Gruselkabinett (Titania Medien)

  • Folge 162 - "Das gemiedene Haus"

    Lovecraft & Titania - meist geht das gut. Nun ja, die Vorlage ist hier nicht mehr als der gepflegte Spukhaus-Standard, wobei das Hörspiel in 4 Teile zerfällt.

    Die Einführung durch den Ich-Erzähler Howard nebst Rückblende in seine Jugend ist noch recht stimmungsvoll, doch sobald er dann sein Onkelchen, den Geisterexperten aufsucht, ist mal wieder "Titania-Teatime" angesagt - Bene Gutjan und Jürgen Thormann labern und labern und labern, als gäbe es kein Morgen. Da sie aber nichts weiter als die inzwischen gängigen Spukhaus-Konventionen zu erzählen haben, erwischt sich der Hörer doch mehr als einmal beim Blick zur Uhr, da helfen auch die eingestreuten "Stimmen aus der Vergangenheit" nichts. 16 Namen stehen auf der Besetzungsliste, von denen jedoch nur Gutjan und Thormann zum Zuge kommen.

    Geht es dann endlich mal auf ins Spukhaus, wird es auch mal ordentlich spannend, aber leider wieder viel zu schnell. Fast wie ein lästiger Nachklapp folgt dann noch der Epilog, der das Problem des Hauses offenbar löst.

    Die Geschichte selbst ist sicher keiner von Lovecrafts größten Würfen, und die Bearbeitung steht sich durch den betulichen Gruppe-Style mal wieder selbst im Weg, aber man muß diese Folge wohl leider zur besseren Hälfte der letzten Jahre rechnen.

    Der Blick ins Inlay überrascht - nach langer Zeit mal nicht ausschließlich die unmarkanten Regionalschauspieler, sondern endlich mal wieder ein paar bekanntere Namen. Neben Thormann etwa Monika John, Ingeborg Kallweit, Herma Koehn, David Nathan, Dietmar Wunder und - nach ein paar Folgen Pause - auch mal wieder Horst "der Unvermeidliche" Naumann. Marc Gruppe selbst hat sich auch mal wieder verewigt. Offenbar führte der Beginn der Corona-Pandemie immerhin zu einem gewissen Umdenken in Sachen Besetzungskonventionen, da persönliche Anwesenheit der Regie im Studio zeitweise einfach nicht möglich war und man daher auch mal über den Tellerrand blickte. Immerhin macht das Mut für die kommenden zu rezensierenden Folgen...

  • Folge 163 - "Der letzte Wille der der Stanislawa d'Asp"

    Hanns Heinz Ewers... es wird schon seinen Grund haben, daß abgesehen von "Die Spinne" und "Alraune" kaum eines seiner weiteren Werke bekannt ist. "Die Topharbraut" fiel gegenüber diesen beiden Titeln schon ab, und diese Story hier ist noch mal eine ganze Ecke schlechter. Die Schilderung einer von Anfang an und Grund auf toxischen Beziehung, ohne daß man für eine der Personen so etwas wie Mitgefühl oder auch nur Genugtuung für ihr Schicksal entwickeln würde. Und dann auch noch wieder mit satter Überlänge - einfach nur schwülstig und öde.

    Daß die Bearbeitung einem packenden (oder wenigstens leidlich unterhaltsamen) Hörspielerlebnis mal wieder im Weg steht, versteht sich da wohl von selbst.

    Und für dieses Machwerk wurde nun eine Top-Sprecherin wie Daniela Hoffmann gebucht, die hier auch noch wirklich alles gibt und diesen Schmonz mit einer Klasse erfüllt, die er gar nicht verdient. Eine der ganz Großen, absolut verschwendet...

    Einen Erzähler gibt es auch, Peter Weis mal wieder, der desinteressiert regelmäßig Hintergrundinfos reinsabbelt, Patrick Bach gibt die Winselsissi und Dietmar Wunder den Chauvie-Arsch. Es stehen zwar noch 13 weitere Sprecher (u. a. Jürgen Thormann, Ingeborg Kallweit, Bodo Primus, David Nathan und Horst Naumann) im Booklet, aber die kann man aufgrund der Kürze ihrer Rollen vernachlässigen.

    Tja, eine hervorragende Besetzung (speziell in der Hauptrolle) kämpft gegen das Skript zu einer grandios miesen Story. Der berühmte tote Fisch im Mondschein - er glänzt, aber stinkt.

  • Folge 164 - "Die Toten vergeben nichts"

    Hm, nanu? Das paßt ja mal gar nicht ins Schema. Robert E. Howard hatten wir zwar schon öfter, aber eine simple "Rache aus dem Totenreich"-Geschichte, und dann noch im Wildwest-Setting und so ganz ohne Romantik-Sülze und Kitsch? Tatsächlich, und dann geht das Hörspiel auch nur 45 Minuten.

    Anfangs schwant einem zwar wieder Furchtbares, als nach durchaus gelungenem Einstieg zwei alte Klatschweiber erstmal gefühlt minutenlang mit (nicht mal unbedingt notwendigem) Plotwissen um sich werfen, aber sobald der Ich-Erzähler übernimmt, ist wieder alles in Butter, lediglich die abschließende Gerichtsverhandlung zieht sich dann wieder etwas (ich hätte nur zwei der Zeugen beibehalten), aber dann wäre man wohl unter die 40 Minuten-Marke gerutscht. Ansonsten ist das eine Story, die auch aus der alten H. G. Francis-Gruselserie stammen könnte - schnörkellos auf den Punkt und etwas fies. Überraschend auch der Gebrauch von diskriminierenden Äußerungen, der teilweise von (natürlich negativ gezeichneten) Figuren ausgeht, da wird bei Titania doch sonst der Rotstift lieber einmal zuviel als zuwenig angesetzt.

    Sprecher - endlich mal wieder ein erfreuliches Thema. Nach Daniela Hoffmann in der vorherigen Folge ist es nun David Nathan, der die ersten zwei Drittel dominiert und zwar nicht ganz so engagiert agiert wie seine Kollegin, aber immerhin seinen Standard abruft, was bei ihm deutlich mehr ist als bei den zuvor gerne eingesetzten No-Names. Als Gegenpart kommt nun - nach zwei Mini-Auftritten in den vorherigen Folgen - endlich auch Ingeborg Kallweit, eine weitere altgediente Europa-Sprecherin, zum Zuge, die als Jezebel ein vielleicht klischeehaftes, aber überzeugendes Porträt abgibt. Der Rest ist (trotz großer Namen wie Wunder, Koehn, John, Thormann und Naumann) wieder nur Staffage, was der neue Standard zu sein scheint - 2-3 Hauptrollen, der Rest nur Beiwerk.

    Inszenatorisch jedenfalls zufriedenstellend, die Wildwest-Atmosphäre wird gut vermittelt, lediglich das Piano im Saloon scheint mir etwas zu laut eingemischt zu sein.

    Möglicherweise bin ich diesmal etwas zu euphorisch, aber nach dermaßen viel Mittelmaß (oder schlechter) war diese Folge eine sehr angenehme und erfrischende Abwechslung, ich fürchte nur, die kommenden Folgen werden wieder anstrengender...