sofort gedacht. Das war allerdings ein Comic und eine Verfilmung, die ich ganz extrem schwach fand, unfreiwillig trashig und vom Plot her super schnarchig. Da ist eine zentrale, auffällige Figur wie die Titelheldin von Nocterra schon eine wesentliche Verbesserung, auch eine bessere Verankerung - "es ist dauerhaft Nacht und Vampire kommen" ist eben auch eine wenig tragbare Prämisse, finde ich).


    Freut mich sehr, dass dir Autumn so gut gefällt! [Cof]

  • Hoffentlich sind die Außencover mit drin, als Trennblätter sozusagen (so kenne ich das aus ähnlichen Formaten).

    Ja, sind sie. Und am Ende gibts in jedem Band zusätzlich noch eine kleine Cover-Gallery, in der die Variant-Cover abgedruckt sind.

    “It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.” (Philip K. Dick)

  • Die Lektüre ist allerdings schon fünf Jahre her und ich kann mich kaum noch daran erinnern, weiß aber noch, dass ich es eher schwach fand.

    Ich bin so im ersten Viertel und werde womöglich zum gleichen Fazit kommen.

    Erstens mag ich den Zeichenstil nicht, weil es alles Hässliche / Negative der Physiognomie ueberbetont bzw. alles grotesk wirken lässt. Ein Problem, das ich öfter bei Comics hab - woher kommt ausserdem die Obsession mit roten 'Schnupfennasen'? Das wird irre häufig gezeichnet, sogar Muth macht das in Wolverine/Havoc. Zudem wirkt alles etwas naiv. Ich mag auch keine 'action / reaction' Sequenzen. Die Architekturen / Gerätschaften viel eher.

    Dann gefallen mir eigentlich generell achronologische Erzählungen, aber hier wird das echt zu exzessiv betrieben, vor allem hab ich den Eindruck, zu keinerlei Mehrwert fuer die Geschichte. Es entstehen nur dauernd forcierte Cliffhanger und forciert Geheimnisvolles / Angedeutetes, das eventuell später gar nicht so einen 'impact' hat wie jetzt erwartet. Einige Sequenzen werden auch wiederholt, ohne dass neue Infos, Eindruecke oder Blickwinkel entstehen, z.B. die kranke / sterbende Mutter und das ganze 'Thieving'. Vieles menschelt mir auch zu sehr, da hab ich den Eindruck, die Macher drängten mir ihre Figuren auf - normalerweise lese ich eher Comix, bei denen ein sehr viel grösserer Abstand zu den Figuren möglich ist und ich Zeit bekomme, mich denen langsam zu nähern.

    That said: Irgendwas funktioniert, obwohl ich das Erzählte teils interessant, teils nervig fand, hab ich beinahe meine beiden Tramhaltestellen verpasst, weil ich dann in irgendeiner Passage plötzlich versunken war.


    Was mit sehr gut gefällt ist die Bild/Text-Ratio und auch die Art, wie die Texte angeordnet und eingefuegt sind (sowohl die Textblöcke mit Prosa wie auch die - oft eckigen - Sprechblasen. Das Format Prosa-Comic selbst finde ich grandios, auch wenn ich grad diese Geschichte (oder eher: diese Figuren) nicht so arg gern mag.

  • Durch. Ich muss revidieren, dass das Achronologische keinen Sinn hat - ja, die Geschichte kann nur so erzählt werden, weil der Prota bestimmte Zusammenhänge selbst nicht erkennt. Ich fühle mich dafür aber vom Autor veräppelt, der das alles nur so aufbauen kann, indem er den Leser belügt. Unzuverlässige oder lügende Erzähler finde ich okay, auf der Ersteller-Ebene ist das kein Lesevergnügen. Das Ende fand ich auch eher peinlich, alles so runtergekocht zu einem Goodie-Baddie-Showdown, mit einer unschuldigen damsel in distress als moralinsaurer Preis.


    Dann kommen am Ende ein paar pseudo-philosophische Dialoge, ziemlich auf 'deep' gebürstet, aber eigentlich gehaltlos; den Dreh, von wem das Signal kommt, hatte ich von Anfang an vermutet (eben wegen der Struktur) und außerdem folgt das eigentlich genau derselben, imA sehr enttäuschenden, Linie und Plot wie Metro 2035. Viele Motive sehe ich als Augenwischerei oder als zu menschenlnd (wie sich der Vater am Telefon durch die Haare fährt, die Fußmatte, die Gespräche im Helikopter ....). Fragmente von Leben, die so hätten stattfinden können oder die so tatsächlich stattfinden, aber nichts weiter - die Geschichte ist gewissermaßen lebensnah, aber für meinen Geschmack zu lebensnah, sie kommt von dieser Ebene nicht weg, es ist eine Art fiktionale Dokumentation von Dingen, die mich nur interessieren würden, wenn sie in etwas wirklich Interessantes eingebunden gewesen wären. Und ketzerisch gefragt: Braucht das Buch überhaupt das Phantastische? Es werden ja Probleme und Fragen behandelt, die gar keine spekulativen Konflikte bzw. Settings benötigen.


    Die Passagen, die mich total reinzogen - obwohl ich mich für die Protas nicht erwärmen konnte und teils sogar das Erzählte aus genannten Gründen nervte -, waren die längeren Prosatexte. Die haben für mich einen ungeheuren Sog entwickelt, und da war ich offen und gespannt, was kommen mag. Von daher bleibe ich sehr gespannt auf Nocterra, denn bei A.D. strauchelt die Erzählung für mich immer dann, wenn ein Bogen über mehr Bilder geschlagen wird. Bei einem klassischen Graphic Novel dürfte Bild/Plot mehr ineinandergreifen.


    Einen Anschlussfehler meine ich auch, entdeckt zu haben: Der Prota hört ein Brüllen, als das Säbelzahntiger-Vieh auf ihn zuspringt, hat er aber bereits alle Verletzungen, die dann ja eigentlich erst zugefügt werden.


    Fazit in Punkten: 3 von 10; Pluspunkte waren imA das Prosa/Comic-Format an sich und die Prosa-Passagen.

  • Keine Phantastik aber vielleicht gibt es hier auch einige Fans:


    ROCKY BEACH - EINE INTERPRETATION von

    Christopher Tauber (Skript) und Hanna Wenzel (Illustration)



    STORY

    Warum ist ein Holzschuppen abgebrannt, zwei Tage nachdem der Besitzer seine Versicherung signifikant erhöht hat? Die Ermittlungen in diesem Fall führen den Versicherungsdetektiv Peter Shaw zurück in seine Heimatstadt Rocky Beach. Im Büro des Sheriffs trifft er seinen alten Kumpel Bob Andrews wieder, der sich gerade eine Auszeit von Hollywood nimmt. Dort schreibt er sehr erfolgreich Drehbücher für die repetitive Krimiserie „Crime Watch“, doch sein Herzensprojekt wäre ein Film über eine Jugend-Detektivbande, für den er bereits im geheimen ein sehr persönliches Skript verfasst hat.

    Peters professionelle Ermittlungen schrecken nicht nur den Versicherungsnehmer auf, auch einigen Polizisten schmecken die Nachforschungen nicht. Unwissentlich sticht Peter in ein Wespennest aus Habgier und politischer Einflussnahme, dem er allein nicht gewachsen ist. Die wiedervereinten Drei Detektive müssen sich, neben der Konfrontation mit ihrer Vergangenheit, auch einer tödlichen Gefahr innerhalb des Polizeiapparats von Rocky Beach stellen.


    MEINUNG

    „Rocky Beach – Eine Interpretation“ ist ein gewagtes Experiment. Die ewigen Sommerferien an der Pazifikküste gehören für Justus, Peter und Bob endgültig der Vergangenheit an. Die Wege der drei Fragezeichen haben sich getrennt, die ehemaligen besten Freunde sind erwachsen geworden und haben sich aus den Augen verloren. So präsentiert uns diese Graphic Novel die Helden aus „Die Drei ???“, die in einer konsequenten Weiterentwicklung ihrer Charaktere, mehr (Peter und Justus) oder weniger (Bob) vom Leben gezeichnet sind.

    Alles beginnt mit Peter Shaw, der die Chance ergreift, von Berufs wegen Rocky Beach einen Besuch abzustatten und dort Ermittlungen für seinen Arbeitgeber aufzunehmen. Das Polizeirevier der Kleinstadt fungiert inzwischen als Ausbildungsstelle des LAPD, das Gelände des ehemaligen Schrottplatzes, auf dem die Zentrale der Juniordetektiv stand, liegt verwaist, im haus der Familie Jonas haben sich Drogendealer einquartiert. Nur die Bar, die sein alter Freund Jeffrey betreibt, ist für Peter so etwas wie ein Wohlfühlort.


    In bester und erstaunlich dramatischer Noir-Manier wird dem Leser diese mutige Graphic-Novel-Perle serviert. Christopher Tauber, der auch die Comics innerhalb des jugendlichen Drei ???-Kanons schreibt, liefert hier eine möglich Antwort auf die Frage, wie Justus, Peter und Bob denn als erwachsene Männer wären. Dabei forciert es nicht die ewige Freundschaft, die sich so mancher Fan vorstellt. Ein dramatischer letzter Fall der Jugenddetektive forderte ein Todesopfer, woraufhin nichts mehr so ist, wie zuvor. Die Drei ??? existieren nicht mehr, die jungen Männer gehen ihrer Wege. Hier setzt „Rocky Beach“ an.

    Der erwachsene Peter Shaw erinnert an die lakonische und desillusionierte Art eines Fox Mulder, während Bobs Schlag bei den Frauen weiter ausgebaut wurde und er in Hollywood das vermeintlich süße Leben lebt. Justus hat sich zurückgezogen und betreibt als Eigenbrötler einen Laden für gebrauchte Bücher und herzliche Freude stellt sich beim Wiedersehen mit seinen alten Kumpels zunächst nicht ein.


    Das alles ist grandios erzählt und intensiv aufgeladen mit Emotionen. Das gesamte Setting ist logisch aus den Jugendabenteuern der Drei Detektive weiterentwickelt, doch deutlich erwachsener, düsterer und ohne sich an alte Zeiten anzubiedern. Symbolträchtige Kleinigkeiten sind das Salz in der Suppe.

    Die Krimihandlung entwickelt sich gleichwertig zum Wiederaufkeimen der Dreierfreundschaft und nimmt nach anfänglichem herumspringen mehr und mehr Spannung auf. Elemente und Figuren werden unaufdringlich platziert, alles ist geschickt miteinander verwoben, greift zu gegebener Zeit ineinander und steuert merklich einem dramatischen Höhepunkt entgegen.


    Das Format des Bandes ist ebenfalls ungewöhnlich. Hier wurde nicht nur der Buchblock, sondern auch der Einband auf die selbe Größe beschnitten, so dass man kein klassisches Hardcover hat, bei dem, der Einband über die Seiten übersteht. Auch sind manche Panels oben und unten einfach mit der Seitenrand abgeschnitten; auch damit entsteht der Eindruck, dass zuviel beschnitten wurde.


    FAZIT

    Phänomenal spannende und emotionale Krimi-Graphic Novel. So hat man Die Drei ??? noch nie erlebt. Experiment geglückt!

  • Elmar Als Kiddie hab ich mit den Drei ??? nie die Kurve gekriegt, zum einen erwartete ich irgendwas Spektakuläres - wenn nicht Spekulatives - und dann hab ich nicht kapiert, um was es eigentlich ging. Die Idee, das mit erwachsenen Protas weiterzuerzählen finde ich aber ziemlich genial. Der Stil (zumindest der des Covers) gefällt mir auch gut, hat ein bisschen Sin City / MIller-Flair.


    Heute hab ich den ersten Band von Nocterra aus der Bibliothek abgeholt. Mich nebenan ins Café gesetzt, gelesen, einiges quergelesen und das Heft eine Stunde später wieder abgegeben. Und den zweiten Band inzw. aus der Vorbestellung genommen.


    Das Ganze war doch etwas anders als erwartet. Ich hatte mir da ganz vage einen Mix aus Taarna, den X-Men und 30 Days of Night vorgestellt, nur mit Monstern anstelle von Vampiren. Nocterra hat aber einen ganz anderen Erzählfokus: aufs Erwachsenwerden, Freunde, Loyalität und vor allem Familie (biologische wie gewählte). Die Titelfigur kam mir sehr jung vor (im Sinne von unreif, noch lernend), eher wie ein Teenager und schon daher passt der Vergleich mit Taarna gar nicht (obwohl das Outfit sowas nahelegen könnte). Wirkte auf mich wie eine Coming of Age / YA-Geschichte.

    Dann stören mich hier die selben Dinge wie schon bei A. D. After Death: Total belanglose Dialoge und weil da ja zu wenig kommt, wird eine erklärende Erzählstimme drübergelegt, die alles im Rückblick analysiert und kommentiert. Ständig springt der Fokus und das Setting. Es gibt eine ganze Reihe Monster, aber das Schema lässt imA keine Spannung aufkommen: 1. Bild: Monster taucht auf. 2. Bild: Monster greift an. 3. Bild: Monster wird abgeknallt. Geht auch mit mehr als einem Monster. :D

    Da wird keine Spannung aufgebaut, keine Bedrohung vermittelt, das geht einfach zu schnell und wird jeweils zu schnell gelöst. Sehr aseptisch, obwohl da Körperteile durch die Luft fliegen.

    Dann ist mir der Erzählstil viel zu fragmentiert, Rückblenden und Seitenschauplätze und 'voice over' konkurrieren, und ehrlich gesagt konnte ich irgendwann nur noch im Groben folgen, brachte aber wegen der Dialoge und der Figurenzeichnung kein Interesse auf, mich da weiter drin zu vertiefen. Die Cover Art (also die Extra Seiten) jeweils gefällt mir super, den Stil im Innenteil finde ich aber bissl lieblos (ohne viel Schattierungen und Details, nur das Nötigste).

    Ich kann mir nun auch vorstellen, Cheddar Goblin . warum Black Top nicht als Spin Off bzw. Bösewicht funktioniert.


    Eine Sache hat mich zudem noch gestört: So wenig mich 30 Days of Night überzeugte, so gut fand ich da das Setting - es ist einfach arktischer Winter. Insofern ist das Comic / der Film auch vollkommen nachvollziehbar. Nocterra zieht aber ziemlich naiv und unwissenschaftlich die Idee durch, dass, wenn die Sonne nicht mehr scheint, es einfach nur dunkel ist. Dass es kalt wäre, anderes Leben eingehen würde (es werden ja Nachtszenen gezeigt, aber da ist grüner Wald, dabei soll das mit der spekulativen Sonnenerlöschung ja ne kleine Weile her sein, wenn ich das richtig verstanden hab). Eigentlich funktionierte auch das schöne Outfit der Heldin unter diesen Umständen gar nicht, und auch andere Figuren laufen im T-Shirts rum, als wäre es eine tropische Sommernacht (ein Punkt, bei dem 30 Days konsequent realistisch blieb). Das sehe ich als massiv unter-genutztes Setting.


    Sehr, sehr schade, aber ein Versuch wars auf jeden Fall wert. Ich dachte sogar schon, ob ich verlernt hab, Comix zu lesen, schaute zu Hause aber in paar aus den 80ern, die ich 2nd hand gekauft hab und noch nicht gelesen hatte, und da hatte ich keine Probleme, den Geschichten zu folgen.

  • Lena Winkel - Mach´s Gut
    signiert + remarqued

    "Ich schreibe so lange, bis der Leser davon überzeugt ist, in der Hand eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein". ... `Stephen King´

  • Ich werde mir über den kommenden Urlaub wohl zum vierten Mal die komplette SANDMAN-Reihe vornehmen. Auch als Vorbereitung für die TV-Serie. Freue mich schon sehr darauf.

    Außerdem lese ich endlich Jason Aarons Thor weiter/fertig. Hat ja nur knapp drei Jahre gedauert.

    God of Thunder Reborn steht als nächstes an.

    Ich habe auch die kompette Hellboy Saga für einen Reread bereit stehen.

    Außerdem Head Lopper Band 3 und Descender Band 5.

    Ich lese derzeit so wenige Comics, dass das über die nächsten drei Wochen ein fest werden sollte.

    Black Hammer Reborn fehlt mir auch immer noch erinnere ich mich gerade.