Philip K. Dick - Sämtliche 118 SF-Geschichten Band 2: Variante Zwei

  • Wobei das Ende vorhersehbar war. Das typische Setting ist wieder da, aber Dick macht deutlich, dass die Frau das Eheleben hasst.

    Was aber immer noch nicht dazu führt, dass sie eine andere Rolle bekommt, nur einen netteren Ehemann.


    Der zweite Band enthält wirklich sehr viele Geschichten, die mir Dick doch verleiden.

  • Dick sagt im Anhang zu "Menschlich ist...":

    "Für mich ist diese Geschichte meine frühe Antwort auf die Frage, was ist menschlich. Seit ich diese Geschichte schrieb,damals in den Fünfzigern, habe ich meine Ansichten darüber eigentlich nicht geändert. Es kommt nicht darauf an, wie man aussieht oder auf welchem Planeten man geboren wurde, es kommt darauf an, wie freundlich man ist. Die Eigenschaft der Freundlichkeit unterscheidet uns meiner Meinung nach von Felsen, Holz und Metall und das wird auch immer so bleiben, welche Gestalt wir auch annehmen, wohin wir auch gehen, zu was wir auch werden. Für mich ist 'Menschlich ist...' mein Credo. Möge es auch Ihres sein."

    Die Botschaft der Geschichte lautet ganz klar - Sei kein Arschloch! Es geht in ihr um eine Frau, die von ihrem gefühlskalten, aggressiven Ehemann emotional missbraucht wird. Am Ende wird der Mann abserviert und erhält die Quittung für sein Handeln, während die Frau ihr Glück findet - #metoo. Wie man in dieser netten Geschichte etwas Frauenfeindliches finden kann, ist mir wirklich schleierhaft. Bei "Von verdorrten Äpfeln" kann man meinetwegen noch darüber streiten, aber auch da teile ich deine Interpretation nicht, "Menschlich ist..." hat aber doch einen klaren feministischen Ansatz. (Womit ich nicht sagen will, dass es bei Dick keine Misogynie gibt.)

    Wie siehst du die Sache denn, Mammut?

    Das typische Setting ist wieder da, aber Dick macht deutlich, dass die Frau das Eheleben hasst.

    Was aber immer noch nicht dazu führt, dass sie eine andere Rolle bekommt, nur einen netteren Ehemann.

    Sie hasst das Eheleben nicht, sie hasst nur ihren Ehemann. Dick macht höchstens deutlich, dass es bei ihr einen unerfüllten Kinderwunsch gibt. Ihr Mann mag keine Kinder.

    Es besteht für sie am Ende keinerlei Zwang mit dem Alien zusammenzubleiben. Sie tut dies aus freien Stücken. Weil sie es möchte! Weil sie es liebt... obwohl es kein Mensch ist (aber trotzdem menschlicher als ihr früherer Ehemann). Fand ich eine wirklich schöne Idee.

    Es soll ja Leute geben die alles von dem gut finden. Das kann ich allerdings nicht verstehen. Da ist doch einiges dabei was ziemlich dürftig ist.

    Da gebe ich dir Recht. Besonders von seinen Kurzgeschichten war ich noch nie ein großer Fan... auch wenn ich die Meisten momentan mehr mag, als ich es erwartet habe bzw. in Erinnerung hatte. Trotzdem sind seine Romane deutlich stärker. Auch wenn es dort ebenfalls ein paar Gurken gibt. Diese hier kriegt aber 4/5.


    "Menschlich ist" wurde übrigens ebenfalls in "Electric Dreams" umgesetzt. Dort übernimmt Bryan Cranston ("Breaking Bad") die Rolle des Arschloch-Ehemanns. Eine der besseren Folgen. Hat mir damals gefallen.

  • Da gebe ich dir Recht. Besonders von seinen Kurzgeschichten war ich noch nie ein großer Fan... auch wenn ich die Meisten momentan mehr mag, als ich es erwartet habe bzw. in Erinnerung hatte. Trotzdem sind seine Romane deutlich stärker. Auch wenn es dort ebenfalls ein paar Gurken gibt.

    Könnte ich für mich so nicht sagen. Ich fand Dick am besten mit seinen Geschichten aus den 60ern. Die 50er gefallen mir teilweise gar nicht, unabhängig ob Romane oder Kurzgeschichten), die 70er waren dann auch oft nicht mein Fall.

    Aber das ist natürlich in großen Teilen Geschmackssache.

  • Ich fand Dick am besten mit seinen Geschichten aus den 60ern. Die 50er gefallen mir teilweise gar nicht, unabhängig ob Romane oder Kurzgeschichten

    Was die 60er angeht, bin ich ganz bei dir. Da hatte Dick seine Hochphase (auch in Sachen Drogenkonsum und Psychosen... ob es da wohl einen Zusammenhang gibt?) Aber auch in den 50ern hat er ein paar brauchbare Romane geschrieben: Ganze vorne dabei "Zeit aus den Fugen", aber auch "Hauptgewinn: Die Erde", "Der heimliche Rebell" & "Und die Erde steht still" habe ich gemocht. Aber wie du sagst - Alles Geschmackssache.

  • Die Botschaft der Geschichte lautet ganz klar - Sei kein Arschloch! Es geht in ihr um eine Frau, die von ihrem gefühlskalten, aggressiven Ehemann emotional missbraucht wird. Am Ende wird der Mann abserviert und erhält die Quittung für sein Handeln, während die Frau ihr Glück findet - #metoo. Wie man in dieser netten Geschichte etwas Frauenfeindliches finden kann, ist mir wirklich schleierhaft. Bei "Von verdorrten Äpfeln" kann man meinetwegen noch darüber streiten, aber auch da teile ich deine Interpretation nicht, "Menschlich ist..." hat aber doch einen klaren feministischen Ansatz. (Womit ich nicht sagen will, dass es bei Dick keine Misogynie gibt.)


    Sie hasst das Eheleben nicht, sie hasst nur ihren Ehemann. Dick macht höchstens deutlich, dass es bei ihr einen unerfüllten Kinderwunsch gibt. Ihr Mann mag keine Kinder.

    naja, die Rolle der Frau auf eine glückliche Hausfrau und Mutter zu begrenzen, ist kein Feminismus.

    Das Glück der Frau besteht ja nicht darin, Unabhängigkeit zu erlangen., sondern nur von einem Ehemann besser behandelt zu werden. Dicks Frauenbild ist halt 50er Jahre und ich werde ihn jetzt nicht dafür loben, dass er einen fiesen Ehemann abstraft.

    Loben werde ich ihn für eine Geschichte, in der die Frau ins Weltall zu Arbeit fliegt und niemanden fragen muss, ob sie ein Kind kriegen darf oder eben auch nicht.

  • naja, die Rolle der Frau auf eine glückliche Hausfrau und Mutter zu begrenzen, ist kein Feminismus.

    Der neue Ehemann bietet doch an ihr beim Haushalt zu helfen. Eine patriarchale Beziehung ist das nach dem "Austausch" nicht mehr. Sondern eine absolut Gleichberechtigte.

    Und die Rolle der Frau auf eine glückliche Ehefrau und Mutter zu begrenzen ist sicher kein Feminismus - Wenn sie diese Rolle selbst wählt/ darin aufgeht ist es per se aber auch kein Anti-Feminismus. Ich weiß nicht was daran verwerflich ist, wenn man sich eine glückliche Beziehung mit Kind wünscht - Egal welches Geschlecht man hat. Genauso wenig verwerflich ist es aber natürlich, wenn man sich als Frau gegen Beziehung und Mutterschaft und für ein Singledasein und Karriere entscheidet.

    PS: Ich bin übrigens Feminist.

    Das Glück der Frau besteht ja nicht darin, Unabhängigkeit zu erlangen., sondern nur von einem Ehemann besser behandelt zu werden

    Das Glück der Frau besteht darin am Ende die wahre Liebe zu finden. Eine Sache, die sie sich die ganze Zeit gewünscht hat. Nach deiner Logik wäre ja jede Frau, die eine glückliche Beziehung mit einem Mann führt, ein Opfer des patriarchalen Systems. Mit Verlaub, das ist doch Quatsch.

    Dicks Frauenbild ist halt 50er Jahre

    Habe ich nie bestritten. Seine damaligen Genrekollegen stehen ihm diesbezüglich aber in nichts nach.

  • Gleichberechtigung ist nicht Hilfe im Haushalt

    Es war auch nur ein Beispiel für ihre "Beziehung auf Augenhöhe", da du den Haushalt ja angesprochen hattest.

    und das femininistische hattest Du doch ins Spiel gebracht

    Ja. Ich bezog mich oben auch nur auf deinen Einwand "die Rolle der Frau auf eine glückliche Hausfrau und Mutter zu begrenzen, ist kein Feminismus" und habe dir in dem Punkt Recht gegeben. Das feministische Element der Geschichte besteht jedoch darin, dass sich die Frau aus ihrer Unterdrückung befreit und am Ende absolut gleichberechtigt ist. Ist das nicht das Ziel des Feminismus?

  • Umstellungsteam hat die Merkmale einer typischen Dick Geschichte. Der kleine Mann, ein Zufall, der nicht verhinderbar scheint, lüftet ein Stück weit den Vorhang hinter der Welt. Der Mann glaubt, sich und sein Geheimnis im Griff zu haben, aber seine Frau durchschaut ihn.

    Zwei Drittel der Geschichte haben mir gut gefallen. Das Ende aber wirkt ein wenig phantasielos. Es fehlt insgesamt der kalte Schauer der eine andere Weltsicht hinterlässt und der Twist mit dem Staubsaugervertreter wirkt eher erzwungen.

  • Mammuts Meinung zu unserer Diskussion über "Menschlich ist..." hätte mich ja noch interessiert...

    Ich hoffe jedenfalls, dass sich lapismont nicht von mir angegriffen fühlt. Das war nämlich nicht meine Absicht.

    [Skl]

    Umstellungsteam hat die Merkmale einer typischen Dick Geschichte.

    Absolut. Typischer geht es eigentlich gar nicht. Ich fand die Idee hinter dem Umstellungsteam ganz nett, aber...

    ...da fehlte irgendwie die sinnvolle Aufklärung und ein überzeugendes Ende.

    Da bin ich wieder ganz bei dir.


    "Umstellungsteam" wurde 2011 übrigens mit Matt Damon und Emily Blunt verfilmt - Deutscher Titel: "Der Plan". Der Film orientiert sich aber mal wieder nur sehr lose an der PKD-Geschichte:



    Habe nur sehr wenige Erinnerungen an die Umsetzung, das Ganze aber nicht als besonders sehenswert gespeichert.

  • Es war auch nur ein Beispiel für ihre "Beziehung auf Augenhöhe", da du den Haushalt ja angesprochen hattest.

    Ja. Ich bezog mich oben auch nur auf deinen Einwand "die Rolle der Frau auf eine glückliche Hausfrau und Mutter zu begrenzen, ist kein Feminismus" und habe dir in dem Punkt Recht gegeben. Das feministische Element der Geschichte besteht jedoch darin, dass sich die Frau aus ihrer Unterdrückung befreit und am Ende absolut gleichberechtigt ist. Ist das nicht das Ziel des Feminismus?

    Es gibt ja immer verschiedene Hintergründe die man für sich zu Rate zieht. Lapismont kommt ja aus einem zentralistischen Staat mit Kinderaufzucht, wie wir es am ehesten aus Frankreich kennen. Ich bin da eher in der katholischen Tradition des Westens aufgewachsen und kenne daher die Frauenrolle aus den 50ern, die war in den 70ern nicht viel anders und wenn ic ehrlich bin, kenne ich das aus der Jetztzeit noch zu genüge.

    Wenn man dann so ein Bild wie in der Geschichte vorgesetzt bekommt, ist man entweder entsetzt (Lapismont) oder ernüchtert (wir beide?). Die Frau in der Geschichte ist nicht eine, es sind zwei. Unter dem Tyrann ist Jill die typisch unterdrückte Frau der 50er Jahre, und das war ein Bild, das Dick in jetzt mehreren Geschichten aufgemalt hat. Sie küsst ihm die Füße (und was man sich sonst so denken kann) und ist ein Mensch zweiter Klasse.

    Im zweiten Teil wird aus Jill ein wirkliches Lebewesen. Statt eingeschüchtert zu sein, in dem Fall vom Bruder, sowie dem Schatten des Tyrannen, ergreift sie die Chance, obwohl sie nicht weiß, auf was sie sich einlässt, schließlich könnte der Außerirdische auch noch andere Seiten haben, und ergreift die Chance, auch aus dem Gefühl, das sie weiß, dieses Wesen ist genau das, was sie wünscht, und schickt den Alten zum Teufel und erlebt ein neues Glück mit dem außerirdischen neuen Ehemann.

    Ralf, deine Kritikpunkte würde ich nicht gelten lassen. Ausgehend aus ihrer Rolle in der damaligen Zeit hat sie auf jeden Fall einen riesigen Sprung in die Gleichberechtigung gemacht. Und ich finde, den Unterschied arbeitet Dick klar heraus. Mir dünkt eher, du hast den Dick jetzt erstmal in die "Frauen sind minderwertig-Ecke" einsortiert und das wird dieser Geschichte nicht gerecht.

  • Für mich fühlt es sich halt nicht als eine Emanzipation an, wenn sich lediglich der Umgangston des Patriarchen ändert. Dahinter steckt ja trotzdem noch die finanzielle und rechtliche Abhängigkeit.

    Ich weiß nicht, wie es in den USA war, aber in der BRD durften Ehefrauen weder über eigenes Geld verfügen, noch eine Arbeit aufnehmen, ohne Zustimmung des Ehemanns.

    Die Bettelei um Ausgang in der Apfelbaum-Geschichte lässt mich vermuten, dass die USA da auch noch nicht besser waren.

    Dicks Zukunftswelten vermitteln in diesen frühen Kurzgeschichten nicht, dass er großartig am Frauenbild rütteln wollte.

    Die Geschichte wäre identisch, wenn der Typ Kinder schlüge oder Tiere quälte. Am Ende käme ein neuer typ, der das nicht mehr macht. Aber weder die Rolle des Kindes oder des Tieres wäre eine andere.


    Kinderaufzucht ist übrigens ein ziemlich krasses Wort. Sicher ist eine ideologische Kindererziehung wie in der DDR ethisch fragwürdig, aber die Rolle von Kinderkrippe, Kindergarten, Hort und Schule geht über eine Aufzucht hinaus.

    Erziehung und Bildung ist eben auch Staatssache. Gerade die USA zeigen ja recht deutlich was passiert, wenn es egal ist, was Kinder lernen.


    Und Cheddar Goblin , wir schwatzen hier über Geschichten, ich kann das schon unterscheiden. Weder hängt mein Herz an Dick noch führe ich Krieg gegen ihn. Jede Geschichte bekommt ihre neue Chance. Natürlich summieren sich wie hier manchmal Eindrücke und der Fokus auf die Bewegung von weiblichen Brustkörben, beim völligen Ignorieren männlicher Busen, amüsiert mich mittlerweile schon sehr.

    Aber angegriffen fühle ich mich deshalb nicht. Wie gesagt, ich bin sehr froh, endlich zum Lesen dieser Box zu kommen.


    Von mir aus können wir das Projekt so streitlustig weiterführen. ?(