Robert Aickman

  • Arkham Insider Axel Gute Idee, den Joshi-Text zu Rate zu ziehen.


    Joshis Bemängelung der Aickman'schen Theorie ist nachvollziehbar, ich halte sie auch für etwas arg stilisiert und würde meinen, Aickman bricht doch selbst damit in einigen Stories. Man müsste sich das genau anschauen, aber mir fallen auf die Schnelle eine Handvoll Geschichten ein, in denen er recht fest auf dem Boden der Realität bleibt, bis das Übernatürliche (oder was auch immer) dort einbricht. Die gute, alte, von Lovecraft zur Perfektion getriebene Herangehensweise also. Dass Joshi die präferiert, verwundert nicht. Ich würde mich auch eher diesem Lager zuschlagen, bin aber gerne zu Ausflügen in unbekannte Gefilde bereit, wobei die Bereitschaft, Aickman zu kritisieren, wenn er es verpatzt, eine Selbstverständlichkeit sein muss.


    Sehr richtig stellt Joshi fest, dass Aickman – wenn es schlecht läuft – die Unzufriedenheit der Leserschaft schürt (so ging es mir gerade selbst mit dem erwähnten "Mr. Millar"): Rätselhafte Begebenheiten zu sehr in der Schwebe zu halten und bewusst Erklärungen verweigern – das allein ist noch keine Kunst!

    Richtig herausgearbeitet. Hier liegt wirklich der Knackpunkt bei Aickman. Wenn er es zu arg übertreibt, wird es anstrengend und belanglos. Wann genau dieser Punkt eintritt, ist gewiss eine literaturkritische Aushandlungssache, mithin exzellenter Grund für Debatten. Ich bin sehr auf deine Detailkritik zum von mir hochgehaltenen "Mr. Millar" gespannt!


    Weiterhin gerät der Autor in Joshis Ziellinie, wenn jener eine Lanze bricht für Zivilisationskritik und Irrationalismus.

    Auch das ist folgerichtig. Aickmans Bekenntnis zum Glauben ans Paranormale (er war ja u. a. Mitglied in dieser Research Society, für die auch Blackwood und Conan Doyle einst aktiv waren und die bis heute fortbesteht) muss bei Joshi zu Recht Widerwillen erregen. Ich würde aber sagen, dass dies ins literarische Werk Aickmans keinen störenden Eingang gefunden hat. Wenn es ihn zu seinen Stories motiviert hat, umso besser! Bisher las ich aber keine Geschichte, die uns zum Geisterglauben hätte bekehren wollen oder so. Mit der raunenden Zivilisationskritik des konservativen Aickman ist es freilich eine andere Sache, die ist ohne Zweifel öfters zu spüren und kann sogar ganze Geschichten verderben.


    Ich muss den Joshi-Aufsatz nochmals lesen, vielleicht ließe sich noch mehr an Gesprächsanlässen dort heraus filtern. Auch in seinem späteren Monumentalwerk Unutterable Horror - A History of Supernatural Fiction geht Joshi recht viel auf Aickman ein, wobei spontan nicht zu sagen ist, ob sein älterer Text hier potentiell einfach redigiert übernommen wurde.


    den Nachworten Schecks,

    Wer ist das genau? Etwa Denis Scheck? In meiner Ausgabe steht kein Name, lediglich "Nachwort des Herausgebers".

  • Ich bin sehr auf deine Detailkritik zum von mir hochgehaltenen "Mr. Millar" gespannt!

    So detailliert fällt sie nicht aus. Ich habe einfach weniger Anknüpfungspunkte und Anregungen als in "The Hospice" gefunden. Aber nun gut:


    Begegnung mit Mr. Millar (Meeting Mr. Millar)

    Algernon Blackwood hat einige Geschichten nach dem Schema geschrieben: junger Mann bezieht eine städtische Absteige und wird Zeuge ungeheuerlicher Vorgänge. In dieser Tradition sehe ich auch die vorliegende Story (und sowohl Blackwood als auch Aickman plaudern aus dem autobiografischen Nähkästchen). So etwas lebt natürlich davon, dass die rätselhaften Vorgänge nicht plump aufgedeckt werden. Ein Vorwurf, den sich Aickman sicherlich nicht anhören muss … Nun, für meinen Geschmack treibt er das absurde Kammerspiel aber doch etwas zu weit. Das Kopfzerbrechen, was Millar und seine Leute eigentlich wirken, hat bei mir zu nichts geführt. Der Erklärungsversuch von Maureens Mann am Schluss – Untote – stiftet nur noch mehr Verwirrung. Regelrechten Schrecken sind mir in der Geschichte nicht begegnet (auch Millars gewaltsames Ende lässt mich eher kalt bzw. finde ich regelrecht unpassend). Zur milden Tönung der Story tragen die Liebelei zwischen Maureen und dem Erzähler sowie das positive Ende bei. Am besten gefiel mir während der Lektüre die Vorstellung der sinnlosen Betriebsamkeit der fluktuierenden Damen und Herren.


    Ich sage: solides Mittelfeld und gebe einen Daumen weniger als Nils: :thumbup::thumbup::thumbup:

  • col.race Vielen Dank für die Aufklärung. Ich habe tatsächlich aus keiner der Reihen einen Band, glaube ich.


    So detailliert fällt sie nicht aus. Ich habe einfach weniger Anknüpfungspunkte und Anregungen als in "The Hospice" gefunden.

    Das ist verständlich, es gibt auch aus meiner Sicht hier viel weniger Spielraum. Es fällt mir tatsächlich schwer, die Story griffig in Schutz zu nehmen. Deine Kritik ist berechtigt und auch Joshi kann ich nachvollziehen. Ich kann nicht genau sagen, warum für mich hier alles stimmt. Es gab zwei oder drei Momente, die mir die Unklarheit und Vagheit ausreichend zu durchbrechen schienen. Potzblitz - ich kriege es einfach aus dem Gedächtnis nicht mehr zu greifen.

  • col.race Vielen Dank für die Aufklärung. Ich habe tatsächlich aus keiner der Reihen einen Band, glaube ich.


    Kein einziger Band aus DuMont's Bibliothek des Phantastischen? 8|

    Daran kommt man als an klassischer phantastischer Literatur interessierter Leser ja gar gar nicht vorbei. Sofern man nicht lieber alles im Original liest.

  • Sofern man nicht lieber alles im Original liest.

    Ich lese sehr viel im Original. Habe gerade mal geschaut, was dort alles veröffentlicht wurde: Aickman, Lee, Ligotti und Walpole habe ich im Original, den Lernet-Holenia habe ich in einer anderen Ausgabe, wenn mich nicht alles täuscht. Aber gut, die übrigen Titel sind natürlich mehr als einen Blick wert.

  • Es fällt mir tatsächlich schwer, die Story griffig in Schutz zu nehmen.

    Es ist ja auch Joshi, der auf den hohen Symbolgehalt bei Aickman verweist und welcher, je nach Leser, unterschiedlich ansprechend ausfallen kann. Die Story hat ihre Stärken, keine Frage, nur bei mir weniger ausgelöst als andere seiner Sachen.


    Ich komme zu:


    Die Schwerter (The Swords)

    Diese Geschichte ist in der Tat verstörend. Sexualität spielt ja allgemein keine geringe Rolle in Aickmans Geschichten. Der junge Handelsreisende ist kaum zu beneiden um seine „erste Nacht“. Nicht nur verbringt er sie mit einer Prostituierten, muss also dafür bezahlen (aber wie er an das Geld kommt!), sondern das Erlebnis fällt alles andere als zufriedenstellend aus. Und noch bevor er diese „Frau“ (ist sie ein Mensch?) überhaupt begehrt, wird er Zeuge, wie sie im Rahmen der Jahrmarkts-Vorstellung von anderen Männern mit Schwertern traktiert (ohne jeden Blutverlust) und anschließend abgeküsst wird.

    Ohne Moral oder Bewertung zeichnet Aickman hier das Bild eines männlichen Triebs, der offensichtlich von Gewalt und Voyeurismus beherrscht wird. Man weiß nicht, was man gruseliger finden soll: das Schwertstechen, das Abreißen des Arms der „Frau“ – oder generell die Passivität und Leblosigkeit dieses Geschöpfs, das am Ende den Gesetzen des Marktes unterworfen und dessen zweifelhafte Gunst nur gegen cold cash zu erlangen ist.


    Volle Übereinstimmung in der Daumen-Vergabe + 1 Extrapunkt für die ausgemachte Trostlosigkeit

    :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::!:

  • Kein einziger Band aus DuMont's Bibliothek des Phantastischen?

    Du kannst ganz beruhigt sein. :)

    Ich hatte Nils zuletzt gefragt, was es mit dem schlichten Aickman-Band auf dem Foto auf sich hat (s. die Vorstellung von Cold Hand in Mine), schwarzer Einband mit roter Verfasser-Angabe. Es handelt sich allem Anschein nach um die beiden DuMont-Bände, privat nachgebunden. Dabei fielen offenbar die ersten Seiten untern Tisch – und nur dort taucht ja der Name Frank Rainer Scheck auf.

  • Stimmt, die beiden Bände in neuem Gewand hatte ich schon wieder ganz vergessen. Ich hatte den Band irgendwann mal sehr günstig ersteigert, wobei mir bis neulich gar nicht aufgefallen war, dass es sich offenbar um eine private Nachbindung handelt.



    Dark Entries

    Faber & Faber, London, 2014

    Zuerst 1964 erschienen.

    Heute außerdem in höherwertiger Variante bei der Tartarus Press zu bekommen.





    Es handelt es sich um Aickmans erste gänzlich eigenständige Sammlung, in der 6 Geschichten zu finden sind. Die Einführung übernimmt hier der Schriftsteller Richard T. Kelly, das Nachwort Robert Aickman Remembered stammt von Ramsey Campbell. Der Band enthält durchgehend starke bis sehr starke Beiträge, deren Eindruck höchstens durch motivische und thematisch-konzeptionelle Wiederholungen geschmälert wird,



    The School Friend


    Im Mittelpunkt dieses Coming-of-Age-Mysteriums stehen zwei Schulfreundinnen, die gemeinsam in einer englischen Kleinstadt aufwachsen. Während die eine über ein neugieriges und offenes Gemüt verfügt, erscheint die andere als hochbegabte, aber sozial seltsame Person. Sie lebt mit ihrem niemals vor die Tür gehenden Vater in einem merkwürdigen Haus am Ende einer Sackgasse - ein Ort, der von den Leuten in der Stadt allgemein gemieden wird. Ranken sich dunkle Geheimnisse um diese sozial auffällige Familie und ihr gedrungenes Gemäuer?


    Im Gewand einer Entwicklungsgeschichte sinniert Aickman über Grundthemen wie "Schicksal" und "Moral". Meiner Meinung nach geht es für Aickman ungewohnt explizit in eine übernatürliche, gar christlich konnotierte Richtung, wobei ironischer Subtext erkennbar und sicherlich eine Kritik an sozialen Exklusionsprozessen im spießbürgerlichen Milieu intendiert ist. Literarisch gewohnt hochwertig und in Teilen durchaus schaurig; allerdings ist man sich nicht immer sicher, wo Aickman hier eigentlich hin wollte. :thumbup::thumbup::thumbup:,5



    Ringing the Changes


    Ein frisch verheiratetes Ehepaar reist in das Küstenstädtchen Holihaven, um dort einige unbeschwerte Tage zu verbringen. Allerdings wird das Glück des im Lebensalter sehr ungleichen Paars von Beginn an getrübt. Die Bewohner des Ortes reagieren irritiert auf die Ankunft der Fremden. Der kleine Ort scheint sich einer konkreten sinnlichen Wahrnehmung zu entziehen. Durchgehend läuten Kirchenglocken. Als das Paar feststellt, dass neben einem kauzigen alten Ex-Militär und ihnen selbst niemand sonst im Hotel abgestiegen ist, beginnt der Ehemann, Verdacht zu schöpfen.


    Eine von Aickmans effektivsten Geschichten. Gekonnt wird durch den Aufprall einer neurotischen Persönlichkeit auf eine fremdartige, diffus bedrohliche Kulisse eine subtile Spannung aufgebaut, die auf Entschleierung eines monströsen Geheimnisses zuzusteuern scheint. Auf Seiten des Protagonisten scheint sexuelle Verunsicherung und eine allgemeine Lebensentfremdung eine Rolle zu spielen. Wie es für Aickman typisch ist, häuft er durch allerlei Unklarheiten einige gewichtige Fragen auf. Gibt man uns hier ein Kabinettstückchen modernen britischen Folk Horrors? Wer sich im Genre auskennt, dem liegen Assoziationen zu Blackwoods Ancient Sorceries und Lovecrafts The Shadow over Innsmouth nicht allzu fern. Ein mögliches Spiel mit ruralen Mythen und maritimen Ritualslegenden kommt in den Sinn. Aickman scheut auch nicht vor einer extremen, rassistisch anmutenden Konsturktion des "Anderen" zurück, was gewiss sehr kritisch zu bemerken ist, der Zielsetzung hier aber dienlich erscheint. :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:



    Choice of Weapons


    Romantische Exzentrik a la Aickman at its best! Obsessive Leidenschaft reißt einmal mehr einen jungen Mann aus seinen gewohnten bürgerlichen Bahnen und führt inmitten der modernen Großstadt scheinbar in eine frühere Epoche, deren Eleganz und Personal den Jüngling in ihren Bann schlägt. Okkulte Kräfte oder doch bloß Wahngebilde der nutzlosen Liebe? :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:,5



    The Waiting Room


    Auf ganz kurzer Distanz zeigt Aickman hier, dass er auch konventionell auf hohem Niveau kann. Er lässt einen Regierungsbeamten seinen Anschlusszug verpassen. Der frustrierte Herr muss mangels Alternativen die Nacht im Wartehäuschen auf dem verlassenen Gleis zubringen... :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:



    The View


    Ein Mann entschließt sich, seinem lästigen Alltag zu entfliehen und bucht einen Fährplatz gen irische See, wo er sich auf eine kleine Insel zurückziehen will. Auf der Fähre lernt er eine Dame kennen, die auf der Insel wohnt. Sie lädt den Mann ein, in ihrem Haus zu logieren. Vor Ort stellt der Mann schnell fest, dass die visuelle Orientierung schwer fällt - jeder Blick scheint gänzlich Anderes zu offenbaren, als noch zuvor.


    Komplex entwickelt Aickman Stück für Stück ein vom Alltäglichen ins Seltsame übergehendes Kammerspiel, das eine beinahe postmoderne, radikalkonstruktivistische Lesart ermöglicht. Die Dimensionen scheinen um den Protagonisten zu verschwimmen. Die personenzentrierte Erzählweise lässt freilich die psychologische Hintertür immer offen. Eine romantisch-märchenhafte Kritik am modernen Leben schimmert ebenso durch wie die in Frage stehende Möglichkeit eines phantastischen Eskapismus. Aickman diskutiert verschiedene philosophische Fragestellungen, der Reflexionsgrad lässt die Geschichte oft wie ein Prosagedicht wirken. Zwar bleibt die Sache zu hermetisch, um wirkliche Erkenntnis zu bringen und es wird eine hohe Akzeptanz für Exotisches und Malerisches abverlangt - als methodischer Experimentiermeister nötigt Aickman uns hier jedoch ein hohes Maß an Respekt ab. :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:



    Bind Your Hair


    Erneut ist es eine abseitige Liebesbeziehung, die Aickman als Vehikel nutzt, um einen Weltenbruch vorzubereiten. Diesmal folgen wir einer kurz vor dem Eintritt ins mittlere Alter stehenden Büroangestellten, die den Heiratsantrag eines Kollegen akzeptiert. Wirklich überzeugt ist sie zwar nicht, aber Alternativen scheint es keine zu geben. Der Verlobte nimmt sie mit aufs Land, wo sie ihre neue Schwiegerfamilie kennenlernen sollen.


    Wieder profiliert Aickman gekonnt einen sozial engen Raum, um die Leute "with" von den Leuten "without" zu trennen, um eine Kategorisierung F. Scott Fitzgeralds zu bemühen. Als der Protagonistin die Hohlheit ihrer Welt erkennbar wird, driftet sie zur anderen Seite hinüber. Was wird sie dort erwarten? Die Diffusion der Grenzen gelingt Aickman meisterlich, der Weg ist gepflastert mit allerlei Symbolen und schaurigen Ereignissen. Wer sich mit der Wiederholung von Themen und Motiven abfinden kann und Aickmans Vagheit schätzt, ist mit diesem recht kurzen Ausflug in die Provinz gut beraten. :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

  • The Same Dog


    Was oberflächlich als eine recht konventionelle Schauermär daher kommt, entpuppt sich bei genauerer Lektüre als eine sensible Parabel über Vergänglichkeit und kindliche Verlusterfahrung, als eine psychologisch einfühlsame Überlegung mit übernatürlichem Bruch, der zu Interpretationen verschiedenster Art reizt.

    Erst einmal besten Dank für die neue Buchpräsentation. Gelesen habe ich nun noch eine Story aus Cold Hand in Mine, enthalten im DuMont-Band Glockengeläut, Titel: "Derselbe Hund".


    In der Sekundärliteratur wird Aickman wiederholt als ein Vertreter der traditionellen britischen Phantastik eingestuft. Dies kam mir aber hier zum ersten Mal in den Sinn – und wenn ich an die anderen Geschichten denke, dann würde ich auch sagen, dass es "recht konventionell" zugeht, zumindest für Aickmans Verältnisse.

    Die Story ist rund und bietet dem Leser im Detail – in Anbetracht der erwähnten Verhältnisse – einigermaßen griffige Erklärungen, bewegt sich aber insgesamt auf einer typisch phantastisch-hintergründigen Ebene. Das Ausleuchten speziell kindlicher Seelenzustände erscheint mir in der Tat typisch für die englische Geistergeschichte, wenigstens gibt es eine Handvoll Geschichten, die so oder ähnlich gestrickt sind. Später hat, so weit ich sehe, eigentlich nur Stephen King diese besondere Perspektive etabliert.


    Last but not least ist "The Same Dog" definitiv ein Beitrag zum Werwolf-Subgenre. Das ist für mich ausschlaggebend, dass ich hier Nils' drei Daumen zustimme, aber noch einen extra Monster-Punkt vergebe:

    :thumbup::thumbup::thumbup:msr3

  • Oh ja? Hm, ich kann mich an derartige Entwicklungen in der Story gar nicht erinnern. Interessant.

    Bei mir ist die Lektüre auch schon sehr lange her. Hatte damals eine ganz andere Interpretation. Der Hund steht für die Animalität der Sexualität. Zwei Jugendliche wollen zum ersten Mal Sex haben. Der Junge ist noch zu kindlich für den aggressiven Akt der Endjungverung. Er schafft es nicht den Efeu (Schamhaar) zu durchdringen. Das Mädchen sucht sich einen älteren Freund, der den "alten Hund" (Sex) schon kontrollieren kann.

  • Hund und Wolf – eine Familie. Die Verwandtschaft besteht und daher ist die Geschichte für mich, in einem weiteren Sinn, eine Werwolfgeschichte. Interpretieren tue ich da nicht so viel … Von Haus aus haftet der Gestalt des Werwolfs etwas Animalisches und Triebhaftes an. Dann diese wabernde, mal mehr, mal wenigere explizite Sexualität bei Aickman, irgendwann kommt eins zum anderen.

    Ich habe die Stelle sehr ernst genommen, als der (kindliche) Hilary nach dem Erscheinen des Hundes einen offenbar unbekleideten Mann jenseits der Mauer sieht. Das war für mich das Indiz, dass hier eine Verwandlung stattgefunden hat. Der Mord an Mary passt ebenfalls ins Konzept: "Man hat sich an ihr vergangen, hat sie übel zugerichtet. Über und über von Bisswunden bedeckt (…)." (S. 75)