Privatdruck von Robert N. Bloch: Die klassische englische Geistergeschichte

  • Aus reiner Neugierde: Dann müssten eigentlich auch die beiden Geschichten von Sheila Hodgson, die ich für ZWIELICHT organisiert hab und dann dort zum ersten mal ins deutsche übertragen wurden (Der Fluchstein und Villa Martine) erwähnt sein… Denn sie schreibt ganz klar in James' Tradition.

    Nein, die Geschichten sind leider nicht erwähnt; ich werde sie mir an passender Stelle notieren – hört sich ja nach einer interessanten Autorin an. Um welche Ausgaben von Zwielicht handelt es sich?

  • Arkham Insider Axel

    Na klar, "Der Fluchstein" erschien in Ausgabe 7 (zusammen mit dem von ihr verfassten Essay "Der Geist von M.R. James", das ich übersetzt habe und einem Artikel von mir über die Autorin selbst) und "Die Villa Martine" erschien in Zwielicht 8.

    Eine weitere Geschichte ("Dünne Luft") erschien im Rahmen der Reihe Alfred Hitchcocks Gruselkabinett (Die Bronzetür).

  • Danke für die Besprechung, Axel! Ich hatte mir das Büchlein auch geordert und finde es ebenfalls sehr schön aufgemacht. Zwar hatte ich auf kritische Anteile gehofft - leider beschränken sich die Kommentare sehr auf Handlungszusammenfassungen - aber vielleicht ist dies auch gar nicht angedacht bei so einer bibliographischen Sache.

  • leider beschränken sich die Kommentare sehr auf Handlungszusammenfassungen

    Wohl wahr, doch gibt es auch immer wieder kurze Einschätzungen wie "Vorzügliche Geistergeschichte in Romanlänge" (Edgar Mittelholzer) oder, eher ablehnend, "vorhersehbar" (Bernhard Taylor).


    Ich kann aus einigen Zusammenfassungen ganz gut erkennen, was nicht für mich geeignet ist. Zum Beispiel die Bücher von Phil Rickman ("brachiale Gewaltexzesse" und Serienmörder … danke, reicht). Andere Sache wie Onkel Montagues Schauergeschichten (Chris Priestley), die ich bisher vielleicht zu leichtfertig als "Jugendliteratur" beurteilt habe, werde ich mir mal genauer ansehen.


    Die "kritischen Anteile" können darüber hinaus gerne hier im Forum vorkommen. Zu dem erwähnten Edgar Mittelholzer und dem Roman Gebein und Flöte habe ich seinerzeit angemerkt, dass das James-Fluidum sich nicht recht entfalten kann. Zum einen steht dabei die Romanlänge im Weg, zum anderen ist die Figurenzeichnung viel zu komplex – es menschelt ja richtiggehend in dem Buch. — Das macht den Roman an sich nicht schlecht: er ist dann aber nur eine halbherzige oder falsch verstandene James-Hommage.

  • Zum Beispiel die Bücher von Phil Rickman ("brachiale Gewaltexzesse" und Serienmörder … danke, reicht).

    Hier war ich über die Auflistung in einer solchen Bibliographie tatsächlich etwas erstaunt. Es handelt sich um die Merrily-Watkins-Reihe, bei der zwar eine Exorzistin der anglikanischen Kirche die Hauptprotagonistin ist, es jedoch kaum zu irgendwelchen Vorfällen kommt, die man übernatürlich oder paranormal nennen könnte. Klassischen Spuk gibt es nur in Andeutungen. Es überwiegen die Krimi-Elemente (allerdings nicht so, wie Bloch es beschreibt, würde ich sagen) und - leider - die zwischenmenschlichen Dramen. Ich war von der Reihe recht enttäuscht auf meiner Suche nach neuerer Occult Detective Fiction, allerdings räume ich ein, auch nur die ersten 4 oder 5 Titel gelesen zu haben. Einen "Jamesian Touch" haben die ersten Romane aber keinesfalls.

  • Die Merrily Watkins-Reihe fand ich eigentlich recht lesenswert, gerade weil die übernatürlichen Ereignisse nur sehr schwer greifbar waren. Reinlesen lohnt sich meines Erachtens auf jeden Fall, es muss ja nicht gleich die ganze Reihe sein.

  • Die Merrily Watkins-Reihe fand ich eigentlich recht lesenswert, gerade weil die übernatürlichen Ereignisse nur sehr schwer greifbar waren

    Die Bücher haben durchaus ihre Momente, ich würde sie in ihrem Anspruch nicht als gänzlich misslungen einstufen. An Genese und Darstellung des Übernatürlichen in den Romanen dürften sich die Geister jedoch scheiden, und da bleibt mir Rickman viel zu blass und zu personenzentriert. Da die Atmosphäre aber da und dort nicht verkehrt ist (die Landschaft, die alten Häuser etc.) werde ich wohl irgendwann noch mal weitermachen. Insgesamt bin ich aber irritiert, wenn man in Rickman einen Autor in der Tradition von M. R. James sieht.


    Es gibt übrigens auch eine Verfilmung des zweiten Romans. Konnte ich bisher aber nicht schauen.