Das raunende Wrack


  • Hat schon jemand in die neue Sammlung reingelesen?

  • Markus K. Korb hat in "Das raunende Wrack" 21 unterhaltsame Geschichten versammelt. Jedem Text vorangestellt sind ein paar einleitende Worte zur Entstehungsgeschichte der Erzählungen. Das hat mir schon mal sehr gut gefallen, weil es einem so den Autor näherbringt. Die Geschichten sind unterschiedlich lang, ich erwähne das, weil die kürzeste 4 Seiten und die längste 36 Seiten lang sind. Und ... sie sind auch unterschiedlich tief. Und hier vorab mischt sich auch schon ein Hauch Kritik. So, jetzt aber ans Eingemachte.


    Far Point Station - Der Opener weist in Zukunft. Pfanzenhorror im Kosmonautensetting. Gute Wahl, denn die Geschichte funktioniert bestens.


    Die Blutmaske von ... - Und ab geht es ins Mittelalter mit einer stimmungsvollen Henkersgeschichte


    Einkauszentrum - Eine ältere Haunted-House-Geschichte des Autors. Sprachlich verspielt und elegant.


    Lepidopterus - Eine nachdenkliche Ikarus-Geschichte. Sehr gut.


    Verlust - Eine romantische Schauergeschichte. Gut geschrieben, aber vorhersehbar für mich.


    Der Dachreiter von Eichstätt - Eine Gruselgeschichte für Kinder. Als solches gut.


    Suisite-Tours - Oh ja, die funzt. Verstörend, atmosphärisch mit einer guten Idee!, die der Titel vielleicht schon hergibt.


    Mittags im Feld - Für mich ebenfalls eine der ganz starken Erzählungen. Coming-of-Age meets Aberglaube.


    Nekrophobie - Eine ältere Geschichte und eine der längsten in dem Band. Moderne Geisterjägergeschichte um Spukhäuser aus verschiedenen Perspektiven. Spannend, schaurig, schön geschrieben.


    Das Fest des großen Wurmes - Korb kündigt die Erzählung als Parabel an. Das ist sie auch, aber mir war es zu einfach.


    Cafe Baltic - Eine schöne Kürzestgeschichte aus der zweiten erzählperspektive. Rügener Lokalcolorit. So mag ich das.


    Felidae Rex - Eine ältere Werwesengeschichte, die durchaus unterhält und stimmungsvoll ist. Das kann der Autor sehr gut.


    Antichrist - Hm, durchaus interessanter Beginn, bzw. eine gute Idee. Allerdings driftet mir die Geschichte zu sehr in die Komik ab.


    Die Fabrik im Sumpf - Love it! Zerfalll beschreiben in all seinen Facetten, das kann nur Korb so vortrefflich. So auch hier.


    Der Ziegenmann - Dadaistisch niedergeschriebener Albtraum


    Lars´Christmas - Torture-Horror. Auch das kann Korb. Oh ja ...


    Fischaugen im Dämmerlicht - Schauergeschichte mit Seefahrerflair. 5 Euro in Phrasenschwein: Stimmungsvoll.


    Digging in the dirt - Eine weitere Albtraumerfahrung.


    Am Lagerfeuer der Rikschafahrer - Korb goes India. Und wenn jemand, Achtung hier kommt es wieder!, stimmungsvoll schreiben kann, dann gelingt es auch! Exotisch und sehr gut.


    Der lange Winter - Und hier geht es in den Kaukasus. Korb schreibt, als hätte er dort an jedem Eiszapfen geleckt. Mensch, Natur, Architektur. Und worum geht es? Um unheilvolle Morde in einem kleinen kaukasischen Dorf.


    Das raunende Wrack - Jungs entdecken an der Küste ein im Wasser liegendes Schiffswrack und erkunden es. Klar, dass es gruselig wird. Wasser und Horror geht immer.


    Fazit: Eine Sammlung von allesamt unterhaltsamen Geschichten. Ich habe keinen roten Faden erkennen können, kein übergeordnetes Thema, kein alles verbindendes Setting und ich muss sagen, dass mir das ein wenig gefehlt hat, denn ...

    Denn mir gefällt Korb immer am besten innerhalb eines abgesteckten Rahmens. Mit einem Ziel, auf das er zuschreibt. Mein Eindruck ist, dass seine Geschichten dann noch dichter sind, mehr Tiefe in der Breite bekommen. Nichtsdestotrotz ist es eine starke Geschichtensammlung, die von mir 8,5 Fußstapfen am Strand bekommt.

    Erwähnenswert sind noch das tolle Cover von Mark Freier und die Innenillustrationen von Bastian Wechsung

  • Ich kenne "Fischaugen im Dämmerlicht" aus Zwielicht 11. Mir hat die Story sehr gut gefallen.


    Der Flair der Kanalinseln, der sich wiederholende Alltag der Fischer, die Konfrontation mit den Studenten, die scheinbar ausweglose Situation, die zum Handeln zwingt.

  • Hallo Vincent,


    vielen Dank für deine ausführliche Besprechung, die mir mehr als einmal eine wohlige Gänsehaut bereitet hat (z.B. "Korb schreibt, als hätte er dort an jedem Eiszapfen geleckt" ist eine schöne Formulierung, die intensiv nachwirkt).


    Schön, dass dir die Storys gefallen haben. Ich verstehe deine Kritik an der Sammlung per se, da sie keinem übergeordnetem Thema folgt. Viele, auch ich, mögen derartige Storysammlungen sehr. Sie sind rar geworden. Vielleicht klappt es ja ein andermal wieder. ;-)


    Jetzt muss ich allerdings erstmal zurück zum Cyberpunk-Genre, das ich mit Horror mischen möchte.


    Auf bald,


    Markus

  • Ich kenne "Fischaugen im Dämmerlicht" aus Zwielicht 11. Mir hat die Story sehr gut gefallen.


    Der Flair der Kanalinseln, der sich wiederholende Alltag der Fischer, die Konfrontation mit den Studenten, die scheinbar ausweglose Situation, die zum Handeln zwingt.

    Hallo Hermes,


    freut mich sehr, dass dir die Story gefällt. Ich mag Geschichten, die an der See spielen, auch sehr. Vielleicht liegt es daran, dass das Meer für mich als fränkische Landratte aufgrund seiner Exotik etwas sehr Anziehendes ist.


    Auf bald,


    Markus

  • Ein Band mit lauter maritimen Horrorgeschichten wär doch mal was..

    Das sehe ich auch so, zumal Delijahs Thread hier auch auf großes Interesse stoßt. Ich habe diese britische Anthologie gelesen, das ist schon toll.


    Außerdem schreibe ich grad an einer weird Seefahrtsgeschichte ... findet sich nicht jemand hier, der eine Anthologie dazu herausgeben möchte? :D Ich würde durchaus helfen, aber habe ja ansonsten leider keinen Verlag im Rücken. [Cof]


    Danke für die Erinnerung übrigens, das Buch steht auch schon länger auf meiner Liste. (Grandioser Titel!)

  • Das ist ja auch schon wieder 11 Jahre her.


    Außerdem schreibe ich grad an einer weird Seefahrtsgeschichte ... findet sich nicht jemand hier, der eine Anthologie dazu herausgeben möchte? :D Ich würde durchaus helfen, aber habe ja ansonsten leider keinen Verlag im Rücken. [Cof]

    Katla, nimm du das doch in die Hand und leg los. Du bist genau die Richtige dafür! Ein Verlag findet sich ganz bestimmt!

  • Oh, das ist ja sehr schade ... über Nacht hatte sich doch schon einiger Enthusiasmus aufgebaut. :(;(


    Je nachdem, welche Ausrichtung das bekommt, und wo das erscheint, könnte ich mir eine ähnlich geartete thematische Alternative vorstellen. Mal abwarten.

  • Zitat

    Oh, das ist ja sehr schade ... über Nacht hatte sich doch schon einiger Enthusiasmus aufgebaut.


    Das wollte ich nicht. Unter deiner Herausgeberschaft wird es ja wieder etwas völlig anderes und spannendes. Und meistens liegt zwischen den Veröffentlichungen von Anthologie so viel Zeit dazwischen, dass das eh egal ist. Kurzum, mein Post war so n just-saying-post. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger. :)