Zum Zustand des deutschen Horror-Films

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    Was finden die Leute z.B. am TATORT? Allein wenn ich die Optik seh. Und die seltsame Beleuchtung. Und das Casting. Die Helden würden in internationalen Produktionen nur den Hausmeister spielen. Alleine die Musil ist OK. Naja und der Regionalbonus.

    Haha, das geht mir ähnlich. Ich kann das immer nur max. 5 Minuten ertragen, dann muss ich abschalten. Daher ist jeder Tatort für mich ein einziger Hoororfilm. Tatsächlich kann ich den Schweiger-Filmen am ehesten was abgewinnen, weil die nicht so zwanghaft verkopft und psychologisch sind. Ansonsten denke ich immer, jeder Charakater bekommt 4-6 psychische Erkrankungen und 1-3 unmögliche Affären/Beziehungen zugelost. Und wenn es dramatisch wird, muss der Zuschauer das mitbekommen, deshalb wird auch nur noch untereinander geschrien. Also ungefähr alle 3 Minuten.


    Relativ aufwändig wurde damals der Film "Gionger - Das Böse vergisst nie" gedreht, das Herrenhaus in Grabau liegt hier direkt in der Nähe und wenn ich im Lotto gewinne, werde ich das kaufen, aber der Film fing gut an und ließ dann auch stark nach. Schade. Ich sehe es insgesamt so wie Michael Tillmann. Und ein bisschen verstehe ich nicht, warum wir das nicht mal ändern ...

  • Tatort ist halt mega erfolgreich - solche Einschaltquoten haben ansonsten nur Länderspiele. Da würde ich als Produzent/Senderverantwortlicher auch nen Teufel tun und was am Konzept ändern. Wobei das echt schade ist. Wenn man sich die Tatorte mit Tukur anschaut, sieht man, was da für eine kreative Kraft schlummert.


    Jetzt endlich auch die erste Folge Hausen gesehen: Das alte deutsche Problem. Die Bilder sind teilweise großartig, die Stimmung schön düster. Das ist vom Optischen absolut auf Hollywoodniveau! Aber wie träge und schwer die Geschichte erzählt wird, meine Güte. Nach zehn Minuten hatte ich eigentlich schon keinen Bock mehr. Und das trotz großartiger Schauspieler und - wie gesagt - beeindruckender Bilder. Ich fürchte, es werden noch einige Jahre vergehen, bis die Verantwortlichen einsehen, dass man Stoffe auch unterhaltsam erzählen darf - ohne dass da gleich schwerwiegende gesellschaftliche Probleme gewälzt werden müssen. Mann, Mann, Mann ... Ich würde die Serie gerne weiterempfehlen, kann's aber nicht guten Gewissens tun. Verschenktes Potenzial. Viel mehr fällt mir dazu nicht ein, und das obwohl Sky mit Der Pass ja bereits einen Hit gelandet hat (ist zwar ähnlich düster und Arte-mäßig gefilmt, aber wenigstens sehen die Figuren, wenn sie sprechen, nicht aus, als würden sie jeden Moment Sturzbäche weinen und sich nach der nächsten Rasierklinge sehnen).

  • Tatort ist halt mega erfolgreich - solche Einschaltquoten haben ansonsten nur Länderspiele. Da würde ich als Produzent/Senderverantwortlicher auch nen Teufel tun und was am Konzept ändern. Wobei das echt schade ist. Wenn man sich die Tatorte mit Tukur anschaut, sieht man, was da für eine kreative Kraft schlummert.

    Wobei die Tatorte mit Tukur ja für mich das beste Beispiel dafür sind, dass Kreativität nicht unbedingt in einen unterhaltsamen, nachvollziehbaren Film münden muss. Es gibt auch schlichte Gemüter, die mit einem konventionelleren, klassischeren Krimi als Sonntagabendunterhaltung glücklicher wären.;)

  • Und ein bisschen verstehe ich nicht, warum wir das nicht mal ändern ...

    Das ist die richtige Einstellung. Allerdings scheint (insbesondere beim Öffentlich-rechtlichen) es sich oft um geschlossene Gruppen zu handeln, wo dann z.B. die Lebensgefährtin des Produzenten das Drehbuch schreibt etc. etc. Hab mich schon mehrmals mit Leute unterhalten können, die ab und an fürs Fernsehen arbeiten. Dürfte extrem schwierig sein, die dortigen Verkrustungen aufzubrechen.

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    Wobei die Tatorte mit Tukur ja für mich das beste Beispiel dafür sind, dass Kreativität nicht unbedingt in einen unterhaltsamen, nachvollziehbaren Film münden muss.


    Da zweifach erwähnt, werde ich dem Tukor-Tatort mal eine Chance geben.

  • Allerdings scheint (insbesondere beim Öffentlich-rechtlichen) es sich oft um geschlossene Gruppen zu handeln, wo dann z.B. die Lebensgefährtin des Produzenten das Drehbuch schreibt etc. etc. Hab mich schon mehrmals mit Leute unterhalten können, die ab und an fürs Fernsehen arbeiten. Dürfte extrem schwierig sein, die dortigen Verkrustungen aufzubrechen.

    Da hätte ich gerne mal einen Beleg für. Die Drehbuchmaschinerie ist nämlich gänzlich anders strukturiert als das übliche Autorending. D.h. die meisten Drehbuchautoren arbeiten direkt für Firmen, die dafür Aufträge bekommen. Diese Firmen produzieren dann auch ihr eigenes Drehbuch nach Auftragserteilung.

  • Da hätte ich gerne mal einen Beleg für. Die Drehbuchmaschinerie ist nämlich gänzlich anders strukturiert als das übliche Autorending. D.h. die meisten Drehbuchautoren arbeiten direkt für Firmen, die dafür Aufträge bekommen. Diese Firmen produzieren dann auch ihr eigenes Drehbuch nach Auftragserteilung.

    Deine Forderung ist berechtigt. Ich hab schon bereut, daß ich nicht zuerst den Artikel über einen bekannten Fall herausgesucht hab. Ich versuche, es nachzuliefern.

  • %X

    Hab beim Zappen ein paar Minuten "Der letzte Bulle" gesehen. Und jetzt ist mir wieder klar vor Augen, warum ich keine deutschen Krimis mag. Der Bulle fuhr mit einem Motorrad in den Sonnenuntergang. Erst spielten sie "Born in the USA" und dann "Born to be wild". Sagt, geht es noch schlimmer?%X